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Die evangelische Kirche in Eisingen: Die Glocken hinter den Mauern bleiben jetzt in der Nacht stumm. Foto: Martin Schott
Die evangelische Kirche in Eisingen: Die Glocken hinter den Mauern bleiben jetzt in der Nacht stumm. Foto: Martin Schott
22.12.2016

Kritiker aus Eisingen fühlen sich von Glockenläuten gestört

Eisingen. Glockenläuten und Weihnachtszeit, die scheinen in besonderer Weise zusammenzugehören. Die Kirchenglocken waren jetzt sogar Gegenstand der letzten Ratssitzung in Eisingen vor Weihnachten. Korrekt gesagt: Das Glockenläuten, und ganz genau: das sogenannte „Stundenschlagen“. Dabei zeigen sich die Eisinger Glocken (zu denen die „Cyriakus-Glocke“ aus dem Jahre 1493 gehört, eine der ältesten erhaltenen Glocken weit und breit) seit eh und je sehr „schlagfreudig“.

Die Glocken verschaffen sich mit jeweils einem Schlag für die Viertelstunde und bei den vollen Stunden mit jeweils zwei weiteren Schlägen für die erreichte Uhrzeit Gehör. Zwölf Uhr bedeutet also vier Viertelstundenschläge plus zwei mal zwölf Schläge für die ganzen Stunden, insgesamt also 28 Schläge. Das gilt für zwölf Uhr mittags – und auch für zwölf Uhr nachts. Weder Bürgermeister Thomas Karst noch die Gemeinderäte würden daran – persönlich – etwas ändern wollen. Es gibt aber offenbar immer wieder kritische Stimmen, die sich an dem Glockengeläut in der Nacht stören.

„Das müssen wir zur Kenntnis nehmen“, erklärte Karst die Aufnahme des Themas in die Tagesordnung. Dass das Stundenschlagen der Kirchenglocken überhaupt im Gemeinderat, und nicht etwa in kirchlichen Gremien zu bearbeiten ist, liegt daran, dass die Eisinger Kirchturmuhr bezüglich Unterhaltung und Betrieb in der Verantwortung der politischen Gemeinde liegt, so Karst, der auch die Rechtslage verdeutlichte. Völlig klar sei: Das „sakrale Läuten“ der Glocken, etwa vor und zum Gottesdienst oder bei Beerdigungen, ist nicht Gegenstand der jetzigen Überlegungen und schon verfassungsrechtlich im Sinne der Freiheit der Religionsausübung streng geschützt. Das „weltliche Läuten“, also vor allem das akustische Anzeigen der Uhrzeit, sei dagegen lediglich eine Tradition und genieße diesen besonderen Schutz nicht.

Der „Nachtruhe“-Vorschlag der Verwaltung für die Kirchturmuhr erhielt eine Mehrheit von zwölf Stimmen bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung.

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