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Was tun, wenn es Kindern in einer Familie nicht gut geht? Für Jugendämter ist das eine komplizierte Frage. Das Land will die Rahmenbedingungen für die Behördenmitarbeiter verbessern. Über das Wie lässt sich diskutieren. Foto: Kneffel, dpa
Was tun, wenn es Kindern in einer Familie nicht gut geht? Für Jugendämter ist das eine komplizierte Frage. Das Land will die Rahmenbedingungen für die Behördenmitarbeiter verbessern. Über das Wie lässt sich diskutieren. Foto: Kneffel, dpa
25.06.2018

Mehr Schutz für Kinder – aber wie?

Enzkreis. Kreisräte geben dem Jugendamt des Enzkreises gute Noten. Die Qualitätsoffensive des Landes zum Kindeswohl beurteilen sie dagegen noch eher skeptisch. Die Sorge: Sie bringe mehr Bürokratie und nicht unbedingt mehr Hilfe für Mitarbeiter, die sich um Familien und die Kinder kümmern.

Wenn ein Kind in seiner Familie ums Leben kommt, schlagen die Wogen hoch. So wie nach dem Tod des dreijährigen Alessio 2015 im Hochschwarzwald. Der Junge war den Schlägen seines Stiefvaters zum Opfer gefallen – das zuständige Jugendamt hatte das Kind trotz früherer Hinweise auf Gewalt in der Familie gelassen. Anlass für die Landespolitik, ein Konzept für besseren Kinderschutz auszuarbeiten. Im Jugendhilfeausschuss stellte Christopher-Tom Reimann den Kreisräten vor, wie die Bausteine des Landes aussehen und was das für das Jugendamt Enzkreis bedeutet.

Die Kreisräte reagieren eher abwartend auf die Landesoffensive. Andrea Link-Hofsäß (SPD) und Christine Danigel (Grüne) warnen vor zusätzlicher Bürokratie durch Dokumentationspflichten. Beide sehen noch zu wenig Gewicht für die Begleitung der Jugendamtsmitarbeiter – gerade bei aufwühlenden, komplizierten Fällen oder bei der Aufarbeitung von Krisen. Jugendamtsleiter Wolfgang Schwaab wandte ein, dass Dokumentation schon heute Alltag sei – und dass die gerade zum Schutz von Mitarbeitern bei schwierigen Fällen wichtig sei.

Dennoch werde man die menschliche Seite und ein hausinternes Netzwerk zur Unterstützung im Blick behalten, so Landrat Bastian Rosenau. Der Enzkreis hat da seinen eigenen aufwühlenden Fall: den Mord eines syrischen Flüchtlings an seiner getrennt lebenden Ehefrau in Mühlacker – vor den Augen der Kinder. Die Tat von Anfang März habe gezeigt, wie wichtig ein Team für die Mitarbeiter sei, die die Familie betreut hätten, so Rosenau.

Helmut Spiegel (CDU) hinterfragte die Personalausstattung der Ämter, die bundesweit kritisiert worden sei. Schwaab sieht sein Amt in dieser Hinsicht nicht in Not. Wolfgang Ballarin (Freie Wähler) sieht Probleme in der juristischen Abwägung zwischen Elternrecht und Kindeswohl. Für Schwaab funktioniert das Zusammenspiel zwischen Behörden, Polizei und Justiz in Pforzheim und dem Enzkreis aber gut.