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Einfach losfahren, so lange, bis es nicht mehr geht: Das will der krebskranke André Müller mit einem Wohnmobil machen. Und dafür braucht er Unterstützung. 
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Einfach losfahren, so lange, bis es nicht mehr geht: Das will der krebskranke André Müller mit einem Wohnmobil machen. Und dafür braucht er Unterstützung.  Foto: DANLIN Media GmbH - stock.adobe. 

Mit dem Wohnmobil durch Europa: Todkranker Dobler plant seine letzte Reise

Dobel. Es soll eine Reise ins Paradies werden – und das im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es so läuft, wie es sich André Müller vorstellt. Wenn es nach ihm geht, kehrt er von seinem „Roadtrip to Paradise“, wie er das Projekt nennt, nicht mehr zurück.

Denn André Müller ist unheilbar krank. Er hat Krebs im Endstadium. Aufgrund einer schweren Herzerkrankung sind Chemotherapie und Operation nicht möglich. Der größte Wunsch des 58-Jährigen: Mit dem Wohnmobil durch Europa reisen, „so lange bis ich nicht mehr kann“. Sizilien, Spanien, Schweden, Lappland, Gibraltar, Griechenland – die Liste seiner möglichen Ziele ist lang. Freudig, fast schon euphorisch berichtet er am Telefon von seinen Plänen – während er gerade in der Klinik in Langensteinbach liegt. „Ich musste vor ein paar Tagen den Notarzt rufen, weil meine Beine nicht mehr funktioniert haben“, erklärt er. Deshalb habe er den Beginn seiner Reise um vier Wochen verschoben. „Die Ärzte sind zuversichtlich, dass ich bis dahin wieder fit bin“, meint er. „Ich werde diese Reise machen, das geht nicht anders“, sagt er.

Und es ist nicht mehr nur seine Reise. Seit Müller auf die Idee kam, seine Pläne in den sozialen Medien publik zu machen und Unterstützer zu suchen, ist das Ganze ein Selbstläufer geworden: Seine Facebook-Gruppe, in der er ständig aktiv ist, zählt über 1100 Mitglieder, und über Crowdfunding hat der Dobler, der seit 2018 Erwerbsunfähigkeitsrentner ist und mit wenig finanziellen Mitteln auskommen muss, mittlerweile knapp 3000 Euro an Spenden gesammelt. „Ich muss diese Reise machen. Es git so viele Leute, die mir sagen, dass sie dadurch ein wenig ihrem eigenen Schicksal entfliehen können, auch wenn sie selbst so etwas leider nicht mehr machen können“, beschreibt er.

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„Ich werde diese Reise machen, das geht nicht anders“, sagt André Müller aus Dobel.

Doch wie kam Müller überhaupt auf die Idee zu der Reise? „Das hat sich so ergeben“, erinnert er sich. „Ich habe mich viel in den sozialen Medien mit anderen Menschen ausgetauscht, denen es gesundheitlich geht wie mir. Und plötzlich habe ich dort gefragt: ,Hat nicht jemand ein günstiges Wohnmobil für mich?' “ Denn: In seinem Berufsleben war Müller lange Zeit als Lastwagenfahrer im internationalen Fernverkehr tätig. „Ich war in so vielen Ländern und Städten, habe aber eigentlich nie etwas davon gesehen, weil ich nie Zeit hatte und mit dem Lastwagen ja oft nur in den Randgebieten unterwegs war“, erinnert er sich. Deshalb soll der „Roadtrip to Paradise“ eine Art Abschlussreise für ihn werden, mit der sich der Kreis wieder schließt.

„Für mich ist es das Schlimmste, untätig zuhause rumzusitzen“, sagt der 58-Jährige.

„Wenn ich aufwache, schaue ich auf eine Wiese, auf der ein Pferd steht. Zwischendurch schaue ich auf den Fernseher. Dann wieder auf die Wiese. Das Pferd ist an manchen Tagen das einzige Lebewesen, das ich sehe.“ Das könne nicht alles sein, „ein bisschen was hätte ich gerne noch“, sagt Müller, der sich selbst „vom Gefühl her“ noch maximal zwei Jahre zu Leben gibt. Wenn er darüber spricht, wirkt er nicht traurig. Eher kämpferisch. Er will diese Reise unbedingt machen. Auch wenn es ihm in dem langen Telefonat zeitweise nicht leicht fällt, zu sprechen. „Das sind die Nebenwirkungen der vielen Medikamente“, erklärt er, trinkt einen Schluck und redet weiter. „Ich habe mein Leben lang viel Druck gehabt. Zeitdruck, der Kampf für meine Familie. Jetzt bin ich mal dran“, sagt der Vater von fünf Kindern im Alter von 34 bis vier Jahren, der heute Single ist. „Ich habe 38 Jahre lang gearbeitet. Das bisschen Lebenszeit, das ich jetzt noch habe, ist das Kostbarste, was es gibt.“ Und so soll seine Reise auch seinem eigenen Rhythmus folgen: „Ich komme, wenn ich da bin. Ich fahre ohne Zeitdruck und bleibe dort, wo es mir gefällt.“

Freunde und Familie besuchen

Wenn es losgeht, will Müller zunächst eine Runde durch Deutschland drehen und Freunde und Familie besuchen, auch seine Kinder. Dann soll es weiter in Richtung Süden gehen. „Fahren kann ich stundenlang. Wenn ich sitze, habe ich keine Schmerzen. Ich habe für eine medizinische Studie sogar extra einen Fahrtest gemacht“, sagt Müller.

Das Wohnmobil steht bereits parat: „Ich habe es bei einer Familie aus Bayern gemietet und vor drei Wochen abgeholt“, erzählt er. Die Familie habe es ihm zu einem sehr günstigen Mietpreis zur Verfügung gestellt, „über Ostern habe ich es schon bei einer kleinen Reise ausprobiert“. Seine Wohnung in Dobel vermietet Müller unter. „Entweder ich sterbe unterwegs, oder ich kann nicht mehr, dann muss ich ins Pflegeheim“, erklärt er pragmatisch. Zurück nach Dobel will er nicht mehr kommen.

Facebook-Blog und Spenden

Wer André Müller bei seiner letzten Reise begleiten möchte, findet seinen Blog auf Facebook unter „Road Trip to Paradise“. Eine finanzielle Unterstützung ist unter folgendem Link möglich: www.betterplace.me/road-trip-to-paradise.

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Carolin Weiß

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