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Alexander Bambach (Mitte), junges Filmtalent aus Birkenfeld, zeigt seinen Film "Gefangen im Blau" beim 9. Wettbewerb um den Jugendfilmpreis 2014 Uhr am Samstag, 1. Dezember, 14 Uhr im „Metropol Kino“ in Stuttgart. Erste Filmerfahrungen sammelte er als freier Mitarbeiter bei PZ-news. © Bächtold
30.11.2012

Mit Facebook-Blau zum Festival: Alexander Bambach beim Jugendfilmpreis

Eine Menge junger Menschen aus der Region und mehrere freie Mitarbeiter von PZ-news werden am Samstag um 14 Uhr im „Metropol Kino“ in Stuttgart sitzen und Daumen drücken. Und einer von ihnen wird wohl ganz besonders nervös sein: Alexander Bambach aus Birkenfeld. Der 21-Jährige ist Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des 16-minütigen Films „Gefangen im Blau“. Der läuft mit 36 anderen Filmen von jungen Talenten aus Baden-Württemberger im 9. Wettbewerb um den Jugendfilmpreis 2012.

Bildergalerie: Szenen vom Alexander-Bambach-Film "Gefangen im Blau"

Es wäre nicht der erste Wettbewerb, den Alexander Bambach gewinnen würde. 2009 gewann er mit Mitschüler Thomas Pauer den Schul-Sonderpreis beim deutschen Multimedia-Preis von MB21 in Dresden. 2011 holte er sich mit einem Video über seinen Abiturjahrgang am Neuenbürger Gymnasium den ersten Preis im Abitur-Video-Wettbewerb von Volksbank Pforzheim und PZ-news. Erste Erfahrungen mit der Videokamera sammelte Bambach aber als freier Mitarbeiter bei PZ-news. Der junge Birkenfelder mit dem breiten sympathischen Lächeln und dem wilden blonden Lockenkopf hatte die Online-Redaktion mit seiner Begeisterung fürs Filmemachen überzeugt. Über den Mitarbeiterkreis von PZ-news hat er auch die Pforzheimer Fabian und Andreas Reinhardt, sowie den Birkenfelder Marc Bächtold kennengelernt, die alle beim Kurzfilm „Gefangen im Blau“ mitgewirkt haben.

Das Blau ist in diesem Fall die Farbe von Facebook. Bambach, selbst Tag und Nacht in sozialen Netzwerken unterwegs, kennt das Wechselspiel mit den verschiedenen Online- und Alltagsidentitäten. „Ich habe bei mir selbst bemerkt, dass man mit manchen Menschen auf einer anderen Ebene kommuniziert, als man das in der Realität vielleicht tun würde. Mit manchen ,Freunden‘ schreibt man im Chat und ein paar Tage später sieht man sich in echt und weiß nicht, was man sich erzählen soll“, sagt Bambach.

Ein junges Thema, ein junges Team – Bambach nutzte die Zeit seines einjährigen Praktikums an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg auch, um Kontakte aufzubauen. Wie er nämlich schnell lernen musste, sind 16 Minuten Film mindestens 16 Wochen Arbeit und 160 gefühlte Attacken aufs Nervenkostüm. Erste Vorbereitungen und erste Personalentscheidungen mussten aus Termingründen über den Haufen geworfen werden. „Zehn Tage vor meinem angesetzten Drehzeitraum hatte ich dann endlich die Zusage von Filmstudent Christian Scheunert, dass er die Kamera machen würde. Von der Schauspielerin Claudia Lorenz kam die Zusage auch zirka eine Woche vor dem Dreh“, erinnert sich Bambach an hektische Tage.

Äußerst knapp waren die Drehtage bemessen, denn Schauspieler und Kameramann konnten das Filmprojekt quasi nur nebenher begleiten. Dem gegenüber standen feste Termine: Für den Hauptbahnhof Stuttgart hatte Bambach erst zwei Tage vor dem Drehtermin eine Aufnahmegenehmigung erhalten. „Diese strikten zeitlichen Vorgaben mussten wir unbedingt einhalten.“

Der Film, so Bambach, lebe durch sein Farbkonzept: Der auf Facebook flüssig und souverän den Dialog behauptende, ansonsten aber eher schüchterne Andi (Nils Malten) lebt in seiner blauen Facebook-Welt. „Dafür musste ich eine Wohnung auffinden, die am besten leer steht, damit ich sie selbst einrichten kann“, erklärt Bambach. „Eine Woche vor Drehbeginn bekam ich vom Wohnungsamt Ludwigsburg glücklicherweise die Zusage für eine passende Wohnung.“ Dann musste erst einmal alles blau angestrichen werden.

Lisa (Claudia Lorenz), die Andi im Internet kennenlernt, gerät beim persönlichen Treffen außerhalb des Chatrooms in Verzweiflung, den Andi gelingt es nicht, sich in der Realität auch nur annähernd so darzustellen, wie er sich vorher in Facebook inszeniert hat. Er ist „Gefangen im Blau“.

Gefangen vom Filmgeschäft ist der Schlagzeuger der ehemaligen Pforzheimer Band „The Gently Tunes“ inzwischen in München. In den Bavaria Filmstudios absolviert er eine Ausbildung zum Mediengestalter mit dem Schwerpunkt auf Film und Fernsehen. Er will das Handwerkszeug fürs Filmgeschäft lernen, will aber auch in der Filmstadt München die Kontakte anbahnen, um weiterhin eigene Filme drehen zu können. Nur immer hinter der Kamera oder am Schneidetisch sitzen, ist ihm zu wenig. Vielleicht darf „Bambi“, so sein Kosename im PZ-news-Team, ja sogar eines Tages einen golden glänzenden „Bambi“-Filmpreis in den Händen halten. Zuzutrauen wäre es ihm.

Premiere feiert der Film beim 9. Wettbewerb um den Jugendfilmpreis 2012 Uhr am Samstag, 1. Dezember, 14 Uhr im „Metropol Kino“ in Stuttgart. Thomas Kurtz