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Der große Andrang beim ersten Nöttinger Kulturtag hat viele positiv überrascht. © Günther
06.09.2010

Massenandrang beim ersten Nöttinger Kulturtag

REMCHINGEN-NÖTTINGEN. Ein kulturelles Feuerwerk wurde im Remchinger Ortsteil Nöttingen am Sonntag gezündet. Die Veranstaltung war weit mehr als ein Straßenfest. So viel Interesse hatte Initiator Jeff Klotz nicht erwartet.

Bildergalerie: Viele Besucher beim ersten Nöttinger Kulturtag

Nicht nur Einheimische strömten zum ersten kulturellen Straßenfest rund ums Nöttinger Rathaus. Bei dem Andrang der Besucher musste schnell die Anzahl der Tische und Sitzbänke mehr als verdoppelt werden.
Im herrlichen Sonnenschein fanden freudige Begegnungen alter Bekannter statt.„Drei Monate intensive Vorbereitung haben sich gelohnt. Alles hat gut geklappt“, freute sich Organisator Klotz über die zuverlässigen Helfer, die Unterstützung einiger Gemeinderäte und des Bürgermeisters und natürlich das bombastische Wetter, das die Besucher ins Freie zog.

Bürgermeister wundert sich

„Die Leute interessieren sich für Kultur“, steht für Klotz fest. Besonders für historische Kultur, die es in großer Auswahl in den Räumen des Rathauses zu bestaunen gab. Gut sortiert nach Epochen waren häusliche Gerätschaften und Küchengefäße, Werkzeuge von Bauern und Handwerkern, Waffen, Fotos und Luftaufnahmen von der Gemeinde, Inflationsgeld, alte Fahnen, eine Schulbank mit Schulsachen, historische Bücher und Zeitschriften, Zeitungsausschnitte, Transistorradios, Telefone und vieles mehr.

„Ich habe Dinge gesehen, die ich verschollen glaubte“, wunderte sich Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. „Man kann wunderbare Exponate sehen.“ Er versprach, die Rathaustür noch einmal am Donnerstag, 9. September, von 18 Uhr bis 20 Uhr zu öffnen, um die Ausstellung erneut zu zeigen. Bei einem Glas Wein kann man der alten Kultur begegnen.

Der Tag war vollgepackt mit einem abwechslungsreichen Programm und Bewirtung durch die Vereine. Die Feuerwehr zeigte ihre Fahrzeuge, die Kleintierzüchter stellten Enten, Hühner, Tauben und Kaninchen aus. Kinder konnten sich als Andenken an den ersten Kulturtag einen Button basteln und sich schminken lassen. Drehorgelmann Hermann Dibos zog mit seinem winkenden Plüschaffen die Blicke auf sich und beliebt waren die Kutschfahrten durchs Dorf.

Bei den Ortsführungen mit Roland Kröner erfuhren die Leute vieles über die Häuser in der „Brückgass“, der Ellmendinger Straße. Da gab es einmal ein Hebammenhaus, die Zehntscheuer, den Zuchtbullenstall, die Gemeindewaage, das alte Rathaus, den alten Kindergarten und manchen Bewohner, über den Kröner Anekdoten zu erzählen wusste. „Das war sehr interessant und lehrreich“ fanden Waltraud und Klaus Farr aus Wilferdingen sowie der Nöttinger Berthold Fränkle. Sie bedauerten, dass das Programm so vollgepackt war, dass man Prioritäten setzen musste. „Das Programm sollte für alle etwas bieten und keinen Leerlauf haben“, sagte Klotz.

Mit Pfarrer Hans-Martin Griesinger durften die Besucher hinter die Kulissen der Martinskirche schauen, erfuhren Interessantes über das Wandrelief und den Zufall, wie die Steinplatte gefunden wurde. Wer gut zu Fuß war, durfte den Glockenturm hinaufklettern. Für viel Aufsehen sorgten die Wilferdinger Waschweiber schon bei ihrem Fußmarsch von Wilferdingen nach Nöttingen.

In historischer Waschweiber-Montur schob die eine einen Kinderwagen von 1900, die andere einen aus den 1950er-Jahren. „Wo wellet dir denn mit eire leddige Kender na?“ Solche und anerkennende Zurufe habe es unterwegs viele gegeben. Sie beschäftigten sich bei ihrem spitzzüngigen Mundartvortrag mit der Frage: „Kultur! Braucht man das?“ Da gab es den Kulturbeutel für Männer, die Ess- oder Gartenkultur, die Kulturhalle und den Löwensaal, in denen die Kultur zu Hause ist. Gerne würde Paula auch mal fremden Kulturen besichtigen wie die Pyramiden und alten Mumien in Ägypten. „Da brauchsch net noch Ägypten. A Pyramid henn mr in Karlsruh un en Spiegel hosch dahoim“, so die kulturelle Empfehlung von Frieda. Und dann gibt es noch Kulturbanausen. Ein Joghurt habe mehr Kultur als mancher Mitbürger.

In Mundart unterhielten und begeisterten auch Else Gorenflo und Wolfgang Müller im Rathaussaal sowie die Erzählerinnen vom Pforzheimer Märchenturm.
Einblicke in den Weinanbau der Nachbargemeinden Keltern gab Uli Andres. Mit dem reichen kulturellen Angebot konnte eine „Ei’gschmeckte“ der Siebsaicher vom FC Nöttingen bei einer „Nei’gschmeckten“ die Liebe zu Nöttingen wecken und die Siebsaicher präsentierten das Nöttinger-Lied.

Eine Augenweide war die Bauchtanzgruppe und die sportliche Step-aerobic-Vorführung des TV Nöttingen. Musikalisch unterhielten der Posaunenchor, der Gesangverein Liederkranz Nöttingen, die Feehharfengruppe der Diakoniestation und zum Abschluss die Band „The First Floor Poets“ mit Jazz, Funk, Soul und Rock’n Roll am Abend.

Der Erlös des Kulturtages soll den drei Kindergärten in Nöttingen und Darmsbach außerplanmäßige Anschaffungen und kleine Ausflüge ermöglichen. Im nächsten Jahr ist ein Kulturtag in Wilferdingen geplant.