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Flüchtlinge ziehen in Keltern ein: Das Thema Asyl beherrschte in der Kreisverwaltung das Jahr 2015 in einem ungewöhnlichen Ausmaß. Fotos: PZ-Archiv, Seibel, Schott
Flüchtlinge ziehen in Keltern ein: Das Thema Asyl beherrschte in der Kreisverwaltung das Jahr 2015 in einem ungewöhnlichen Ausmaß. Fotos: PZ-Archiv, Seibel, Schott
Dezernenten Wolfgang Herz, Katja Kreeb und Landrat Karl Röckinger (v.l.): In der Führungsebene hat der Kreis seit Monaten noch eine Lücke zu füllen – gesucht wird Karl-Heinz Zellers Nachfolger.
Dezernenten Wolfgang Herz, Katja Kreeb und Landrat Karl Röckinger (v.l.): In der Führungsebene hat der Kreis seit Monaten noch eine Lücke zu füllen – gesucht wird Karl-Heinz Zellers Nachfolger.
25.03.2016

Kreisverwaltung unter Dauerdruck - alles beherrscht von Asylfragen

Routine? Die gab es bei der Jahres-Pressekonferenz des Enzkreises früher mal. Das Jahr 2015 war für die Kreisverwaltung dagegen ein Jahr der Extreme. Die Flüchtlingsströme und ihre Bewältigung überlagerten alles. Das Landratsamt ist seitdem ständig auf Mitarbeitersuche und wächst längst über die Kapazitäten des eigenen Verwaltungssitzes hinaus.

Das Ganze in einer Zeit, in der die Leitung der Verwaltung noch immer dezimiert ist. Und in der ein weiterer Trend den Kreis vor Herausforderungen stellt: Weil immer öfter Bürger die Entscheidungen gewählter Gremien hinterfragen, ist die Kommunalaufsicht im Dauereinsatz.

Die Flüchtlingszahlen: Von Januar bis Dezember, so Landrat Karl Röckinger, seien rund 2200 Neuankömmlinge in den Enzkreis gekommen. Nach den jüngsten Zahlen vom März leben derzeit insgesamt 3060 Flüchtlinge im Kreis. Und gemessen an den rund 75 Neuankömmlingen in jeder Woche des ersten Quartals, könnten es zum Jahresende sogar deutlich mehr sein als die 5000 Menschen, mit denen der Kreis rechnet.

Rechnung mit Unbekannten: Die bundespolitischen Weichenstellungen sollen die Zahl der Neuankömmlinge senken. Doch wie stark sich das auf den einzelnen Landkreis auswirkt, ist offen. Ein weiterer Faktor X ist der Familiennachzug. Der Enzkreis wolle zwar von vornherein vor allem Familien ansiedeln, so Erster Landesbeamter Wolfgang Herz und Sozialdezernentin Katja Kreeb – derzeit seien rund 1000 Kinder und Jugendliche in den Unterkünften. Trotzdem wisse man nie, wie viele Menschen nachkommen.

Das Personal: Im Jahr 2015 hatte das Landratsamt sein Personal noch vorsichtig erhöht. Seit Monaten führe man nun Hunderte Vorstellungsgespräche, so Kreeb. Zum Beispiel fürs Amt für Migration – Anfang 2015 noch ein 20-köpfiges Team. Bis Ende 2016 könnten es rund zehn Mal so viele Mitarbeiter sein, wenn der Kreistag den nötigen Personalaufstockungen grünes Licht gibt. Aber auch viele andere Bereiche der Kreisverwaltung wie Baurecht, technische Dienste, Personal- und Gesundheitsamt sind mit Flüchtlingsfragen befasst.

Die Bürger als Faktor: Ob Rathauspläne in Remchingen, Asylunterkunft in Eisingen, Windkraft in Straubenhardt oder Mühlehof in Mühlacker: Immer öfter stellten Bürger Entscheidungen gewählter Gemeinderäte infrage, sagt Röckinger. Der Kreis werde als Kommunalaufsicht von beiden Seiten wegen rechtlicher und anderer Fragen angesprochen. Die Leute müssten aber wissen, dass der Enzkreis nur beurteile, ob eine Entscheidung rechtens ist – nicht aber, ob sie zweckmäßig ist oder nicht. Für Straubenhardts Windkraft-Erörterung stellte das Landratsamt zudem den Moderator. Die 600 Seiten Protokoll, so Herz, würden in den nächsten 14 Tagen veröffentlicht. Dann würden neue und alte Unterlagen noch einmal offengelegt.

Die Herzenssache: Hohen Einsatz habe seine Verwaltung auch bei der Mühlacker Gartenschau gezeigt, sagt der Landrat. Und das mit viel Spaß an der Sache. Rund 300 Veranstaltungen habe der Enzkreis zum Rahmenprogramm in den Enzgärten beigesteuert – dazu die laut Forstamtsleiter Frieder Kurtz sehr erfolgreichen pädagogischen Angebote im „Eichenreich“ und im Schaugarten des Landwirtschaftsamts.

Die Führung: Das Landratsamt hat sich organisatorisch neu aufgestellt. Finanzdezernent Frank Stephan etwa hat mit Abfallwirtschaft und Amt für Bildung und Sport einige neue Aufgaben übernommen. Das gilt auch für Wolfgang Herz mit neuen Bereichen wie Klimaschutz und nachhaltige Mobilität. Doch seine bisherige Verantwortung für die Suche nach Asyl-Unterkünften bleibt ihm ebenfalls. Zudem verantwortet Herz vorerst das Dezernat des 2015 in den Ruhestand verabschiedeten Karl-Heinz Zeller. Dessen Nachfolger als Landesbeamter wird gemeinsam mit dem Innenministerium seit Monaten gesucht. Katja Kreeb und Roland Hübner teilen sich das Dezernat Soziales, Familie und Integration.