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Das SPD-Führungstrio, hier nach der Wahl 2015, ist gesprengt: Nils Nonnenmacher (Mitte) gibt Amt und Parteibuch ab. Die Stellvertreter Sigune Wieland und Paul Renner übernehmen das Ruder bis zur Neuwahl im Februar kommissarisch. Foto: Fux, Archiv
Das SPD-Führungstrio, hier nach der Wahl 2015, ist gesprengt: Nils Nonnenmacher (Mitte) gibt Amt und Parteibuch ab. Die Stellvertreter Sigune Wieland und Paul Renner übernehmen das Ruder bis zur Neuwahl im Februar kommissarisch. Foto: Fux, Archiv
10.12.2016

Kreis-SPD verliert Chef: Nils Nonnenmacher tritt zurück und aus

Es war eigentlich eine routinemäßige Kreisvorstandssitzung der SPD am Donnerstagabend in Ispringen. Doch Nils Nonnenmacher machte daraus einen politischen Einschnitt. Der Vorsitzende der SPD Enzkreis gab den Genossen seinen Rücktritt von diesem Amt bekannt – und den Austritt aus der SPD gleich mit. Dann verließ der Remchinger die Versammlung und hinterließ einen Parteivorstand, der sich nun neu sortieren muss.

Vom Zeitpunkt des Rücktritts zeigten sich einige Genossen überrascht. Die Hintergründe sucht nicht nur Nonnenmachers Vor-Vorgänger als SPD-Kreisvorsitzender, Thomas Knapp, in den privaten Querelen Nonnenmachers mit einer jungen Genossin aus dem Pforzheimer Stadtverband der Partei. Der Streit um Beleidigungen war letztlich vor Gericht gelandet und damit zur Belastungsprobe für die Partei geworden. Einige Genossen mussten vor dem Karlsruher Landgericht aussagen. Knapp selbst und Nonnenmachers Stellvertreter Paul Renner waren ebenfalls als Zeugen geführt – von Nonnenmachers Gegnerin in dem Streit. Erst nach der Verhandlung in Karlsruhe hatte zunächst Nonnenmacher seine Zivilklage zurückgezogen.

Im Oktober dann wurde auch die Beleidigungsklage der Pforzheimer Genossin nach einem Vergleich beigelegt, mit dem sich der Enzkreis-Vorsitzende zu einer Zahlung von 250 Euro verpflichtet hatte. Nils Nonnenmacher nennt persönliches Misstrauen innerhalb der Partei nach dieser Geschichte als einen Grund für seinen Schritt. Zudem sei er ernüchtert darüber, dass zu viel Politik im Vieraugengespräch hinter verschlossenen Türen und nicht in den zuständigen Gremien gemacht werde. Das bezieht Nonnenmacher ausdrücklich auf die Bundespartei.

Es ist in der Enzkreis-SPD kein Geheimnis, dass beispielsweise zwischen Nonnenmacher und Knapp das Tischtuch wegen des eskalierten privaten Streits längst zerschnitten ist. Schon im Landtagswahlkampf hieß das Gespann Knapp/Renner und nicht wie ursprünglich geplant Knapp/Nonnenmacher. Beide sagen, sie seien vom jeweils anderen enttäuscht. Thomas Knapp meint zu dem Rücktritt entsprechend, er halte es für überfällig, dass Nonnenmacher persönliche Konsequenzen ziehe. Die gerichtliche Auseinandersetzung sei für die Partei schädlich gewesen.

Bedauern über Nonnenmachers Rücktritt äußert Bundestagsabgeordnete Katja Mast. Sie sei vom scheidenden Vorsitzenden im Enzkreis immer gut unterstützt worden. „Ich hätte es ihm anders gewünscht“, so Mast. Kurz vor dem Start in ein Bundestagswahljahr sei es nun wichtig, dass die Genossen im Enzkreis und in Pforzheim an einem Strang ziehen.

Dieses Signal senden die beiden Genossen aus, die nun als gewählte Stellvertreter die Partei im Kreis erst einmal kommissarisch führen: Sigune Wieland und Paul Renner. Der Zeitpunkt des Rückzugs habe sie überrascht, sagen beide. Und beide setzen darauf, dass sich die SPD so neu aufstellt, dass ein positives Signal für den Bundestagswahlkampf mit Katja Mast daraus wird. Nonnenmacher habe seine persönliche Entscheidung getroffen „und das akzeptieren wir“, sagt Wieland. Renner weiß, dass die Partei in der Frage nach einem Nachfolger auch auf die Stellvertreter blickt. Über mögliche Kandidaturen werde man in den nächsten Wochen sprechen, meint Renner.

Der Termin für die Neuaufstellung steht bereits: Für den 17. Februar waren ohnehin bereits etatmäßige Neuwahlen für den Kreisvorstand angesetzt.