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17.12.2009

Miese Straßen im Südwesten, miesere im Enzkreis

ENZKREIS. Wer in Baden-Württemberg mit dem Auto übers Land fährt, braucht vielerorts gute Stoßdämpfer. Schuld daran ist nach Ansicht der SPD die Landesregierung: Der Straßenbau versinke im Organisationschaos. Ganz besonders übel sieht es laut einer Bewertung des Innenministeriums im Enzkreis aus.

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Der Zustand der Landesstraßen mit einer Gesamtlänge von 9457 Kilometern wird vom Innenministerium in Stuttgart mit der Durchschnittsnote 3,1 bewertet. Es gibt nach Angaben vom Frühjahr 2009 aber deutliche Unterschiede zwischen den Landkreisen - wobei die Region Südwürttemberg mit der Note 2,87 am besten dasteht, Nordbaden mit 3,27 am schlechtesten. Und beim Enzkreis muss man sich gar mit einer 3,36 begnügen.

Kleiner Trost: Es gibt noch drei Landkreise, die schlechter benotet werden. Der Landkreis Göppingen (3,52) hat die rote Laterne. Vor ihm liegen der Rhein-Neckar-Kreis (3,50) und der Neckar-Odenwald-Kreis (3,39). Danach teilen sich der Enzkreis und der Landkreis Schwäbisch-Hall den viertletzten Platz. Auf der Sonnenseite der Straßennoten-Liste rangieren der Landkreis Reutlingen (2,61) und der Landkreis Tübingen (2,62).

Warum dieses Nord-Süd-Gefälle existiert, warum es die Württemberger besser verstehen, die Straßen in Schuss zu halten als die Badener? Mittel würden schlecht verteilt und Prioritäten falsch gesetzt, kritisierte der SPD-Verkehrsexperte Hans-Martin Haller. Das Innenministerium räumt Nachholbedarf ein, verweist aber auf die knappen Kassen: Aus finanziellen Gründen könne das Land seine Straßen nicht so pflegen, wie es notwendig wäre, sagte Verkehrsstaatssekretär Rudolf Köberle (CDU).

Holperstrecke schon seit vielen Jahren

Das scheint aber im Falle der Enzkreis-Landstraßen schon seit Jahrzehnten der Fall zu sein, zumindest wenn man die fast schon historische Holperstrecke zwischen Unterreichenbach und Grunbach zum Vergleich heranzieht. Selbst im Fernsehen ist diese Schlaglochparade schon als "schlechteste Landesstraße" im Südwesten bezeichnet worden. Angeblich soll die Verbindung zwischen Heimsheim und Friolzheim inzwischen sogar Mercedes-Testfahrern als empfohlene Strecke für praxisnahe Rütteltests dienen. Eine zweifelhafte Ehre. In jüngster Zeit mehrfach heftig diskutiert: Das marode Sträßlein zwischen der B294 (Eyachtal) und Straubenhardt (Schwanner Warte). Jeder Autofahrer, der öfter durch den Enzkreis holpert, wird noch andere Beispiele nennen können.

Studien zufolge wird jede zweite Landesstraße in Baden-Württemberg als schlecht bewertet. Während der Zustand der Autobahnen im Land mit der Note 2,1 hoch gelobt wird, kommen die Bundesstraßen auf eine 2,4 und die Landesstraßen nur auf 3,1. Die SPD-Fraktion legte daher einen Aktionsplan für eine Neuorganisation des Straßenbaus vor: Rasch müsse ein Landesbetrieb Straßenbau aufgebaut und deutlich mehr Geld in den Unterhalt der Straßen gesteckt werden, um teure Spätfolgen zu vermeiden. Schon jetzt gebe es einen Sanierungsstau von 355 Millionen Euro.

Auch der Landesrechnungshof forderte kürzlich 100 Millionen Euro in den Erhalt seiner Straßen zu stecken. Staatssekretär Köberle hält diese Summe für wünschenswert, angesichts leerer Kassen aber für unrealistisch: Dank des Landesinvestitionsprogramms seien im laufenden Jahr 90 Millionen Euro in den Straßenerhalt geflossen, im Jahr 2010 seien 70 Millionen Euro eingeplant. 2011 sei mit weniger als 60 Millionen Euro zu rechnen, so Haller. dpa/tok

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