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Nach vielen Jahren beim ZDF mittlerweile bei der Lufthansa tätig: Martin Leutke, der lange Zeit in Maulbronn gelebt hat. Foto: Oliver Rösler/Lufthansa Systems AG
Nach vielen Jahren beim ZDF mittlerweile bei der Lufthansa tätig: Martin Leutke, der lange Zeit in Maulbronn gelebt hat. Foto: Oliver Rösler/Lufthansa Systems AG
27.12.2016

Maulbronner Martin Leutke wechselt vom Fernsehen zu den Flugzeugen

Maulbronn/Frankfurt. So paradox es klingen mag: Ein neues Umfeld wirkt manchmal wie ein Katalysator für Erinnerungen. Martin Leutke ist es jedenfalls so ergangen, als er vor einigen Monaten vom ZDF, wo er als Reporter und Moderator tätig war, als Leiter für Medienbeziehungen zur Lufthansa nach Frankfurt gewechselt ist. Denn durch die vielen neuen Kollegen und die Erkundigungen, von wo „der Neue“ denn stamme, sind in dem 42-Jährigen viele Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend zurückgekehrt – an eine Zeit also, die Leutke in Maulbronn verbrachte.

Dorthin war die Familie, die aus Berlin stammt, 1977 gezogen. Rund 20 Jahre lebte Leutke daraufhin in der Klosterstadt. „Ich hatte eine tolle Kindheit. Frei, unbeschwert, glücklich, behütet. Dank an meine Eltern“, sagt Leutke. Neben Erlebnissen aus der Zeit im Kindergarten und in der Schule, Ausflüge auf den Bolzplatz und „die kläglichen Versuche, Schwäbisch zu sprechen“ erinnert sich der Journalist – passend zur Jahreszeit – vor allem an die Weihnachtsgottesdienste in der Klosterkirche. „Sie sind immer noch das Maß aller Dinge, wenn’s um Heiligabend geht“, sagt Leutke, der 1994 am Theodor-Heuss-Gymnasium in Mühlacker sein Abitur machte. „Mit einem mittelprächtigen Durchschnitt – herzliche Grüße an meinen Mathelehrer“, sagt Leutke und lacht.

„Nie die Neugier verlieren“

Doch für sein Ziel, zum Radio zu kommen, waren glücklicherweise andere Dinge wichtiger, als ein Ass in Algebra zu sein. „Ein Stuttgarter Lokalsender bot mir dann ein Volontariat an, was ich absolviert habe. Journalismus war für mich immer die Chance, viele verschiedene Dinge zu erleben und Menschen zu treffen. Ich finde, man darf im Leben nie die Neugier verlieren. Meine ist ziemlich ausgeprägt und deshalb war der Journalismus einfach die logische Berufswahl.“

Nach seiner Zeit beim Radio wechselte Leutke zum ZDF, wo er als Reporter die Welt bereiste, das Landesstudio Hessen führte und WISO moderierte. „Dem ZDF und den Kollegen dort habe ich viel zu verdanken. Aber ich hatte nach 20 Jahren das Gefühl, ich möchte etwas Neues machen. Und die Luftfahrt war schon immer eine weitere Leidenschaft. Ich finde es großartig, wenn sich so ein Jumbo in die Luft hebt und dann am anderen Ende der Welt landet. Die Technik, die Logistik, die Abläufe in einem solchen Konzern sind faszinierend. Und wenn man dann in die Situation kommt, dass ein Unternehmen wie die Lufthansa einen solch spannenden Job bietet, da kann man nicht nein sagen, auch wenn mir der Abschied vom ZDF echt schwer fiel.“

Seit Oktober ist Leutke nun bei Deutschlands bekanntestem Luftfahrtkonzern beschäftigt – und hatte mit dem Pilotenstreik gleich eine regelrechte Feuertaufe zu bestehen: „Da habe ich innerhalb kürzester Zeit – ohne Hallo-ich- bin-der-Neue-Kaffeetrink-Termine – sehr viele Menschen im Unternehmen kennengelernt.“ Es sei durchaus gewöhnungsbedürftig gewesen, nicht mehr selbst die Fragen zu stellen, sondern als Lufthansa-Sprecher die Antworten zu geben. „In diesem Moment fühlt man doch eine erhebliche Verantwortung“, sagt Leutke, der froh ist, von „hochprofessionellen Kollegen“ umgeben zu sein, die unterstützen und mit viel Geduld Abkürzungen erklären. „Denn die Lufthansa liebt Abkürzungen“, sagt Leutke und lacht.

Kulinarische Erinnerung

Eine Kollegin ist für ihn bereits besonders wichtig geworden – denn diese kommt ebenfalls aus Baden-Württemberg und ihre Verwandtschaft betreibt eine Metzgerei. Von ihr lässt sich Leutke nun regelmäßig Maultaschen mitbringen. Da er sonst nur noch wenig Kontakt hat zur Klosterstadt, in der diese Spezialität der Legende nach erfunden worden sein soll, bleibt ihm Maulbronn so zumindest kulinarisch in ständiger Erinnerung.