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Zu dreienhalb Jahren Gefängnis verurteilt das Gericht einen Betrüger aus dem Enzkreis. Symbolbild dpa
Zu dreienhalb Jahren Gefängnis verurteilt das Gericht einen Betrüger aus dem Enzkreis. Symbolbild dpa
02.05.2019

Mehr als eine halbe Million Euro übers Internet ergaunert: Mann aus dem Enzkreis muss ins Gefängnis

Pforzheim/Enzkreis. Drei Jahre und sechs Monate muss ein 46-Jähriger aus dem Enzkreis ins Gefängnis. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, im Internet mit hohen Renditen gelockt und sich so knapp 600.000 Euro erschlichen zu haben.

„Wir haben im unteren Strafrahmen entschieden“, erklärte Richter Udo Pawlischta bei der Urteilsverkündung vor dem Pforzheimer Schöffengericht.

Das Gericht rechnete dem Angeklagten hoch an, dass dieser sich während der vier Verhandlungstage geständig gezeigt hatte. Dabei gab er einen umfassenden Einblick in sein Leben und das komplexe Geschäftsmodell. Der 46-Jährige wollte das Geld in sein Unternehmen investieren und die Gewinne als Zinsen an die Geldgeber auszahlen. Allerdings blieben die Unternehmensgewinne aus, und die versprochenen Zinsen konnten nur teilweise bezahlt werden.

„Aus dem Ruder gelaufen“

„Sie hatten Hoffnungen, die nicht zu realisieren waren. Deshalb war das Modell von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, so der Richter. Zwar richtete sich das Urteil lediglich auf die Taten von 2015 bis Ende 2016, doch bereits seit 2010 soll der Angeklagte mit Gutscheinen im Internet gehandelt haben.

„Hier ist vieles aus dem Ruder gelaufen“, erklärte Staatsanwalt Marius Walz. Zwar lobte er ebenso die Offenheit des Angeklagten, sprach aber von Betrug in besonders schwerem Fall. So habe er nach außen suggeriert, dass sein Unternehmen ein exorbitantes Wachstum aufweist. Dabei sei eine Expansion nicht möglich gewesen, da sein Unternehmen keinen nennenswerten Gewinn generierte. „Deshalb hat er den Betrug billigend in Kauf genommen“, so Walz. „Am Ende hat ihn sein eigenes Schneeballsystem aufgefressen“, fügte er an. Er hatte ein Strafmaß von drei Jahren und zehn Monaten gefordert. Walz betonte, dass es sich beim Angeklagten nicht um einen gewöhnlichen Betrüger handelt, da er sich von den Geldern keinen extensiven Lebensstil leistete. Allerdings sollen Zahlungen an Frau und Kinder geflossen sein, die im Unternehmen angestellt waren.

Verteidigerin Susanne Burkhardt stimmte Walz in den Vorwürfen zu, sah aber besondere Umstände beim 46-Jährigen und forderte eine zweijährige Bewährungsstrafe. Der Angeklagte erstarrte bei der Verkündung des Urteils. Zuvor sprach er von einer fairen Verhandlung und vielen falschen Entscheidungen. „Ich bin zu optimistisch an die Sache herangetreten und habe blauäugig gehandelt“, sagte er.

Der Richter verwies darauf, dass erst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den „Stein ins Rollen brachte“ und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Mannheim erhoben hatte. „Dieser Fall hat die Zuständigkeit des Schöffengerichts gesprengt“, resümierte Pawlischta gegenüber der PZ. Höhere Gerichte hätten den Fall abgetreten, obwohl das Schöffengericht für Fälle dieser Größenordnung seiner Meinung nach nicht ausgelegt sei.