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Inmitten von Mühlhausen soll ein neues Quartier entstehen, das Wohnraum und Nahversorgung bietet. Foto: Meyer
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13 neue Gebäude sieht der Siegerentwurf vor. Foto: Architekturbüro Jost/ReWied GmbH

Mühlhausen erfindet sich neu: Gemeinde stellt Siegerentwurf für Quartier in Ortsmitte vor

Tiefenbronn-Mühlhausen. Im Herzen des Tiefenbronner Ortsteils Mühlhausen soll sich gewaltig etwas verändern. Eine neue Ortsmitte soll entstehen im Quartier, eingerahmt von Mittel-, Würmtal- und Tiefenbronner Straße. Drei Teams aus Architekten und Investoren haben sich darum beworben, dort einen Mix aus Nahversorgung, Gastronomie und Wohnformen für Jung und Alt zu schaffen.

Am Montagabend stellte Bürgermeister Frank Spottek mit dem Stadtplaner und Architekten Werner Gerhardt vom Büro Schöffler aus Karlsruhe rund 50 interessierten Bürgern die eingereichten Entwürfe vor. Eine Fachjury hatte im November ihren Favoriten gekürt. Die endgültige Entscheidung liegt aber beim Gemeinderat und ist noch nicht getroffen.

Sieger der sieben Experten ist der Entwurf, den das Architekturbüro Jost aus Tiefenbronn gemeinsam mit der Firma ReWied aus Ilsfeld eingereicht hatte. „Man spürt im Quartier, dass etwas fehlt“, sagte Gerhardt. Darum habe die Gemeinde sich seit langem Schritt für Schritt Flächen gesichert, um etwas neues entwickeln zu können. „Heute ist die Krönung des langen Atems, den der Gemeinderat bewiesen hat“, so der Architekt.

Dörflichen Charakter erhalten

Die Anordnung der 13 Ein- bis Zweifamilienhäuser samt Café und Option für eine Senioren-Wohngruppe überzeugten die Jury. Als „positiv kleinteilig, differenziert und mit dörflichem Charakter“, wurde der Siegerentwurf gelobt. Die Firstrichtungen und Dachformen wechseln, die Gebäude springen vor und zurück, lassen Platz für Bäume.

Doch es gibt auch Kritik: Die Parkmöglichkeiten gefallen nicht, eine Tiefgarage wird stattdessen favorisiert. Die Bebauung zu dicht, die Abstände und Wege sollen verbreitert werden, der Café-Vorplatz und die Gartenflächen größer. Die Nachbesserungen sollen nun laut Spottek Inhalt von bereits anberaumten Gesprächen zwischen Planern, Gemeinderat und Verwaltung sein: „Wir stehen am Beginn einer interessanten Arbeit“, sagte er: „Das Dorf geht dahin zurück, wo es herkommt – mit einer neuen Bebauung.“

Die beiden weiteren Entwürfe, die das Nachsehen hatten, stellte Gerhardt ebenfalls vor. Der erste umfasst drei große Baukörper, um einen Innenhof gruppiert. „Der Raum soll in der Ortsmitte nach Außen wirken, nicht im Hinterhof versteckt sein“, kritisierte er. Auch ein Konflikt mit den Anwohnern bestehender Gebäude sei möglich. Eine rund drei Meter hohe Mauer entlang der Tiefenbronner Straße gefiel ebenso wenig wie die quadratischen, „überdimensionierten“ Baukörper samt Fassade und Dachform. Interessant sei jedoch der Gedanke, die Mittelstraße nur in Teilen zu erhalten.

Vieles ist noch zu klären

Der zweite Entwurf sieht ein großes Wohn- und Geschäftshaus aus zwei verbundenen Gebäuderiegeln vor – „zu massiv, zu städtisch, nicht ortstypisch“, lautete die Kritik. Zudem seien die Gärten vorgesehener Reihenhäuser in Richtung der stark befahrenen Würmtalstraße orientiert. „Die städtebauliche Einbindung und Vernetzung überzeugt nicht“, resümierte Gerhardt.

Anwesende Bürger nutzten die Chance, Fragen zu stellen. Vor allem das Thema Parkraum beschäftigte sie – wo die Tiefgaragenausfahrt liegen und ob ausreichend Ersatz für wegfallende öffentliche Parkflächen geschaffen werden soll? Details seien noch zu klären, doch darauf, dass genug Raum für die Fahrzeuge von Bewohnern, Besuchern und anderen Nutzern der Ortsmitte gegeben ist, liege ein besonderes Augenmerk, versicherte Spottek.