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In diesem ausgebrannten Auto wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Er muss wohl die Explosion noch überlebt haben, denn in seinen Atemwegen wurde bei der Obduktion Ruß vom anschließenden Brand gefunden. © Bechtle
06.05.2010

Mieter lässt Haus explodieren und verbrennt dann im Auto

STRAUBENHARDT. Es besteht kein Zweifel mehr: Bei der Leiche, die nach der Explosion im Holzbachtal gefunden wurde, handelt es sich um den Bewohner des Hauses. Das hat die rechtsmedizinische Untersuchung ergeben. Wie Oberstaatsanwalt Christoph Reichert am Donnerstag außerdem mitteilte, haben die Ärzte in den Atemwegen des Toten Ruß festgestellt. Demnach muss der 54-Jährige noch gelebt haben, als es bereits brannte.

Bildergalerie: Am Tag nach der Explosion im Holzbachtal

Das Obduktionsergebnis bestätige auch die These, dass der Bewohner das Haus explodieren ließ, um sich selbst zu töten.

Hinweis auf Suizidgefahr

Bildergalerie: Brand und Explosion im Holzbachtal

Hinweise auf die Suizidabsicht gab es schon durch zahlreiche Schreiben, die der Verstorbene kurz vor der Tat an verschiedene Medien, Behörden und Privatleute geschickt hatte. Wie berichtet, hat einen solchen Brief mit weiteren Unterlagen auch die „Pforzheimer Zeitung“ erhalten. Daraus geht hervor, dass im Jahr 2004 eine Amtsärztin auf eine Suizidgefährdung des Mannes hingewiesen hat.

Der Vermerk lag dem Landgericht Karlsruhe vor, vor dem die angesetzte Zwangsräumung des Hauses im Holzbachtal verhandelt worden ist. Im Verfahren hin zur Räumung habe der Hinweis jedoch keine Rolle gespielt, sagt Hans-Jörg Städtler-Pernice, Vorsitzender Richter für Zivilsachen: „Hier ist nur der Mietrückstand bedeutend gewesen.“ Außerdem lasse ein Hinweis von vor sechs Jahren keinen Schluss auf eine aktuelle Suizidgefährdung zu. Und davon sei zudem zu keinem Zeitpunkt die Rede gewesen, so Städtler-Pernice: „Auch nicht im Antrag des 54-Jährigen auf Vollstreckungsschutz.“

Am Freitag könnten Bagger auf dem Areal des ehemaligen Teppichlandes im Holzbachtal zu Aufräumarbeiten anrücken. Darauf hofft Robert Drotleff, Anwalt des Immobilieneigentümers des ehemaligen Teppichland-Areals. „Wir müssen uns da aber mit der Kripo und der Versicherung nach wie vor abstimmen“, erläutert er. Versicherungs-Gutachter und ein vom Hauseigentümer beauftragter Experte haben die zehn Gebäude und deren Schäden nach der Explosion in Augenschein genommen.

„Erst, wenn die Schäden beziffert sind, können Reparaturen gemacht werden. Wir dürfen niemanden ohne Rücksprache mit der Versicherung beauftragen“, sagt Drotleff. Die Mieter der Häuser haben sich zum Teil damit beholfen, die zerstörten Fensterscheiben durch Holzplatten zu ersetzen.

In Pension ausgewichen

„Es sieht derzeit danach aus, dass das nebenstehende Gebäude tatsächlich einsturzgefährdet ist“, sagt Drotleff. Wann es abgerissen wird, konnte er am Donnerstag noch nicht sagen. Dem Mieter sei Wohnraum auf dem Areal angeboten worden. Er ist zunächst in eine Pension ausgewichen. Heute soll nach Auskunft des Anwalts ein Treffen mit ihm stattfinden, um weiteres zu klären.

Was mit den Grundstücken der beiden zerstörten Gebäude passiert, könne sein Mandat derzeit noch nicht sagen. „Das wird sicher noch ein paar Monate dauern“, sagt Drotleff.Nach der Explosion hat die EnBW in der Nacht zu Dienstag die Stromversorgung am zerstörten Gebäude, am nebenstehenden und gegenüberliegenen Haus gekappt. Letzteres hat mittlerweile wieder Strom. „In den anderen Gebäude muss zur Sicherheit ein Elektriker die einzelnen Leitungen und Sicherungen überprüfen“, erklärt EnBW-Sprecherin Ramona Sallein. lin/vio