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Auch in Zukunft wird Markus Leonhard dem Schmuck verbunden bleiben. Nachdem die Ära der „Schatzgrube“ zu Ende geht, hat der Goldschmied aus Nöttingen eine Stelle in Pforzheim gefunden. Foto: Zachmann
Auch in Zukunft wird Markus Leonhard dem Schmuck verbunden bleiben. Nachdem die Ära der „Schatzgrube“ zu Ende geht, hat der Goldschmied aus Nöttingen eine Stelle in Pforzheim gefunden. Foto: Zachmann
04.01.2016

Markus Leonhard schließt „Schatzgrube“ in Nöttingen

Remchingen-Nöttingen. Die schweren Schaufensterläden sind dicht, die Schmuckregale größtenteils leer geräumt. Ein paar letzte Uhren an der Wand erinnern an die goldenen Zeiten, an die jahrzehntelange Ära, in der das heimelige Lädchen an der Nöttinger Ortsdurchfahrt Dreh- und Angelpunkt war.

Nicht nur für Schmuck- und Uhrenliebhaber, sondern ganz allgemein für Begegnungen von Mensch zu Mensch. Im Verkaufsraum ist es kalt, aber in der Werkstatt flackert noch der Ölofen. Markus Leonhard packt zusammen: „Was hier Tränen geflossen sind in den letzten zwei Monaten“, sagt der 50-jährige Goldschmied. Tränen, nicht nur von ihm, sondern besonders von der Kundschaft: „Da wächst etwas zusammen in 25 Jahren, besonders der Umgang mit den Menschen wird mir fehlen. Aber man muss es auch mit einem lachenden Auge sehen – mir bleibt viel erspart.“

25 Jahre alt war der Ur-Nöttinger, als er die „Schatzgrube“ von einem alten Uhrmacher übernahm. „Damals hat die Goldstadt noch gebrummt, die Goldschmiedeschule war voll bis auf den letzten Platz“, erinnert sich der Unternehmer, der neben Verkauf und Reparatur in seiner Werkstatt selbstständig Aufträge für die Schmuckindustrie erledigt hat. „Ich habe goldene Zeiten erlebt, aber die sind vorbei.“ Dass mit dem Euro der Trend hin zu Silber, Edelstahl und Titan gegangen sei und Gold an Wert verloren habe, das hätte er noch verkraften können. Nicht selten aber war er zuletzt wegen einer halben Stunde Heimarbeit auf Achse in die Goldstadt und wieder zurück: „Was früher zehn Goldschmiede gemacht haben, machen heute fünf – mit fünf Maschinen. Und Fernost hat heute auch keine schlechte Qualität mehr.“ Am meisten getroffen habe ihn jedoch der stete Preiskampf gegen das Internet.