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Verendeter Vogel in einem grünen Pflanzenschutznetz. Foto: Privat
Verendeter Vogel in einem grünen Pflanzenschutznetz. Foto: Privat
29.08.2017

Leserfrage: Welche Netze werden nicht zu tödlichen Fallen für Vögel?

Gartennetze können heimtückisch sein: insbesondere für die Tierwelt. Margit Steimer aus Birkenfeld ist sauer: Erst jüngst hat sie wieder in einem grünen Schutznetz auf einem Grundstück einen verendeten Vogel entdeckt. Die Tiere verirren sich, kommen nicht mehr heraus und verheddern sich schließlich heillos.

Netze über Weinreben oder anderen Beeren und Obstgehölzen ärgern Zeitgenossen. Leserin Margit Steimer schildert, warum sie sich so ärgert: „Als ich kürzlich bei schönem Wetter beim Frühstück saß, gab es plötzlich helle Aufregung in der Vogelwelt. Ich schaute nach, konnte keine Gefahr erkennen, sah jedoch in einem Garten in den mit Netzen verhängten Weinreben eine Mönchgrasmücke flattern. Und auch ein bereits verendeter Jungvogel lag im Netz.“ Ein solcher Anblick ist dazu angetan, das Herz des Vogelliebhabers zu brechen.

Natürlich stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, was der Fachmann empfiehlt. Die Redaktion nahm mit Walter Appenzeller aus Keltern Kontakt auf. Der Landwirtschaftsexperte aus dem Landratsamt des Enzkreises und ehrenamtliche Vorsitzende des BUND-Regionalverbandes Nordschwarzwald trifft zunächst eine eindeutige Aussage: „Natürlich will kein Mensch Bilder von verendeten Vögeln oder anderen Kleintieren in Netzen sehen und deshalb wurden seitens der Aufsichtsbehörden klare Regeln zum Einsatz von Vogelschutznetzen aufgestellt.“ Zunächst einmal müsse unterschieden werden zwischen Vogel- und Hagelschutznetzen. Hagelschutznetze seien meist fest installiert und würden häufig im Obstbau eingesetzt. Sie verblieben in aufgespanntem Zustand über der zu schützenden Obstanlage. Im Weinbau würden solche Netze häufig ebenfalls fest installiert und im Bedarfsfall mit einer Kurbel beidseits über die Reihen gezogen. Bei solchen Netzen sei, da sie konstruktionsbedingt in einwandfreiem Zustand immer straff gespannt seien, die Gefahren für Vögel eher gering.

Wenn es um den Einsatz von Vogelschutznetzen im Weinbau geht, sollte man dem Rat der Experten aus der Weinbauberatung folgen. Dort heißt es: „Im Allgemeinen werden Netze nur in der Nähe von Wohngebieten, größeren Grünbeständen, in Waldnähe oder für Spezialitäten (etwa Eiswein) angewandt.“ Hierbei seien folgende Punkte zu beachten – Traubenzonennetze: Engmaschige, blaue Netze, an beiden Seiten der Traubenzone verspannt. Abdecknetze: Die Anlage wird mit engmaschigem, schwerem Netz vollständig überspannt. Das Netz wird straff gespannt, faltenfrei und ohne lose Enden sicher am unteren Biegedraht befestigt. Bei seitlich anfliegenden Amseln und Drosseln muss die seitliche Abschirmung zwischen unterem Biegedraht und Boden mit Maschendraht oder sehr engmaschigen Netzen durchgeführt werden. Diese Netze sind vollkommen im Boden zu verankern und dürfen keine offenen Stellen aufweisen.

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