nach oben
Ein neuer Abellio-Zug auf Probefahrt zur Abendzeit im Pforzheimer Hauptbahnhof. Durch die Innenbeleuchtung fällt der Blick auf die verpackten Sitzgarnituren. Foto: Marx
Ein neuer Abellio-Zug auf Probefahrt zur Abendzeit im Pforzheimer Hauptbahnhof. Durch die Innenbeleuchtung fällt der Blick auf die verpackten Sitzgarnituren. Foto: Marx
Ein Go-Ahead-Flirt-Zug in Aalen: Er verfügt wie die Abellio-Bahnen über das landestypische Design „bwegt Mobilität für Baden-Württemberg“. Foto: Berger/Go-Ahead
Ein Go-Ahead-Flirt-Zug in Aalen: Er verfügt wie die Abellio-Bahnen über das landestypische Design „bwegt Mobilität für Baden-Württemberg“. Foto: Berger/Go-Ahead
12.02.2019

Lokführer dringend gesucht: Abellio und Go-Ahead übernehmen im Juni Bahnverkehr

Pforzheim/Enzkreis. Die bange Frage zu Jahresbeginn ließ viele Kunden ratlos zurück: Werden die Unternehmen Abellio und Go-Ahead überhaupt genügend Triebfahrzeugführer rekrutieren können, um am 9. Juni mit ihrem regionalen Bahnverkehr zu starten? Um es vorwegzunehmen: Nach Auskunft beider Unternehmen besteht daran kein Zweifel.

Julia Bülow, Referentin für Kommunikation bei Go-Ahead, betont, dass man seit geraumer Zeit Personalgewinnungsprogramme umsetze. Tatsächlich handele es sich bei Triebfahrzeugsführern um einen engen Markt. Hinsichtlich des Marketingkonzepts sei man daher immer auf der Suche nach „Löwenbändigern“ an der Zugspitze.

Und wie sieht man die Herausforderung beim privaten Anbieter Abellio?

Die für Marketing und Kommunikation zuständige Hannelore Schuster ist optimistisch. Sie antwortet auf Anfrage: „Was unsere erste Betriebsaufnahmestufe ab Juni angeht, sind wir personell gut aufgestellt. Zudem können wir einen deutlichen Anstieg der Bewerberzahlen für die Inbetriebnahmestufen zwei und drei verzeichnen. Unsere Mannschaft für Baden-Württemberg wächst kontinuierlich. Durch die gestaffelte Betriebsaufnahme im Stuttgarter Netz haben wir den Vorteil, unser Team sukzessive ausbauen zu können und nicht ab Juni 2019 mit voller Besetzung an den Start gehen zu müssen.“ Im Übrigen führe man mit zertifizierten Bildungsträgern Weiterbildungskurse durch und habe die Personalrekrutierung zuletzt noch einmal intensiviert, indem man die Kampagne „Bock auf Lok“ ausbaue.

Im Zusammenhang mit einem Mangel an Triebfahrzeugführern wurde in der Öffentlichkeit auch eine Kooperation mit der Deutschen Bahn diskutiert. Wie sieht es damit aus?

Bei Abellio und Go-Ahead werden Gespräche mit der DB bestätigt. Sollte es zu relevanten Ergebnissen kommen, würden diese zu gegebener Zeit sicherlich kommuniziert, heißt es bei Go-Ahead. Bei Abellio lässt man wissen: „Wir stehen in Gesprächen mit DB Regio über die Möglichkeit, uns gegenseitig mit Personal zu unterstützen.“ Eine Personalkooperation zu den momentan von DB Regio angebotenen Bedingungen sei für Abellio nicht vorstellbar. Es bestehe weiterer Verhandlungsbedarf.

Und welche Einschätzung hat der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, aus Mühlacker?

Lokführer sei ein sogenannter Mangelberuf. Bewerber würden dringend gesucht, unterstreicht Lieb. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn die neuen Anbieter Probleme haben würden, ihre offenen Stellen zu besetzen. Lieb geht aufgrund der extrem angespannten Situation von folgender Annahme aus: „Es ist aus meiner Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich die neuen Betreiber anfänglich DB-Personal ausleihen werden.“

In Baden-Württemberg müssen in den kommenden Jahren über 1000 Stellen im Schienennahverkehr neu besetzt werden. Verkehrsministerium, Eisenbahnunternehmen und die Agentur für Arbeit starten daher im Südwesten ein Projekt, um Flüchtlinge für diese verantwortungsvolle Aufgabe auszubilden. Zunächst ist von 15 Ausbildungsplätzen die Rede. Wie sieht das der VCD?

Lieb meint: „Diese spezielle Initiative zur Ausbildung von Migranten in Eisenbahnerberufe ist mehr symbolisch zu sehen.“