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In einen Jazzclub der 1940er-Jahre entführten die Musikvereine Dietlingen und Dürrn das Publikum in Keltern bei ihrem Premierenkonzert als Orchestergemeinschaft Enzkreis unter der Leitung von Matthias Hefner. Foto: Zachmann
In einen Jazzclub der 1940er-Jahre entführten die Musikvereine Dietlingen und Dürrn das Publikum in Keltern bei ihrem Premierenkonzert als Orchestergemeinschaft Enzkreis unter der Leitung von Matthias Hefner. Foto: Zachmann
17.05.2019

Mit gemeinsamem Musizieren gegen das Vereinssterben

Keltern/Ölbronn-Dürrn. Anstatt alleine allmählich zu verklingen, begeisterten die Musikvereine Dietlingen und Dürrn am Samstagabend die Besucher in der Dietlinger Mehrzweckhalle gleich doppelt: Mit dem Premiere-Auftritt der beiden Vereine als Orchestergemeinschaft Enzkreis, unter deren Namen sie seit einigen Monaten gemeinsam unter der Gesamtleitung von Matthias Hefner proben, landeten sie einen vollen Erfolg.

Mit ihrem ersten Projekt „Kings of Swing“ holten die engagierten Musiker ihr Publikum mitten hinein in einen Jazzclub der Weststaaten in den 1940er-Jahren. „Wir hatten uns intensiv mit dem sozialen und kulturellen Wandel auseinandergesetzt: einem verzerrten Verständnis von Gesellschaft und wenig Nachwuchs, weil junge Leute immer mehr auf sich selbst fixiert sind. Alleine wären die Vereine dadurch bald nicht mehr spielfähig gewesen“, umschrieb Dirigent Hefner die Ausgangssituation in einem eingangs auf der Bühne gespielten Radiointerview mit Rebecca Grimm. Anstatt lange zu lamentieren, ließ er die beiden Vereine einfach gemeinsam musizieren: „Jetzt haben wir wieder eine Plattform, auf der wir Gemeinschaft leben können.“ Grundsätzlich dürfe auch künftig jeder Interessierte aus der Region mitmachen – daher auch der Enzkreis im Namen, so Hefner, der bereits erste Musiker begrüßen durfte, die zuvor gar keinem Verein angehörten. Und er lobte den Mut der Solokünstler: „Viele trauen sich heute, ein Jazz-Solo zu spielen, was sie sonst nie gemacht haben.“

Davon konnten sich die Zuhörer überzeugen, nachdem die Moderatorin direkt in den „großen Ballsaal der Kings of Swing in Downtown Dieltingen City“ umgeschaltet hatte und das durch Hörner oder Flöten bereicherte bigband-untypische aber einzigartige 32-köpfige Orchester zu spielen begann. Zwischen Swinghits wie „Ain’t Got Nobody“, „New York, New York“ oder der „Moonlight Serenade“, dirigiert von Matthias Hefner und Maren Kientsch, webte Markus Hefner schauspielerische Elemente ein. So gab sich Karim Moussavi an der Bar und am Mikro als stilechter Jazzclubbesitzer, der zusammen mit seiner „rechten Hand“ Max (Maximilian Knorre) seinen Laden gegen den Konkurrenten Al (Oliver Dieterle) zu behaupten hatte.

Stimmung passt

Am Ende waren sich alle drei einig, zugunsten der Musik besser gemeinsame Sache zu machen als miteinander zu wetteifern. Eine Idee, mit der nun auch die beiden Vereinsvorsitzenden Thomas Gundlach (Dietlingen) und Johannes Schrade (Dürrn) Geschichte schrieben und die im Herbst in Dürrn ihre Fortsetzung finden wird. „Die Stimmung unter den Musikern passt und dass so eine Symbiose passiert ist, bringt beiden Vereine sehr viel“, brachte es Blasmusiker Reinhard Gruber auf den Punkt, der früher in Dietlingen und jetzt in Dürrn lebte und die Harmonie zwischen den beiden Vereinen schätzt.