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Spitzzüngiger Auftritt – Kabarettist Uwe Spinder zu Gast in der Theaterschachtel in Neuhausen.   Fux
Spitzzüngiger Auftritt – Kabarettist Uwe Spinder zu Gast in der Theaterschachtel in Neuhausen. Fux
20.09.2015

Messerscharfe Polit-Spitzen: Kabarettist Uwe Spinder gastiert in der Neuhausener Theaterschachtel

Uwe Spinder ist Kabarettist – und wie es sich für einen aus seiner Zunft gehört, ist der Schwabe, der im badischen Neuhausen in der Theaterschachtel auftrat, spitzzüngig, zuweilen auch bissig. Denn Spinder nimmt kein Blatt vor den Mund, ganz im Gegenteil. Der Mann des politischen Kabaretts spitzt zu, verdichtet, denkt messerscharf und manchmal auch um die Ecke und er füllt die erste Hälfte seines Programms mit aktuellen Themen.

Da lässt der Querdenker mal schnell den 70. Geburtstag des Fußballkaisers einfließen, berichtet von Angela Merkel als Weltmutter. „In Syrien werden Kinder nach ihr benannt, Mama Allemagne“, ruft Spinder von der Theaterbühne in den gut gefüllten Saal hinunter. Aufgrund der Aktualität ist nicht jede Pointe erprobt und deshalb auch nicht immer treffsicher, aber meistens schon. „Der Wolf möchte sein Revier vergrößern. Er setzt erste Duftmarken und hat Blut geleckt“, spielt der Kabarettist auf die Landtagswahl und den CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf an. „Gott hat die FDP erschaffen, um mich zu prüfen“, legt er Merkel in den Mund und fragt sich, ob Hans-Ulrich Rülke tatsächlich Baden-Württemberg rocken wird. Und da bekommt noch einer aus der Region sein Fett weg: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus. „Was machst du als Kabarettist ohne Mappus, die große Hoffnung von 2011?“, fragt er rhetorisch. Denn Spinder hat längst neue „Opfer“ gefunden. Da ist beispielsweise der Ministerpräsident „Kretsch“, der in Hochgeschwindigkeit zu hören sei und so langsam spreche, dass alle Silben wieder rauskommen, während sie sein Vorgänger Oettinger alle verschluckt habe. Jener Ministerpräsident, der für die Satire erschaffen worden sei und unfreiwillige Komik erfunden habe. „Er ist nun EU-Kommissar für außerirdische Angelegenheiten, sonst bleibt nichts mehr übrig“, spottet der schwäbische Kabarettist, der die Nöte seines eher reiferen Publikums kennt und schnell Anekdoten über Facebook und Twitter aus seinem Familienleben einstreut.

Spinder bringt auf den Punkt, woran es krankt. „Willst du Butter, schicke Milch auf den EU-Dienstweg“, sagt er und hat die Lacher auf seiner Seite. Da ist alles dabei, angefangen vom dritten Hilfspaket, das mit Hermes auf den Weg geschickt wird bis zum „Kauderwelsch“ mit Fraktionszwang, der Stuttgarter Hauptbahnhof und der der „Flinten-Uschi“, die die blödeste Position habe und „den größten deutschen Trachtenverein in eine Wellnesstruppe umfunktionieren wollte“. Eben messerscharfes, bissiges politisches Kabarett.