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Gottfried (Bernd Schmid, links)  steht vor den Scherben seiner Wünsche: Der Landrat und Gattin (Hermann Braun und Sandra Härter) suchen das Weite, Mutter Kläri (Anita Loy, hinten) zeigt ihm die Zähne und auch Künstler Pimperlein (Benny Pieper, hinten) ergreift die Flucht. Foto: Gabi Meyer
Gottfried (Bernd Schmid, links)  steht vor den Scherben seiner Wünsche: Der Landrat und Gattin (Hermann Braun und Sandra Härter) suchen das Weite, Mutter Kläri (Anita Loy, hinten) zeigt ihm die Zähne und auch Künstler Pimperlein (Benny Pieper, hinten) ergreift die Flucht. Foto: Gabi Meyer
07.02.2019

Machtwechsel auf der Bühne

Bad Wildbad. Die Geschichte spielt offensichtlich in Bad Wildbad – Ähnlichkeiten mit dort lebenden Personen sind aber völlig ausgeschlossen. Goldblond leuchtet der Schopf des Bürgermeisters – an wen erinnert das noch mal? Und auch das Verhältnis von Manns- und Weibsbildern ist ebenso bei dem hiesigen Blondgelockten ein bisschen aus der Zeit gefallen, auch wenn die Schläue, mit der die Frauen den vermeintlichen Herrn der Schöpfung austricksen, immer wieder für Lacher sorgt.

Der Fußballverein Bad Wildbad hatte bei seinem traditionellen Unterhaltungsabend mit dem Stück „Auch Saubermänner haben ein Verfallsdatum“ ganz auf Bewährtes gesetzt. Frei nach dem Motto „Wer anderen eine Grube gräbt“ schart ein bürgermeisterlicher Gockel seine Hennen um sich und beharrt auf alten Hackordnungen. Was ihm schließlich zwar nicht das Genick bricht, so doch die weitere Kandidatur kostet. Gespielt wurde in der Alten Linde, auf deren Bühne sich das Landgasthaus zum Bären niedergelassen hatte – mit viel Spaß an der Sache. Locker ging man die Sache an, manchmal rutschte der Text weg, manchmal die opulente Perücke – macht doch nichts, das Ganze ist ein fröhliches Spektakel. Psychologische Feinheiten sind da eher nicht einkalkuliert.

Ausschlaggebender Alkohol

Die Komödie in drei Akten von Beate Irmisch rankt sich zwar um den Bürgermeister Gottfried Haselberg (Bernd Schmid), die eigentlichen Hauptpersonen aber sind die Frauen – die vom Angetrauten genervte Ehefrau Bruni (Iris Frey) und die Mutter des „Buarl“, Kläri (Anita Loy), die erkennt „was für eine Natter sie an ihrem Busen genährt hat“ und das duftende, gefüllte Nachthäfele gezielt einzusetzen vermag. Hinzu kommt die nicht gerade geistig begnadete, aber umso deftiger zupackende Ehefrau Materna (Sandra Knaus) des ein wenig tumben Willi (Frank Simon) – ein durchaus trink- und handfestes Damen-Trio. Der seit 25 Jahren im Rathaus residierende Gockel will sein Jubiläum feiern, gerät aber kurz davor auf amouröse Abwege ausgerechnet mit der Frau (Sandra Härter) des Landrats (Hermann Braun), mit 2,5 Promille in eine Radarfalle. Und damit in einen Wirbel von Erpressungsversuchen, in dem er sich schließlich geschlagen geben muss.

Die Ehefrau hat heimlich den Führerschein gemacht, seiner ist weg, der angereiste Landrat wendet sich vom Polit-Kumpel ab, schlägt bei seiner Dörte neue Töne an und die von den Damen verunstaltete Jubiläums-Büste des Künstlers Balduin Pimperlein (Benny Pieper) präsentiert sich bei der Enthüllung als Schweinekopf mit hellgelber Haarpracht. Da bleibt nur eins: Dem „Ich bin der Bürgermeister“ setzt man ein „Und wir sind das Volk“ entgegen – der fesche Fahrlehrer Bodo (Sascha Meier) greift nach der Macht im Rathaus.

Die Theateraufführung des Fußballvereins unter der Regie von Claudia Pichler kommt am Freitag, 15., und Samstag, 16. Februar, erneut auf die Bühne der Alten Linde, Wilhelmstraße 74 in Bad Wildbad.