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13.12.2010

Missbrauch der Tochter: Angeklagter bricht zusammen

ENZKREIS. Der Angeklagte im Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Karlsruhe ist zusammengebrochen. Ob die Verhandlung in diesem Jahr fortgesetzt werden kann, hängt nun von seinem Gesundheitszustand ab.

Der gestrige Verhandlungstag hätte ein ganz langer werden können: Vor der Großen Auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe stand am zweiten Verhandlungstag ein 61 Jahre alter Familienvater, dem vorgeworfen wird, seine eigene Tochter missbraucht zu haben (die PZ berichtete). Mehrere Zeugen waren geladen, bis spät in den Nachmittag hinein hatte man sich auf Aussagen eingestellt. Doch nichts dergleichen kam zustande: Nach knapp zwei Stunden Verhandlung brach der Angeklagte auf dem Flur des Amtsgerichtsgebäudes in der Lindenstraße zusammen. Er wurde vom Notarzt in ein Krankenhaus gebracht. Er hatte seine Diabetes-Medikamente nicht genommen.

Die Vorgeschichte: Vor genau einer Woche hatte der Prozess gegen den aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Mann begonnen. Seine Tochter – eines von zehn Kindern – hatte ihn zum zweiten Mal angezeigt. Er soll sie über Jahre hinweg missbraucht haben. Bereits 2002 hatte sie Anzeige erstattet, vor Gericht allerdings von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht – das Verfahren musste damals eingestellt werden.

Gestern hätten nun mehrere Familienangehörige gehört werden sollen. Auch die Schwägerin des Angeklagten, die eigens aus der Nähe von Bremen angereist war, um vor Gericht zu verkünden, dass sie nicht aussagen wird (die Fahrtkosten übernimmt die Staatskasse): „Er hat mich um Verzeihung gebeten. Also sage ich nichts dazu aus“, war ihr Kommentar. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Eine weitere Tochter des Angeklagten beschrieb mehrere Gelegenheiten, bei denen die Geschädigte ihr vom Missbrauch erzählt haben soll. „Man weiß nicht, was man ihr glauben kann“, fügte sie hinzu.

Noch während ihrer Aussage wechselte die Gesichtsfarbe des Angeklagten auf Gelb. Sein Verteidiger erbat eine kurze Pause, woraufhin sein Mandant auf dem Flur zusammenbrach und nun stationär im Krankenhaus aufgenommen wurde. Nach der Strafprozessordnung müsste die Verhandlung innerhalb der nächsten zehn Tage fortgesetzt werden. Ob das klappt, stand gestern noch nicht fest. Wenn nicht, muss der Prozess komplett neu begonnen werden.

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