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Symbolbild: Adobe Stock 

Kostbares Nass: Wie entstehen die Preise für Trink- und Schmutzwasser?

Nordschwarzwald/Enzkreis. Ausgerechnet im vermeintlich wasserreichen Oberen Enztal müssen Verbraucher für Trinkwasser im landesweiten Vergleich meist deutlich mehr zahlen. Ausnahme ist vor allem eine kleine Gemeinde, von deren Gebiet aus auch andere Kommunen mit dem kostbaren Nass versorgt werden. Die PZ gibt den Überblick und hat nachgefragt, warum Bürger in bestimmten Gemeinden für Leitungs- und auch Schmutzwasser teils deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Wollen manche Kommunen mehr Geld mit einer höheren Trinkwasser- und Schmutzwassergebühr erwirtschaften?

Nein, generell gilt: Die Schmutzwassergebühr bringt Kommunen weder Gewinne noch Verluste ein. Denn die müssten kostendeckend kalkuliert werden, erklärt Bad Wildbads Stadtkämmerer Tido Lüdtke. Beim Trinkwasser könne dagegen ein kleiner Überschuss in der Bilanz erzielt werden. Die Stadt Bad Wildbad hat 2018 laut Lüdtke mit Schmutzwasser rund 1,75 Millionen Euro eingenommen.

Welche Faktoren beeinflussen den Preis?

Bei der Trinkwasserversorgung fallen zwei große Kostenblöcke ins Gewicht, sagt Peter Buhl, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Wildbad. „Einmal die Fixkosten für die Infrastruktur zu denen das Leitungsnetz, die Hochbehälter, die Anlagen der Wassergewinnung und Teile des Personalaufwands gehören.“ Weiter nennt Buhl die variablen Kosten, die mengenabhängig seien. Dazu gehörten unter anderem die Energiekosten, der Wartungsaufwand sowie die Verbrauchsmaterialien. „Der weitaus größte Teil der Kosten ergibt sich durch die Infrastruktur, deren Wartung, durch Neubaumaßnahmen und durch entsprechende Instandhaltungsmaßnahmen“, so Buhl weiter. Diese sogenannten Fixkosten machten rund 80 Prozent aus. Der Rest entfalle auf die variablen Kosten.

Bei diesen wirke sich beispielsweise ein geringerer Wasserverlust senkend auf die Höhe der Verbrauchsgebühr aus, so Jürgen Gall, Kämmerer und Bauamtsleiter in Dobel.

Im landesweiten Vergleich fällt auf: Im vermeintlich wasserreichen Nordschwarzwald müssen Bürger für Trink- und Schmutzwasser teils mehr bezahlen. Woran liegt das?

Buhl macht die kostenträchtige Infrastruktur dafür verantwortlich. „In Bad Wildbad haben wir spezielle Herausforderungen, die sich nicht so oft finden.“ Der Geschäftsführer der Stadtwerke nennt unter anderem die „herausfordernde Topographie“. In der Kurstadt müssten zwei Täler versorgt, dazu sieben Hochbehälter betrieben und zusätzlich Wasser in eine obere Höhenzone gepumpt werden. „Eine Kommune, die sich nur auf einer Höhenzone erstreckt, hat hier gewaltige Vorteile“, so Buhl.

Werden die Gebühren in den kommenden Jahren steigen?

Buhl von den Stadtwerken Bad Wildbad rechnet bei der Trinkwasserversorgung durch Investitionen in die Infrastruktur mit steigenden Kosten und damit auch steigenden Preisen. Gleiches Szenario zeichnet in puncto Schmutzwasser in der Kurstadt auch Kämmerer Tido Lüdtke. Durch ansteigende Anforderungen bei der Wasserver- beziehungsweise -entsorgung würden die Kosten auch in Dobel tendenziell ansteigen, sagt Gall. In Schömberg sollen die Gebühren zumindest auch im nächsten Jahr stabil bleiben, verspricht Burger.

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