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Kriminaltechniker graben den Leichnam in einem Waldstück südlich von Pforzheim aus. 

Leichenfund in Pforzheim: Obduktion soll Todesursache klären

Pforzheim/Birkenfeld-Gräfenhausen. Nach ersten Erkenntnissen geht die Kriminalpolizei Pforzheim davon aus, dass es sich bei dem Leichnam, der am Dienstagnachmittag in einem Waldstück südlich von Pforzheim gefunden wurde, um den seit gut einem Monat vermissten Simon Paulus aus Gräfenhausen handelt.

Körperliche Merkmale wiesen darauf hin, dass es der 50-jährige Büchsenmacher, Sportschütze und Jäger ist, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Paulus hatte unter anderem ein Kreuz auf den Unterarm tätowiert und eine markante Hautverfärbung auf dem Rücken.

Vier Wochen lang hat das Verschwinden des Gräfenhauseners Simon Paulus die Region in Atem gehalten – und just in dem Moment, als der Fall bundesweit für Aufsehen sorgte und die Pforzheimer Kriminalpolizei vor zahlreichen Fernsehkameras und Radiomikrofonen den Stand der Ermittlungen im Rahmen einer großen Pressekonferenz zusammenfasste, wurde am Dienstagnachmittag im Wald die Leiche entdeckt.

Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus
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Das sagt die Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus

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Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus

Leichnam war schon länger an dieser Stelle vergraben

Wo am Mittwoch zahlreiche Spaziergänger unterwegs waren und nur noch rot-weißes Flatterband vom Polizeieinsatz zeugte, waren am Dienstag sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz in einem weiträumig abgesperrten Areal dabei, Spuren zu sichern. Auch Vertreter der 40-köpfigen Sonderkommission (Soko) „Wagner“ waren am Fundort. Der ist keine zehn Meter von einem Forstweg entfernt zwischen lichten Bäumen. Gefunden wurde die Leiche am Dienstag nach Angaben der Polizei zufällig von einem Waldarbeiter. Sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe machten sich umgehend ans Werk, den Körper auszugraben und Spuren zu sichern. In welchem Zustand der Leichnam war, dazu machte die Polizei keine Angaben. Allerdings geht man bei der 40-köpfigen Sonderkommission „Wagner“, die in diesem Fall ermittelt, davon aus, dass der Leichnam schon länger an dieser Stelle vergraben war.

Leichenfund im Wald bei Pforzheim
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Leichenfund im Wald bei Pforzheim

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Leiche in einem Pforzheimer Waldstück aufgefunden

Die Gesamtumstände am Fundort erhärten auch den Verdacht der Ermittler, dass Paulus einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Bei einer Obduktion am Donnerstag in der Heidelberger Rechtsmedizin soll die Todesursache geklärt werden und abschließend auch die Identität.

Paulus wird seit Mittwoch, 29. August, vermisst. Nachbarn hatten von einem Streit mit mehreren Unbekannten gegen 21.30 Uhr berichtet. Anschließend seien Sachen in ein Auto geladen worden, das dann davonfuhr. Die Polizei fand später vor dem Eingang zu Paulus Wohnung, der ebenerdig zum Garten hin liegt, Blut, das in den Boden eingesickert war. Aufgrund der Menge waren die Ermittler gleich zu Beginn von einer Gewalttat, möglicherweise sogar einem Tötungsdelikt ausgegangen.

Fieberhafte Suche nach Motiv und Täter

Nun rückt die Suche nach Tätern und Motiv in den Mittelpunkt. Von den rund 30 Waffen, die zusammen mit Paulus verschwunden sind, fehlt weiter jede Spur. Bei der Pressekonferenz kurz vor dem Fund der Leiche hatten Uwe Carl, Leiter des Pforzheimer Kriminalkommissariats, und Ulrich Conle, Leiter der Ermittlungen der Soko „Wagner“, erklärt: „Wir ermitteln in alle Richtungen, wissen aber noch nicht, wohin die Reise letztendlich geht.“

Über 300 Spuren und Hinweisen sei die Soko inzwischen nachgegangen. Das Umfeld von Paulus sei befragt, sein finanzieller Hintergrund durchleuchtet worden. Nichts deute bisher darauf hin, dass der Gräfenhausener, der aus dem Besitz seiner Gewehre und Pistolen keinen Hehl machte und auch mehrfach Waffen für Bekannte reparierte, in illegale Geschäfte verstrickt gewesen sein könnte. Große Hoffnungen setzte Conle zuvor schon auf das Auffinden des Opfers und versprach sich einen „großen Schritt nach vorne.“ Häufig ergäben sich aufgrund der Spuren neue Ansatzpunkte für die Ermittlungen.

Sollten Personen seit dem Verschwinden des Opfers auch in dem südlich von Pforzheim betreffenden Waldstück verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder sonstige Hinweise geben können, werden diese weiterhin gebeten, sich bei der Kriminaldauerwache unter der Telefonnummer (0721) 666-5555 zu melden.

Seit dem Verschwinden von Paulus Ende August hatten in der Region zwei weitere Leichenfunde für Aufregung gesorgt. Am 17. September wurde an der Straße von Dobel nach Bad Herrenalb ein Mann irakischer Herkunft erschossen. In diesem Fall ermittelt parallel die Soko „Tanne“. Am 12. September wurde ein 33-jähriger Vermisster tot im Wald nordwestlich von Pforzheim gefunden. Ein Gewaltverbrechen liegt hier allerdings nicht vor.