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Die Zielscheibe im Visier: Der siebenjährige Pablo aus Arnbach probiert sich mit seinem kleinen Bruder Andy im Axt-Wurf. Bernd Watermann-Eder (links) und Jochen Claus zeigen, wie’s geht.
Die Zielscheibe im Visier: Der siebenjährige Pablo aus Arnbach probiert sich mit seinem kleinen Bruder Andy im Axt-Wurf. Bernd Watermann-Eder (links) und Jochen Claus zeigen, wie’s geht.
Plauderei über die Gewandung: Marie-Luise Böttcher (links) zeigte anhand von Puppen, was Männer und Frauen früher trugen.   Molnar
Plauderei über die Gewandung: Marie-Luise Böttcher (links) zeigte anhand von Puppen, was Männer und Frauen früher trugen. Molnar
06.09.2015

Mittelaltergruppe aus Arnbach lagert zum ersten Mal im eigenen Ort

Über die Grenzen von Arnbach hinaus sind sie weitaus bekannter als im Ort selbst – die „Arenbacher anno 1109“. Auf sämtlichen Mittelaltermärkten Baden-Württembergs sind Bernd und Jutta Watermann-Eder mit ihren Kindern Sarah und Thomas anzutreffen. Im eigenen Ort ist die Familie aus Arnbach dagegen meist nur in Zivilkleidung zu sehen. „Hier weiß kein Mensch, was wir machen“, erklärt Bernd Watermann-Eder, warum er nun erstmals im Heimatort sein Lager mit neun Zelten aufgeschlagen hat. Zumal die Wiese vor der achteckigen Lutherkirche, deren Form so typisch für die Staufferzeit zwischen 1180 und 1250 war, wie geschaffen sei.

Als der Mittelalterbegeisterte bei der evangelischen Kirchengemeinde Arnbach-Niebelsbach und deren neuem Pfarrer Winfried Gruhler nachgefragt hatte, war er gleich auf Zustimmung gestoßen. Ruhig und familiär ist die Atmosphäre, ein Duft von Stockbrot zieht über den Platz. Drei Tage lagern die „Arenbacher“, zu denen noch vier Familien aus Stuttgart-Vaihingen, Merklingen, Flacht und Pforzheim gehören, auf der Kirchwiese, erzählen Geschichten aus vergangener Zeit, zeigen altes Handwerk und kochen Hirsebrei über offenem Feuer. „Von da kommt auch das Sprichwort ‚Leg mal einen Zahn zu‘“, erzählt Watermann-Eder und zeigt auf einen höhenverstellbaren Haken, an dem ein Stahlkessel baumelt. Wollte man sein Essen schneller gar haben, wurde der Topf einfach einen „Zahn“ tiefer gehängt.

Vor seinem Zelt, wo sich ein ganzes Arsenal an Ritterrüstungen und Schwertern befindet, erklärt der Arnbacher die Entwicklung der Waffen und Helme. „Ein Kettenhemd war sechs Ochsen wert“, weiß er. Viele solcher wissenswerter Details hat die 2010 gegründete Mittelaltergruppe parat, so mancher Einheimische ist überrascht. Besonderen Wert legen die vierzehn mittelalterlich „gewandeten“ Personen – davon vier Kinder – auf die kleinen Unterschiede zwischen den Epochen. Schließlich umfasse das Mittelalter eine 1000-jährige Geschichte.

So geht auch Marie-Luise Böttcher bei ihrer „Plauderei über die Gewandung“ auf die Feinheiten vom 11. bis 13. Jahrhundert ein: Anhand von Puppen zeigt die Edeldame von der Oberreichenbacher Gastfamilie „Regnum Salici“, was Männer und Frauen früher trugen. „Ein unverheiratetes Mädchen musste keine Kopfbedeckung tragen“, erzählt sie. Von da käme auch der Begriff „unter der Haube“.

Jochen Claus führt indes den Umgang mit der Sense vor. „Das Blatt muss immer am Boden sein“, erklärt der „Bauer“ in Holzschuhen, dessen Frau Birgit in Ruhe Schafwolle spinnt. Immer wieder ist der Freudenschrei „Jubel“ zu hören – wenn ein Besucher eine Spende reicht. Diese Gaben sollen dem Kindergarten Arnbach und der Kinderklinik Schömberg zugutekommen.

„Das ist eine Attraktion für Kinder“, ist Stephan Weiß vom Ort begeistert. Seine Jungs Pablo und Andy probieren gerade den Axt-Wurf aus. Auch Hufeisenwurf und Bogenschießen ist für die jungen Besucher angeboten, ebenso Mittelalterspiele wie Wikingerschach. Abends beleuchten Fackeln das Lager – und locken noch viele Neugierige zur Wiese.