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08.05.2009

Motorradfahrer stirbt - Eine Straße wird zur Todesstrecke

KÖNIGSBACH-STEIN/PFORZHEIM. Die Landesstraße 571 zwischen Königsbach und Wössingen ist ein gefährliches Pflaster. Dort starb seit 2007 jährlich ein Motorradfahrer. Der jüngste tödliche Unfall ereignete sich am Donnerstagabend. Das Opfer: ein 23-Jähriger aus Pforzheim.

Ein 23-jähriger Pforzheimer war am Donnerstag kurz nach 19 Uhr mit seiner Suzuki auf der Landesstraße 571 von Walzbachtal-Wössingen nach Königsbach unterwegs. Ausgangs einer Geraden, nach dem Golfclub Johannestal, setzte er dazu an, ein Auto zu überholen.

Wegen eines Fahrfehlers, so berichtet die Polizei, soll er im Scheitelpunkt einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Motorrad verloren haben. Der junge Mann geriet mit seinem Zweirad auf den unbefestigten Seitenstreifen, touchierte einen Leitpfosten und riss diesen aus seiner Verankerung. Das Motorrad schleuderte die Böschung entlang und blieb dann auf der Straße liegen. Zu einer Berührung mit dem überholten Auto kam es nicht.

Tempo 100 erlaubt

Obwohl der Pforzheimer einen Schutzhelm trug, erlitt er schwerste Verletzungen. Wenig später starb der 23-Jährige in einem Pforzheimer Krankenhaus. Selbst ein Hubschrauber-Einsatz konnte sein Leben nicht mehr retten. An dem neuwertigen Motorrad entstand Totalschaden in Höhe von 8000 Euro.

Schon am Freitag reagierte die Verkehrspolizei auf das tragische Ereignis, wie Polizeisprecher Michael Sengle der PZ sagte. Sie kontrollierte die Geschwindigkeit zwischen Wössingen und Königsbach. Ob die Verkehrsbehörden in Erwägung ziehen, die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von Tempo 100 zu reduzieren, konnte Sengle nicht sagen.

Seit dem Jahr 2007 starben drei Motorradfahrer auf dieser Strecke. Dennoch sind laut Sengle die Landesstraße 340 vom Eyachtal in Richtung Dreimarkstein sowie die Straße von Mühlacker nach Dürrmenz die unfallträchtigsten Abschnitte für Biker im gesamten Enzkreis.

Auf der Landesstraße zwischen Königsbach und Wössingen haben sich in den vergangenen zwei Jahren eine ganze Reihe schlimmer Auto- und Motorradunfälle ereignet. Hier nur die wichtigsten:

9. August 2007: Bei der Zufahrt zum Golfplatz prallt der Opel Astra einer 58-jährigen Fahrerin gegen das Heck eines Ford Focus, der von einer 85-jährigen Frau gelenkt wird. Beide Frauen werden schwer verletzt.

23. September 2007: Ein 26-jähriger Motorradfahrer aus Remchingen prallt nach einer langgezogenen Linkskurve auf ein Auto auf. Er überschlägt sich und wird schwer verletzt in eine Klinik gebracht, wo er später stirbt.

26. Juni 2008: Ein 42-jähriger Motorradfahrer fliegt nach dem Aufprall auf ein Auto rund 30 Meter durch die Luft. Jede Hilfe kommt für ihn zu spät.

19. April 2009: Eine 42-jährige Motorradfahrerin wird von einem Personenwagen angefahren, der auf die Gegenfahrbahn geraten ist.

22. April 2009: Ein Motorrad prallt gegen einen Traktor und stürzt
eine Böschung hinab. Der 28-jährige Motorradfahrer wird schwer verletzt.

Hinzu kommt: Die L 571 gilt auch als Schwerpunkt für Wildunfälle. Immer wieder versuche die Polizei – neben den Tempokontrollen – durch verschiedene Aktionen Motorradunfälle zu verhindern, sagt Michael Sengle. Dazu gehöre auch eine Aufklärungskampagne mit einem Stand an der Schwanner Warte zu Beginn der Motorrad-Saison. Diese Aktion habe bereits stattgefunden. Allerdings appelliert er auch an die Eigenverantwortung: „Vor allem Neulinge sollten an einem Sicherheitstraining teilnehmen.“