nach oben
In Nagold entsteht derzeit die Erweiterung der Gemeinschaftsunterkunft im Haus Waldeck.
In Nagold entsteht derzeit die Erweiterung der Gemeinschaftsunterkunft im Haus Waldeck.
21.02.2016

Kreis Calw kommt bisher bei Flüchtlingsunterkünften ohne Hallen und Zelte aus

Die Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis Calw ist eine echte Herkulesaufgabe. Norbert Weiser – eigentlich Sozialdezernent des Landkreises, derzeit aber fast ausschließlich mit der Bewältigung des Flüchtlingsproblems beschäftigt – lässt da keinen Zweifel aufkommen.

Doch trotz der Größe der Aufgabe ist man im Landratsamt optimistisch, dass man die Sache in den Griff bekommt. „Auf unserer Ebene kriegen wir das hin“, verkündete Weiser dem Sozialausschuss des Kreistags. „Wir haben da ein gutes Gefühl.“

Das ist allerdings mit viel Aufwand verbunden. Eine zweistellige Millionensumme wird der Landkreis in diesem Jahr wohl für die Schaffung von Unterkünften ausgeben. 1400 Plätze stehen im Landkreis derzeit zur Verfügung – darunter 200 in der Kreiserstaufnahmestelle in Bad Wildbad. Weitere 1400 Plätze sollen in diesem Jahr noch entstehen. Als Standort der Unterkünfte sind Dobel, Nagold, Schömberg, Neubulach und Altensteig geplant. „Das sollte uns dann reichen“, zeigte sich Weiser vor dem Ausschuss vorsichtig optimistisch.

Für etwas Entspannung sorgt derzeit auch, dass im Januar und Februar deutlich weniger Flüchtlinge in den Kreis gekommen sind als im Dezember. Waren es im letzten Monat des Jahres 2015 noch 402 Asylsuchende, so geht man für Januar und Februar von jeweils zwischen 200 und 250 aus. Landratsvize Frank Wiehe warnte in der Sitzung allerdings davor, von einer dauerhaften Entspannung zu sprechen. Einigermaßen realistisch sei, dass man 2016 in etwa so viele Flüchtlinge unterbringen müsse wie 2015.

Keine Prognosen, sondern gesicherte Erkenntnisse gibt es darüber, wie der Betrieb der Gemeinschaftsunterkünfte derzeit vonstatten geht. Selbst in großen Unterkünften wie in Bad Liebenzell, wo 270 Flüchtlinge untergekommen sind, laufe es „ohne größere Probleme“, wie Norbert Weiser berichtete. Die Anwohner würden von den Einrichtungen „relativ wenig“ bemerken. Auch die Befürchtungen, die in der Nähe des Calwer Berufsschulzentrums entstandene Unterkunft könne negative Auswirkungen etwa auf das dortige Schülerwohnheim haben, hätten sich nicht bewahrheitet. Dass es beim Betrieb der Unterkünfte und der Betreuung der Flüchtlinge so gut laufe, das habe man vor allem der intensiven Arbeit der Ehrenamtlichen zu verdanken, lobte Weiser. „Eigentlich in jeder Kommune haben sich da Gruppen organisiert“, so Weiser. „Und ohne die könnten wir unsere Arbeit nicht machen.“ Dieses Lob sei nicht einfach so dahergeredet: „Das kommt von Herzen.“

Während man bei der vorläufigen Unterbringung also guten Mutes ist, taucht eine andere Herausforderung am Horizont auf: die Anschlussunterbringung, für die dann die Gemeinden verantwortlich sind. „Das wird eine erhebliche Belastung für die Kommunen“, ist sich Weiser sicher. Im vergangenen Jahr waren es 850 Asylsuchende, die die Kommunen unterbringen mussten. In diesem Jahr werden es wohl jeden Monat 100 Flüchtlinge sein, die aus den Gemeinschaftsunterkünften auf die Gemeinden im Kreis Calw verteilt werden.

Ende des Jahres dürften es dann zwischen 4500 bis 5500 Asylsuchende sein, die man im Kreis Calw zu versorgen habe, rechnete Weiser vor. Momentan laufe die Angelegenheit im Kreis Calw zwar ordentlich, „aber irgendwann sollte der Scheitelpunkt auch erreicht sein“, machte Weiser allen Anwesenden klar.