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Symbolbild: dpa
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03.07.2019

Leserfrage: Wann ist heiß heiß genug für Hitzefrei?

Enzkreis. In einem anonymen Schreiben werden Vorwürfe gegen das Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach erhoben: Heiße Temperaturen, aber kein Hitzefrei für die Schüler. Statt dessen Sport im Freien. Die PZ ist der Frage nachgegangen, wer eigentlich entscheidet, ob Unterricht entfällt.

Anders als in dem Schreiben behauptet, das laut Schulleiter Hartmut Westje-Bachmann auch an Bürgermeister Heiko Genthner ging, gab es am Mittwoch vergangene Woche sehr wohl Hitzefrei am Königsbacher Gymnasium. Nach der fünften Stunde für die Klassen fünf bis sieben, ab der sechsten für die älteren Schüler. Bis auf die Oberstufe: „Die müssen durch“, so der Rektor. Für sie mühe man sich, den Unterricht in kühlere Räume zu verlegen. Die Entscheidung, wann für wen der Unterricht ausfällt, liegt allein bei ihm. Und ist oft gar nicht so leicht zu treffen. Dabei orientierten sich Schulleiter noch immer an einer Regelung aus dem Jahr 1975 – die allerdings nicht mehr bindend ist (siehe „Gesetzeslage“). Eine einsame Entscheidung sei es aber nicht, sagt Westje-Bachmann, man spreche sich mit den Kollegen benachbarter Schulen ab.

Unterricht ausfallen zu lassen, hat seine Tücken. Überlastete Busse und Bahnen zum Beispiel, die für einen solchen Schüleransturm nach der fünften Stunde nicht gerüstet seien, so der Rektor. Nach der vierten sei es noch aussichtsloser. 1500 Kinder und Jugendliche besuchen Realschule und Gymnasium in Königsbach. Diese könne man unmöglich auf einmal aus dem Unterricht entlassen. So dürften eben die Jüngsten zuerst – „und selbst das ist knapp“, sagt er.

Auch das Verschieben von Klassenarbeiten bei Hitze sei kaum möglich. Es gebe Vorgaben: maximal drei Klausuren pro Woche, nicht mehr als eine am Tag. Und das ballt sich kurz vor Notenschluss. Dadurch, dass in einigen Fächern mehrere Klassen gemeinsam unterrichtet werden, seien immer Kollisionen die Folge. Da bleibe den Lehrern nur die Suche nach einem kühleren Raum oder der Tausch von Unterrichtsstunden, damit die Klassenarbeit früher am Tag geschrieben werden kann.

Sonderregelungen seien auch für den Sportunterricht nicht vorgesehen. Westje-Bachmann vertraut auf die Einschätzung der Fachlehrer, was den Schülern zuzumuten ist. Aber auch hier gilt: Der Cooper-Test etwa (Lauf über zwölf Minuten) sei Bestandteil der Note. Im Hitzefall habe man Schülern Lösungen außerhalb der regulären Unterrichtszeiten angeboten. Dies werde aber in der Regel abgelehnt. Weder Eltern noch Schüler hätten sich mit Beschwerden direkt an ihn gewandt, so der Rektor. Er unterstreicht, dass man in Königsbach im Vergleich eher kulant mit dem Thema Hitzefrei umgehe: sechs- bis achtmal im Jahr dürften die Schüler früher nach Hause.