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21.03.2011

Kriminalstatistik: Landkreis Calw besonders sicher

CALW. Landrat Helmut Riegger hat allen Grund, sich mit der Polizeidirektion Calw unter Führung des Leitenden Kriminaldirektors Joachim Kurz über die erneut positive Kriminalitätsentwicklung zu freuen. Der Landkreis Calw ist der zweitsicherste in Baden-Württemberg. Die Zahl der Straftaten ging 2010 auf 4.702 (Vorjahr: 4.821) zurück - die niedrigste Fallzahl in den vergangenen zehn Jahren. Die Aufklärungsquote liegt bei 60,6 Prozent und damit über dem Landesdurchschnitt von ganz knapp unter 60 Prozent.

Mit den Präventionsverantwortlichen des Landratsamts, der Suchtstelle Calw, den Vereinen, Ordnungsämtern und anderen Projektpartnern ist die Polizei derzeit dabei, Regeln zur „Festkultur“ landkreisweit festzulegen. Gemeinsames Ziel ist es, den Alkoholmissbrauch hauptsächlich junger Menschen durch konsequentes Einhalten der Jugendschutzbestimmungen und einer Kultur des Hin- und nicht Wegschauens, zu verringern. Dass in diesem Bereich Handlungsbedarf besteht, zeigen die alkoholbedingten Behandlungsfälle junger Menschen (13- bis 19-Jährige) aus dem Landkreis Calw. Diese haben sich seit dem Jahr 2001 mit 28 Fällen bis zum Jahr 2009 (Zahlen für das Jahr 2010 liegen noch nicht vor) mit 55 Fällen fast verdoppelt. Alkoholisiert waren knapp über 30 Prozent der Tatverdächtigen, die an Gewaltdelikten, wie gefährliche und schwere Körperverletzung, beteiligt.

Die Jugendkriminalität hat sich bezüglich der Anzahl der Tatverdächtigen unter 21-Jähriger kaum verändert. Die Tatverdächtigenzahl ist um neun Jungtäter auf 729 zurückgegangen. Dieser Rückgang um 1,2 Prozent ist umso erfreulicher, als bereits seit dem Jahre 2007 mit 874 Tatverdächtigen die Zahlen der Jungtäter kontinuierlich zurückgehen.

Neun jugendliche Intensivtäter und weitere vier Minderjährige, bei denen ebenfalls die Gefahr besteht, dass sie in die Kriminalität abgleiten, machen der Polizei, Staatsanwaltschaft und der Jugendgerichtshilfe beim Landratsamt Calw, nicht wenig Sorgen. Bei diesen jungen Menschen, die immer wieder durch Straftaten wie Körperverletzungen, Diebstahl und Sachbeschädigungen auffallen, besteht von Seiten der Behörden das gemeinsame Ziel, die Verfestigung kriminellen Handelns zu verhindern.

In sieben Fällen wurde von der Polizei wegen Straftaten gegen das Leben ermittelt. Im Einzelnen handelte es sich um einen Mord, vier versuchte Totschlagsdelikte und zwei fahrlässige Tötungen. Die Bevölkerung war wegen der Ermordung eines 15-jährigen Jugendlichen Ende Februar 2010 in Ebhausen erschüttert. Der Tathandlung ging ein Streit unter Jugendlichen voraus. Der 15-jährige wurde gedrosselt und durch mehrere Messerstiche getötet. Die beiden Täter, 18 und 14 Jahre alt, die bei der Polizei keine Unbekannten waren, wurden zwischenzeitlich zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Sexualdelikte haben um sieben Fälle auf 78 Delikte zugenommen. Trotz eines Anstiegs um fast zehn Prozent liegt die Fallzahl fast beim Mittelwert der zurückliegenden fünf Jahre mit 77 Delikten. 88,5 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen nahmen um zwei Fälle auf 14 Delikte zu, der sexuelle Missbrauch von Kindern stieg um fünf auf 28 Fälle. Unter den 72 Tatverdächtigen befanden sich auch vier weiblichen Geschlechts.

Die Polizei beschäftigte Mitte Mai 2010 die versuchte Vergewaltigung einer 24-jährigen Frau durch einen 42-jährigen Tatverdächtigen. Dieser lockte die Frau in einen Lagerraum bei Calw, um sie in seine Gewalt zu bringen. Durch heftige Gegenwehr gelang ihr nach längerem Zeitraum verletzt die Flucht. Nach dem Tatverdächtigen wurde mit Fahndungsfotos, Suchhunden und Polizeihubschrauber gefahndet. Er flüchtete nach Polen und konnte dort festgenommen und ausgeliefert werden. Er ist zwischenzeitlich rechtskräftig zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.

Rohheitsdelikte sind um 69 Fälle auf 673 Delikte zurückgegangen, das sind knapp über neun Prozent. Landesweit und im Regierungsbezirk sind dagegen Zunahmen um zirka drei Prozent zu verzeichnen. Im Landkreis ist hauptsächlich bei den Körperverletzungsdelikten mit 47 Fällen weniger ein Rückgang festzustellen. Dabei sind die leichten Körperverletzungen für dieses Ergebnis verantwortlich, bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen sind die Fallzahlen dagegen fast gleich geblieben.

Raubdelikte haben von 18 auf 28 Fälle zugenommen, insbesondere Überfälle auf der Straße von sieben auf 14 Delikte, wobei die Schwerpunkte dieser Tatörtlichkeiten in den beiden großen Kreisstädten Calw (sechs Fälle) und Nagold (vier Fälle) lagen. Die gesamten Raubdelikte konnten zu knapp über 70 Prozent aufgeklärt werden, die Aufklärungsquote hat damit um fast 16 Prozent zugenommen.

Einer dieser aufgeklärten Fälle trug sich im Oktober 2010 zu, als ein bewaffneter Tatverdächtiger die Raiffeisenbank-Filiale Calw-Altburg überfiel. Die beiden Angestellten mussten ihm Geld herausgeben und wurden gefesselt. Durch die Aufmerksamkeit eines Zeugen konnte die Polizei den Täter beim Verlassen der Bankfiliale überwältigen. Er stammte aus einem angrenzenden Landkreis und wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten rechtskräftig verurteilt.

Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte bewegten sich in den zurückliegenden Jahren im Landkreis zwischen 10 und 15 Fällen. Im Jahr 2010 waren es 10 Fälle. Neun dieser Fälle betrafen Widerstandhandlungen gegen Polizeivollzugsbeamte. Drei Beamte wurden dabei verletzt. Die landesweite Zunahme von Widerstandshandlungen und Gewalt gegen Polizeibeamte kann im Landkreis, ausgehend von den Deliktszahlen, nicht festgestellt werden.

Betrugsdelikte umfassen ein weites Feld. Immer wieder werden vornehmlich ältere Mitbürger Opfer von Trickdieben und Betrügern, die es auf Kreditkarten abgesehen haben. Obwohl die Polizei und die Banken ständig eindrücklich davor warnen, Kreditkarte und PIN gemeinsam aufzubewahren, bleiben diese Empfehlungen häufig unbeachtet. Alleine im vergangenen Jahr ist dieser Bereich um 18 auf 30 Fälle angestiegen. Diebstähle haben mit fast 34 Prozent einen hohen Anteil an der Gesamtkriminalität.

Die registrierte Rauschgiftkriminalität ist stark abhängig von den Aktivitäten der Ermittlungsbeamten. Die rückläufigen Fallzahlen von 216 auf 188 Fälle ist kein Beleg dafür, dass diese Kriminalität im Landkreis rückläufig ist. Generell muss von einem großen Dunkelfeld ausgegangen werden. Immer wieder werden auch jüngere Fahrzeugführer von der Polizei aus dem Verkehr gezogen, weil sie sich unter Drogeneinwirkung hinters Steuer setzen. Im Jahr 2010 waren es 28 Drogenfahrten die polizeilich bekannt wurden. Im Jahr zuvor wurden noch 43 Vorfälle registriert. Die Gefährlichkeit des Rauschgiftkonsums zeigt sich insbesondere dann, wenn Rauschgifttote zu beklagen sind. Im Jahr 2010 waren dies zwei Personen im Alter von 22 und 29 Jahren.

Die Internetkriminalität greift immer mehr um sich. Sie stieg von 175 auf 214 Fälle an. Die Palette der einzelnen Straftaten reicht von Sexualdelikten, Bedrohungen, Ausspähen von Daten bis hin zu dem Schwerpunkt der Betrugsdelikte. Bei knapp über 80 Prozent der Internetkriminalität (172 Fälle) wird betrogen. Dies geschieht auf Versteigerungsplattformen oder bei Bestellungen in Online-Shops. Bestellte Waren werden nicht geliefert oder sind minderwertig. Fast 30 Prozent der gesamten Betrügereien finden zwischenzeitlich im Internet statt. pol