nach oben
Spielfreude pur: Während Peter Gutfreund, Nicole Männicke, Stefan Springer und Romy Knobel (von links) essen, was auf den Tisch kommt, hat Theo Knobel (stehend) das Müsli schon wohlweislich aus dem Fenster entsorgt.  Foto: Ganzhorn
Spielfreude pur: Während Peter Gutfreund, Nicole Männicke, Stefan Springer und Romy Knobel (von links) essen, was auf den Tisch kommt, hat Theo Knobel (stehend) das Müsli schon wohlweislich aus dem Fenster entsorgt. Foto: Ganzhorn
12.03.2018

Mundart-Theater „Baliederle“ glänzt in Grunbach mit Familien-Schwank

Engelsbrand-Grunbach. „Oh Gott, die Familie!“ Mit diesem Schwank in drei Akten schafften es die Mitwirkenden des Schwäbischen Mundart-Theaters „Baliederle“ problemlos, das Heiterkeitsbarometer in der Alten Turnhalle in Grunbach zum Anschlag hoch zu katapultieren. Keiner der 120 Sitzplätze blieb bei der Premiere verwaist. Und das wird bestimmt so weitergehen – sackte doch das vorhandene Kartenkontingent aller sechs Aufführungen bereits beim Vorverkauf innerhalb einer Stunde nahezu auf null.

Wie die spielfreudigen Akteure ihre hausgemachten Familienzwis-tigkeiten schlitzohrig und temporeich ohne irgendwelche Längen von Anfang bis Ende transferieren können, ist sehenswert. Das gebannte Publikum dankt’s mit lautem Gelächter und spontanem Beifall. Und vielleicht rührt der Charme des Stückes auch ein wenig von der bekannten Situation, nicht stetig die Familie um sich herum haben zu wollen. Denn so geht es dem verliebten Paar Marina Schaible und Oli Schnitzlein.

Um in Ruhe zu heiraten, haben sie sich in einer einsamen Hütte eingemietet. In der holzvertäfelten Stube brennt ein Feuer im Ofen, der Bauernschrank sowie bemalte Milchkannen und karierte Vorhänge strahlen Gemütlichkeit aus. Doch schon trüben Eindringlinge die Zweisamkeit. Hannelore Wessinger, die resolute Hüttenwartin, wirft mit gestrengen Blicken und erhobenen Zeigefingern um sich. Pausenlos predigt die hochbezopfte „Hüttenkampfmaschine“ ihre Litanei der Beanstandungen.

Selbst Theo Knobel, der den robusten und rüpelhaften Vater des Bräutigams gibt, findet in ihr seinen Lehrmeister. Mal schäbig lachend, mal weinerlich die Bettflasche an seinen schmerzenden Zahn drückend, versucht er mehr oder minder erfolglos, das Kommando an sich zu reißen. Opa Peter Gutfreund setzt diesem Treiben die Krone auf. Herrlich, wie angewidert er das Gesicht verziehen kann, als sich sein verzehrtes Gulasch als Hundefutter entpuppt.

Ist man sich auch sonst nicht immer einig, so wird doch gemeinsam mit der naiven Mutter Nicole Männicke gegen die Brauteltern Stefan Springer und Romy Knobel intrigiert. Dieses gepflegt miteinander verkehrende Paar verkörpert in seiner sorgsam aufeinander abgestimmten und doch kurios anmutenden Garderobe ein Herz und eine Seele und entfacht allein schon damit Lust auf Opposition. Hände werden gerieben und erhoben. Und beim Tanz in Lederhosen und Dirndl schwingen Vater und Opa gleichermaßen schnapsbeseelt die Hüften.

Kein Wunder, dass die feingeistigen Gegenschwieger immer wieder Mund und Nase aufsperren und sich nach Luft japsend um den Seelenfrieden ihres Zwerghundes Daisy sorgen müssen.

„El Padre“ wird zum Pastor

Bei all dem Trubel ist es auch der biederen Haushälterin Christin Dröge nicht zu verdenken, dass es ihr den französischen Akzent verschlägt. Und Björn Fix – als italienischer „El Padre“ eines Nachtclubs irrtümlich für den Pastor gehalten – bleibt nichts anderes übrig, als den beiden aufgeheizten Müttern mit tiefem Blick sein Brusthaar zu entblößen.