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Die Andreaskirche in Dietlingen ist eines der evangelischen Gotteshäuser, das auch außerhalb der Gottesdienste geöffnet ist. Foto: PZ-Archiv, Ketterl
Die Andreaskirche in Dietlingen ist eines der evangelischen Gotteshäuser, das auch außerhalb der Gottesdienste geöffnet ist. Foto: PZ-Archiv, Ketterl
18.08.2017

Leserfrage: Warum kommt man nur zur Andacht in evangelische Kirchen?

Renate Heselschwerdt aus Ispringen möchte wissen, warum katholische Kirchen immer geöffnet sind und evangelische nicht.

Um diese Frage zu beantworten hat der evangelische Dekan für Pforzheim-Land, Christoph Glimpel, weit zurück in die Historie geblickt. Er erklärt den Umstand so: In der evangelischen Kirche geht es in der Andacht um die Kommunikation. Für Martin Luther ist der Gottesdienst das Wort des Betenden und die Antwort Gottes. Das besagt die „Torgauer Formel“, abgeleitet aus Luthers Predigt im Jahr 1544 im sächsischen Torgau. Dieses heilige Gespräch sei jedoch an keinen Ort gebunden, erklärt der Dekan. Gläubige Protestanten könnten genau so gut zuhause beten. Solang kein Gottesdienst der Gemeinde stattfinde, sei die evangelische Kirche kein heiliger Raum – könne also geschlossen bleiben.

Anders verhalte sich das bei den Katholiken. Hier stünden die Hostie und der Wein, die nach der Messe gereicht werden, für den Leib und das Blut Christi, so Glimpel. Die Anwesenheit Christi in der Kirche sei wichtig für das Gebet. Deshalb sind die katholischen Kirchen immer geöffnet, da sie den Katholiken jederzeit Raum für eine Unterhaltung mit Gott geben sollen.

Einige evangelische Kirchen sind aber trotz geschichtlicher Gründe geöffnet, etwa die Andreaskirche in Dietlingen. „Viele Menschen erfahren Kirchen als einen ganz besonderen Ort“, erklärt Dekan Glimpel. Deshalb seien in letzter Zeit vor allem historisch wertvolle evangelische Kirchen auch geöffnet. Glimpel verweist auf die Internetseite www.kirche-geoeffnet.de, dort sind alle geöffneten evangelischen Kirchen in Baden-Württemberg aufgelistet.