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Katja Kreeb ist als Sozialdezernentin für Jugend-, Migrations- und Flüchtlingsangelegenheiten im Enzkreis zuständig. Foto: PZ-Archiv
Katja Kreeb ist als Sozialdezernentin für Jugend-, Migrations- und Flüchtlingsangelegenheiten im Enzkreis zuständig. Foto: PZ-Archiv
Knifflige Aufgaben sind im Lagezentrum beim Lenkungsstab Asyl Alltag: Zwei Mal wöchentlich bittet Landratstellvertreter Wolfgang Herz (links) zu Sitzungen, bei denen Flüchtlingsunterkünfte organisiert werden müssen. Am Montag mit am Tisch (von links): Kreisbrandmeister Christian Spielvogel, Personalamtschef Robert Seeger, Miriam Mayer, Leiterin des Amts für technische Dienste, Baurechtsamtschef Wolfgang Schlund, Sven Besser fürs Amt für Migration und Stefanie Frey von der Pressestelle. Der Platz neben Herz ist normalerweise der von Sozialdezernentin Katja Kreeb.
Knifflige Aufgaben sind im Lagezentrum beim Lenkungsstab Asyl Alltag: Zwei Mal wöchentlich bittet Landratstellvertreter Wolfgang Herz (links) zu Sitzungen, bei denen Flüchtlingsunterkünfte organisiert werden müssen. Am Montag mit am Tisch (von links): Kreisbrandmeister Christian Spielvogel, Personalamtschef Robert Seeger, Miriam Mayer, Leiterin des Amts für technische Dienste, Baurechtsamtschef Wolfgang Schlund, Sven Besser fürs Amt für Migration und Stefanie Frey von der Pressestelle. Der Platz neben Herz ist normalerweise der von Sozialdezernentin Katja Kreeb.
31.12.2015

Lenkungsstab des Enzkreises ringt um Unterbringung der Flüchtlinge.

Der abgeschottete Raum unter der Cafeteria des Landratsamts ist einer, in dem eigentlich Krisenstäbe eventuelle Katastrophen bewältigen müssen. Karten an den Wänden sorgen für den nötigen Überblick. Charts zeigen Szenarien auf.

Seit Monaten drehen sich diese Szenarien nicht um Katastrophen, sondern um immer neue Busse mit Flüchtlingen, die in den Enzkreis kommen. Für diese Woche steht eine 102 an der Wand des Lagezentrums. Für die erste Woche des neuen Jahres noch eine 102. So viele Neuankömmlinge werden dann erwartet. Darunter steht jeweils der Vermerk „Darmsbach“. Für zwei Wochen verschafft die ehemalige Fabrikhalle dort der Kreisverwaltung Luft. Danach gibt es Platz in Maulbronn und den Containern in Tiefenbronn. Ab Januarwoche drei steht nichts mehr auf dem Plan.

Damit steht der Lenkungsstab Asyl um Landratstellvertreter Wolfgang Herz besser da als oft in diesem Jahr. Bei den Treffen zwei Mal wöchentlich im Lagezentrum brauchten die betroffenen Amtsleiter und Dezernenten oft schnelle Notlösungen zur Unterbringung von Flüchtlingen – wenn montags noch nicht klar war, wohin mit den Menschen. Aber wenn die Neuankömmlinge dann erst mal in einer Gemeinde ankamen, witterten einige freiwillige Helfer dort tatsächlich eine Krise – in der Koordination des Kreises.

Wolfgang Herz spricht von einer Ausnahmesituation für die Verwaltung. Seit Monaten steht er für die Unterkunftssuche. Und dabei wird es vorerst bleiben. Katja Kreeb hat den Bereich des Sozialdezernats, der derzeit von der Flüchtlingsbetreuung geprägt ist, erst im Oktober übernommen. Zum Jahresende sollte auch die Unterkunftsplanung in ihre Verantwortung übergehen. Doch dazu kommt es nicht. Herz macht weiter. Die Kräfte der Verwaltung müssten gebündelt werden, solange die Zahl der Neuankömmlinge so hoch bleibe, sagt er. Und er habe bereits den Überblick über die Wohnraumsituation im Kreis.

Verantwortung bleibt geteilt

Warum sie die zusätzliche Verantwortung nicht übernimmt, sei eine Folge der Lage, meint auch Katja Kreeb. Die Fülle der Aufgaben sei derzeit zu groß für ein Dezernat alleine. Auf sie richten sich die Blicke dennoch, wenn Helfer in den Kreisgemeinden sich in der Betreuung alleingelassen fühlen. Teilweise schilderten sie folgende Situation: Freitags kam ein Bus mit Flüchtlingen, und übers Wochenende sei der Kontakt zum Kreis nur eine Telefonnummer des Hausmeisters gewesen. Startschwierigkeiten beklagten zuletzt auch beispielsweise Helfer aus Eisingen und Niefern. Auch Flüchtlinge könnten ihre Fragen im Alltag oft nicht leicht an den Mann bringen.

Der Start in neuen Unterkünften ist als Problem bekannt. Lange hat der Enzkreis die Ankunft neuer Asylbewerber aus der Landeserstaufnahme in Karlsruhe ganz nach hinten in der Woche gelegt: auf den Freitag. Übers Wochenende war das Kommunikationsproblem damit programmiert. „Wir schauen mittlerweile, dass Flüchtlinge donnerstags ankommen“, so Katja Kreeb. Andere Probleme wie zu spät angelieferte Abtrennungen, Küchencontainer oder andere Einrichtungen sieht sie dagegen eher als ein allgemeines Dilemma.

Bei den Kontakten zu Helfern sieht Kreeb Angela Gewiese für den Enzkreis und Vivien Gooth für „miteinanderleben“ auf einem guten Weg. Allerdings reichten ihre Kapazitäten nicht für die vielen Anfragen. Am 17. Februar ist ein weiteres Helfertreffen anberaumt, bei dem dieses Mal die Ehrenamtlichen die Agenda bestimmen.

Ein Kernproblem: Es fehlt an Personal. Beim Enzkreis genauso wie bei „miteinanderleben“. Auch Herz macht klar, dass es mit geplanten zusätzlichen Stellen – 25 im vergangenen Sommer, weitere 28 im Haushalt 2016 – nicht getan ist: „Wir müssen die Leute dafür erst mal finden.“

Die Verwaltung befindet sich seit Monaten im Kraftakt-Modus. Und in dieser Zeit gab es Wechsel an der Spitze von zwei der vier Dezernate zu stemmen. Mit Katja Kreebs Start tat sich dabei zusätzlich eine Lücke an der Spitze von „miteinanderleben“ auf, die bis heute nicht gefüllt ist. Und nach Karl-Heinz Zellers Abschied in den Ruhestand im Herbst fehlt dem Kreis ein Dezernent derzeit ganz. Zellers Nachfolger, den das Land bestellen muss, wird nach wie vor gesucht.