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Eine einzige Baustelle ist derzeit das Langhaus der evangelischen Kirche in Nußbaum. Zu ihrem Schutz musste die kostbare Orgel von 1893 ganz verhüllt werden. Fingerfertigkeit benötigt Malermeister Siegbert Bauer beim Streichen der Fenster.  Foto: Dietrich 

Malermeister macht merkwürdige Entdeckung bei Kirchenrenovierung in Nußbaum

Neulingen-Nußbaum. Eine einzige Baustelle ist derzeit das 1811 nach Westen verlängerte und fertiggestellte, innen vollständig eingerüstete Langhaus der evangelischen Pfarrkirche Sankt Stephan in Nußbaum. Der nach Süden und Norden um jeweils zwei Meter verbreiterte Ostteil stammt vermutlich von 1388, der erstmaligen Erwähnung des Gotteshauses.

Zu ihrem Schutz musste die kostbare Orgel von 1893, die ebenfalls restauriert wird, ganz verhüllt werden. Anstatt der bisherigen Creme-Farbe, werden die Wände mit einem dunkleren Weiß und die Decke mit einem helleren Ton gestrichen. Auch die Faschen (Umrandungen) der acht hohen Fenster aus dem Jahre 1811 mit den großen, abgeschrägten Steinsimsen erhalten eine neue Kolorierung.

Ebenso wird der Schriftzug „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“ (Psalm 26,8) über dem großen Triumphbogen erneuert, der den Chor mit dem Schiff verbindet. Zudem werden die Risse an den Wänden der meterdicken Mauern repariert. „Dies sind einfache und ungefährliche Spannungsrisse“, teilte Pfarrer Reinhard Ehmann mit. Dennoch müssen sie aufwendig in Ordnung gebracht werden.

Nußbaum schon immer seiner Zeit voraus

Doch außer diesen nicht übersehbaren teils großen Rissen, machte der ausführende Malermeister Siegbert Bauer aus Obersulm, der auf historische Kirchenrenovierungen spezialisiert ist, eine merkwürdige Entdeckung. So stellte er fest, dass über den Fensterbögen bis zur Decke das Mauerwerk vollends zweischalig mit Hohlräumen hochgezogen wurde, wohl als Schallschutz, da sich auf der Empore die Orgel befindet.

Da diese Bauweise mit Hohlraum erst ab 1840 typisch ist, fragte Bauer, ob es an dem Kirchenschiff nach 1811 noch Veränderungen gab. Doch zum einen ist hierüber nichts bekannt und anderseits hätte es auch keinen Sinn gemacht nach 1811 an dem völlig erneuerten Langhaus etwas zu verändern. Demnach muss das zweischalige Mauerwerk aus dem Jahr 1811 stammen. Das Fazit lautet: „Nußbaum war damals schon der Zeit voraus.“