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31.03.2009

Landrat Röckinger hebt ab: Enzkreis beschafft eigenen Helikopter

ENZKREIS. Er hat wieder mal die Nase vorn: Als erster Landrat in Baden-Württemberg verfügt Enzkreis-Chef Karl Röckinger seit heute über einen eigenen Dienst-Hubschrauber. Der Kreistag hatte dem Einsatz des intern „L-Force One“ getauften Fluggeräts schon im Zuge der Haushaltsberatungen zugestimmt.

Der bis zu 250 Stundenkilometer schnelle Helikopter bietet Platz für acht Passagiere und soll in erster Linie dazu dienen, dass der Landrat seine Terminplanung effizienter gestalten und die vielfältigen Verpflichtungen optimal unter einen Hut bekommen kann. Immerhin muss er als Vorsitzender des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) landesweit Termine wahrnehmen. Auch die internationalen Verbindungen des Enzkreises lassen sich nun besser pflegen: Die Reisezeit nach Myslowice in Polen und Györ in Ungarn verkürzt sich auf die Hälfte.

Chef-Fahrer Michael Prange hat im vergangenen Jahr bereits erfolgreich die Hubschrauber-Pilotenprüfung abgelegt. Das Dach der Cafeteria an der Güterstraße wurde zum Start- und Landeplatz für den Senkrechtstarter umgebaut. Eine erhöhte Umweltbelastung befürchtet man im Landratsamt nicht, wie der Landrat betont: „Der Eurocopter 135 erfüllt schon heute die strenge Abgasnorm Euro 5, die eigentlich erst ab September gilt.“ Deshalb sei auch die Zuteilung einer Schadstoff-Plakette kein Problem gewesen: Die grüne Marke prangt rechts unten an der Glaskuppel von L-Force One – „sonst dürften wir ja in der Umweltzone in Pforzheim nicht abheben – und in Mühlacker schon gar nicht landen.“

L-Force One soll auch für andere Aufgaben im Landratsamt zur Verfügung stehen. So rechnet man im Forstamt mit drastisch reduzierten Kosten bei komplizierten Rodungsaktionen. „Für Baumfäll-Arbeiten in unzugänglichen Steillagen wie kürzlich an der Burgruine Löffelstelz in Mühlacker können wir künftig auf teure Fremdfirmen verzichten“, freut sich Sachgebietsleiter Guido Wölfle. Er selbst trainiere bereits verbissen am Flugsimulator – „aber in der Realität schaut das doch noch einmal anders aus“, bekennt der Forstfachmann.

Im Landwirtschaftsamt hofft man, einen optimierten Service bieten zu können: „Vor allem bei unseren Überwachungsaufgaben für EU-Anträge können wir uns alles nun auch von oben ansehen – und da ist naturgemäß der Überblick besser“, wie Amtsleiter Jürgen Krepp weiß. Weiterer Vorteil: Den Landwirten könnten schon bald Luftbilder zur Verfügung gestellt werden, auf denen sie ihre Schlagskizzen direkt anfertigen können. Auch bei den Vermessungsingenieuren und in der Kommunalaufsicht geht man von vielfältigen Einsatzmöglichkeiten aus.

Für Einsätze im Katastrophenfall wurde der Helikopter mit einer Wärmebildkamera, Außenlautsprechern, Wetterradar, Autopilot und Infrarot-Suchscheinwerfer ausgestattet. „Wenn schon, denn schon“, meint dazu Fuhrpark-Manager Lothar Walter. Das meiste davon gehöre ohnehin zur Baisausstattung, weil das Modell vorwiegend von Polizei und ADAC-Luftrettung genutzt werde; auch der Bundesgrenzschutz habe mehrere Modelle bestellt. „Mit anderen Worten: Wir sind auch auf künftige Einsätze bestens vorbereitet“, versichert Röckinger: „Der Enzkreis ist eindeutig im Aufwind.“ enz