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dobel © Zoller
04.03.2014

Leder für Liebhaber - Hoppe's Lederkunst

„Wir machen das, weil es uns einfach Freude bereitet“, schmunzelt Michael Hoppe und bestätigt „die Produkte aus unserer kleinen Liebhaber-Werkstatt sind Unikate, die mittlerweile auf Bestellung gefertigt werden und bereits im Ausland Freunde und Liebhaber finden.“ - Damit zeigt er stolz auf sein „Fotobuch“, das die gefertigten Kunstobjekte im Bild präsentiert.

Die aufwändig hergestellten Lederkissen gib es in allen Formaten. Mal sind sie unifarben, mal bunt, mal sind es einfache Schattenrissen, die Tiere oder Landschaften darstellen, mal sind es detailgetreue Reproduktionen von Familienwappen, die aus Leder als Wandbild fertig gerahmt oder als Lederkissen gefertigt sind.

Michael Hoppe sitzt in seiner kleinen Werkstatt auf dem Dobel, die er stolz sein Atelier nennt und erklärt freudestrahlend mehr über sein Hobby, bei dem seine Frau gerne helfend mitwirkt. Ja, sein Hobby! Denn der Mittsechziger hat sich im Nordschwarzwald eine Oase geschaffen, in der er Freunde, Kunden und Bekannte empfängt und zudem die Möglichkeit hat, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Bildergalerie: Leder für Liebhaber bei Michael Hoppe

Das kleine Atelier mit Schaufenster liegt in einer Seitenstraße des Höhenluftkurortes Dobel und ist Mittwoch und Samstag von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Umgeben von dem unnachahmlichen Lederduft zieren Wappen, Tiersilhouetten, Sportarten oder Phantasielandschaften die wertvollen Lederkunstwerke. Dabei handelt es sich überwiegend um Kissen. Die kunstvoll gefertigten Unikate haben nach Aussage des Künstlervaters zudem auch noch eine praktische Funktion zu erfüllen: „Unsere spezielle Kissenfüllung dient wohltuend der Rückenstütze“ argumentiert der Lederkünstler, der sich gerade sein Lieblingskissen mit dem Herrenalber Wappen zurechtrückt, um völlig entspannt das Interview zu führen.

„Leder“, so führt er fort, „ist ein wunderbarer Werkstoff. - Etwas lebendiges, dauerhaftes und zudem etwas natürliches. Das spürt man, wenn man sich damit beschäftigt“, sagts und lässt eine wunderbar weiche pinkfarbene Lederhaut geschmeidig durch die Finger gleiten. Die Liebe zum Detail wird kombiniert mit großem Sachverstand.

Doch das alles ist nur Hobby. Der fachkundige Spezialist hat sich schon längst aus seinem Produktionsbetrieb für Reitsportkleidung zurückgezogen. Seit 1997 wohnt er in Bad Herrenalb und seit 2003 hat er sein Atelier in der Wildbader Straße Nummer 24, der ehemaligen Schusterwerkstatt von Familie Hummel. „Meine ersten Lederarbeiten sind dank einer Idee meiner Frau entstanden“, argumentiert Hoppe, der nach der Auflösung seines Fachbetriebes noch viele Lederreste aufbewahrt hatte, um für eventuelle Reparaturen seiner ehemaligen Kunden gerüstet zu sein. „Als ich 2003 die Lederreste entsorgen wollte, war meine Frau schlichtweg dagegen.“ Für sie waren die Naturstoffe zu kostbar, um einfach im Müll zu landen. Also entstand die Idee, aus einzelnen Lederresten phantasievolle Objekte zu entwickeln, die zum einen dekorativ und zum anderen auch noch nützlich sein sollten.

Seine Frau Elke appellierte an die künstlerisch kreative Ader ihres Mannes. Er nutzte die Eigenschaften des wertvollen Naturproduktes für eine neue Idee: Leder, das sich zum einen durch die Körpertemperatur erwärmt und zum anderen formstabil bleibt, ist für Hoppe die ideale Grundlage um den Rücken zu stützen, der auf den oftmals nachgiebigen Sofaecken gerne in eine Schieflage gerät, was auf Dauer zu Unwohlsein führt.

„So sind unsere Lederkissen entstanden!“ Hoppe schmunzelt und zeigt eines seiner ersten Modelle. „Das waren einfache Kissen mit maximal 10 Schnittteilen“. Doch die Farbenpracht alleine genügte dem Künstler nicht. Nur mal eben so Quadrate in verschiedenen Farben zu arrangieren war seinem Anspruch nicht genüge getan. Also wurde getüftelt und wie ein Puzzle wurden verschiedene Motive und Farben in Einlegearbeit (Intarsien) zusammen gefügt. Dazu gehört eine große Fingerfertigkeit und zudem viel Geduld! Die Lederstücke, die je nach Qualität in verschiedenen Stärken vorliegen, müssen sorgfältigst ausgeschnitten sein, um anschließend eine glatte Oberfläche zu ergeben.

Sichtlich stolz präsentiert der Lederkünstler sein neues Werk, das aus rund 120 Einzelteilen besteht. Dabei ist so manches „Fitzelchen“ nicht größer als ein fünf Cent Stück. Aber seine Augen blitzen und er erläutert den aufwändigen Werdegang:

Zunächst wird das Schnittmuster erstellt. Dann werden die Lederfarben zugeordnet und das Schnittmuster auf das Leder übertragen. „Die Tierhaut Leder ist sehr unterschiedlich in der Elastizität, der Rückenteil ist fester, der Bauchteil weicher. Daher werden die von hand exakt ausgeschnittenen Lederstücke zuerst auf einem dünnen Trögermaterial verklebt, um final ein ebenmäßiges und glattes Kunstwerk zu erhalten.“ Diese Puzzlearbeit benötigt eine ruhige Hand, denn die Lederstücke müssen millimetergenau aneinander passen. Dann wird jedes Lederteilchen Stich für Stich aufgenäht. Das ist Präzisionsarbeit.

„Wenn auch nur ein Stich daneben geht, ist das gesamte Modell verpfuscht“, so der Künstler, der die Naht zum absoluten „Muss“ seines Gesamtkunstwerks erklärt.

Besonders gerne tüftelt Hoppe an Wappen. Erst vor wenigen Tagen hat er ein aufwändiges Familienwappen aus dem Jahr 1520 reproduziert und als Lederkunstwerk persönlich zum Empfänger nach Frankreich gebracht.

Er gestaltet seine Arbeiten nur ein einziges Mal. Das ist der Luxus, den er sich persönlich gönnt – zur Freude der Kunde und zur Freude für seine eigene Kreativität. „Dann wird es nie langweilig, denn jedes Stück bleibt UNIKAT und somit auch beim Kunden ein hochgeschätztes Einzelstück.“

Das Leder stammt aus deutschen Gerbereien, die Farbechtheit garantieren und zudem dem hohen Qualitätsanspruch der Familie Hoppe entsprechen. Für Kundenwünsche hat Michael Hoppe stets ein offenes Ohr, zumal er gerne neue Ideen verwirklicht.

Da es keine webseite gibt, ist ein Besuch im Lederatelier auf dem Dobel empfehlenswert oder eine telefonische Absprache über 0171 – 7183992 nutzbringend.