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Seit über zwei Jahrzehnten befreundet: Hotelier Detlev Weingärtner und Literaturwissenschaftler Rüdiger Krüger (rechts).  Foto: Bechtle 

Literarischer Schmaus: Genuss und Kultur verbindet sich im "Schwarzen Adler" in Bad Wildbad

Es ist ein Glanzlicht in der Bad Wildbader Kulturszene: Auch in diesem Jahr war der "Schwarze Adler" im Hotel Weingärtner wieder ausgebucht. Wer einmal dabei war, der kommt gerne wieder. Aus der Taufe gehoben wurde dieses Kulturevent vor 22 Jahren und ist seither alljährlich ein fester Bestandteil im Kalender von Literaturwissenschaftler Rüdiger Krüger und Hotelier und Wirt Detlev Weingärtner in Bad Wildbad.

"Schwarzer Adler – wo und was ist das?", wird sich mancher fragen, denn diese Gaststätte findet man unter den Wildbader Lokalitäten heute nicht mehr. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es dieses Wirtshaus noch, das sich links der Enz in der Herrengasse – heute Ludwig-Seeger-Gasse – befand. Nach mehreren Umzügen landete der "Adler" schließlich an der oberen Enztalstraße, wo für ein Gebäude das "Brenn- und Schankrecht" erteilt wurde.

Um dieses Recht zu behalten, musste im 20. Jahrhundert der inzwischen neue "Schwarze Adler" mindestens an zwei Tagen im Jahr nicht nur für Kurgäste, sondern auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Und genau deshalb wird im Hotel Weingärtner alljährlich das Literarisch-Kulinarische Wochenende veranstaltet.

1954 kaufte die Familie Weingärtner das Gebäude, erweiterte es 1961 um die direkt daneben liegende Villa Viktoria und gab den beiden Häusern den neuen Namen "Hotel Weingärtner", wobei der Name "Schwarzer Adler" eben nur an zwei Tagen gültig ist.

Literarische Vorspeise über Grimmelshausens Persönlichkeit

Was gibt es Schöneres, als Kulinarik mit Literatur in geselliger Runde, gewissermaßen in Häppchen als Menü mit einem guten Tropfen zu genießen? In Bad Wildbad ist Rüdiger Krüger kein Unbekannter, denn er leitete von 1987 bis 1997 die Volkshochschule Oberes Enztal. Er ist promovierter Germanist – außerdem Autor und Manager.

Sein diesjähriger literarischer Beitrag beschäftigte sich mit dem Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 bis 1676). Einen Bezug zu Wildbad sah Krüger darin, dass Grimmelshausen seine zweite Lebenshälfte im badischen Oberkirch und Renchen als Gastwirt und Schultheiß verbrachte, also räumlich gesehen in nächster Nähe zu Wildbad.

Doch bevor Krüger Grimmelshausens Hauptwerk "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" servierte, begrüßte er die Gäste mit einem begeisterten Statement für die Stadt Bad Wildbad und den wunderschönen Kurpark. Die literarische "Vorspeise" beschäftigte sich dann mit Grimmelshausens Persönlichkeit, den literarischen Zeitgenossen und dem 30-jährigen Krieg.