nach oben
Hauptredner der überraschenden Art: Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck, eingerahmt vom Kreisbauernvorsitzenden Ulrich Hauser und dessen Stellvertreter Thomas Kaucher, begrüßt Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau (rechts) im dicht gefüllten Uhlandbau in Mühlacker. Der Saal ist Ausweichstation für den Kreisbauerntag, weil Enzbergs Festhalle marode ist. Fotos: Meyer
Spricht eine Reihe von Sorgen der Landwirte an: der Eisinger Ulrich Hauser.
08.02.2019

Kreisbauerntag diskutiert Sorgen über miese Preise, Umweltauflagen und Dürre

Volles Haus beim Kreisbauerntag im Mühlacker Uhlandbau. Landwirte wie der Ötisheimer Ulrich Jaggy schätzen den Tag als Möglichkeit zum Treffen und Austausch mit Kollegen – und als Chance, aus erster Hand Informationen über wichtige politische Weichenstellungen für die Landwirtschaft zu erhalten.

Zumal nicht nur der Neuhausener Gerd Philipp, Bauer und CDU-Kreisrat, mit Blick auf die konventionelle Landwirtschaft sagt: „Wenn sich nichts ändert, wird sie gegen die Wand gefahren.“ Das jährliche Treffen sei umso wichtiger, damit Bauern ihre ernsten Anliegen auch Bundespolitikern direkt mit auf den Weg geben könnten, sagt Corinna Benkel, stellvertretende Leiterin des Landwirtschaftsamts Enzkreis: in diesem Fall neben den Bundestagsabgeordneten Katja Mast (SPD) und Gunther Krichbaum (CDU) dem Hauptredner Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen.

Bildergalerie: Grünen-Bundeschef Robert Habeck beim Kreisbauerntag

Was brennt den Landwirten auf den Nägeln?

Einiges, macht Ulrich Hauser aus Eisingen deutlich, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands: die Zunahme der Wetterextreme mit Ernteausfällen, der viel zu häufigen Verlust wertvoller, tiefgründiger Ackerböden an Bauflächen für Wohnen oder Gewerbe, der Druck durch Klimaschutzvorgaben, der unfaire Wettbewerb mit anderen Teilen der Erde, wo landwirtschaftliche Produkte ohne strenge Auflagen billig produziert würden. Weitere Gründe für Sorgen: Verbraucher, die zwar immer mehr Interesse an Herkunft von Lebensmitteln und Produktionsbedingungen zeigten, beim Einkauf aber vor allem nach dem Preis entscheiden. Und der sei in deutschen Supermärkten „mal supergeil, mal niedriger Sensationspreis“, so Hauser. Ein direkter Vorwurf an die Politik etwa die „enteignungsgleichen Eingriffe beim Landeswassergesetz“, so Hauser. Die Landwirtschaft verliere Flächen durch verschärfte Abstandsgebote von Gewässerrandstreifen oder Trockengräben. Hausers Stellvertreter Thomas Kaucher macht den Ärger darüber in der Diskussion noch einmal deutlich.

Was sagt die Politik?

Der Grüne Habeck schafft es, den Enzkreis-Landwirten zu vermitteln, dass er in vielen Punkten auf ihrer Seite sei: Sein Plädoyer, die gesamte Landwirtschaft ökologischer auszurichten, garniert er mit der Forderung, ökologische Leistungen finanziell zu belohnen. Auch das erntet in Mühlacker Applaus. Einen Seitenhieb verteilt CDU-Politiker Krichbaum. Habeck sei über die Sorgen um die Wassergesetzgebung zu schnell weggegangen, sagt er: „Dabei geht es um den Wert Ihrer Betriebe.“ Einen Rüffel verpasst er aber auch Gastgebern. FDP-Landtagsabgeordneter Erik Schweickert habe ihm die Sahne zum angebotenen Kaffee mit auf die Bühne gegeben: Discounter-Ware, alles andere als Enzkreisproduktion. Nur Lob verteilen dafür Landrat Bastian Rosenau und der Mühlacker Bürgermeister Winfried Abicht. Die Bauern machten den Enzkreis mit zur Bio-Musterregion und prägten die Kulturlandschaft, so Rosenau. Er formuliert ein Problem der Politik: „Niemand hat eine Glaskugel, die jedem zeigt, was genau auf uns zukommt.“