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Voll geistlicher Freude war die Bachkantate im vom Sonnenlicht durchfluteten Kirchenraum. Foto: Nico Roller
Voll geistlicher Freude war die Bachkantate im vom Sonnenlicht durchfluteten Kirchenraum. Foto: Nico Roller
30.12.2015

Musikalischer Vortrag in Stein: Bachkantaten von eindrucksvoller Dynamik

Die Sonne strahlte kräftig durch die bunten Fenster der Steiner Stephanuskirche und tauchte den Raum in ein goldenes Licht. Das verlieh dem musikalischen Vortrag einen perfekten Rahmen.

Mit der fünften Kantate aus dem Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs illustrierte die Stephanuskantorei das Geschehen rund um Weihnachten und verlieh stimmgewaltig der geistlichen Freude über die Geburt von Jesus Christus Ausdruck. Im Unterschied zu den ersten drei Kantaten seines Oratoriums setzt Bach hier neu an und schildert die Weihnachtsgeschichte so, wie sie das Matthäus-Evangelium beschreibt. Die Stephanuskantorei, unterstützt vom Orchester, überzeugte vor dem prächtig geschmückten Altar.

Tenor Johannes Eidloth wurde nur minimalistisch am Kontrabass begleitet, als er in der Rolle des Evangelisten von der Ankunft der Heiligen Drei Könige berichtete. Wo der neugeborene König sei, fragte der Chor im dynamischen Wechselgesang Altistin Anne Hartmann, die stimmgewaltig zur Antwort gab: „Sucht ihn in meiner Brust“ und in der folgenden Arie von Ágnes Bánrévy eindrucksvoll zart an der Oboe begleitet erkennen ließ, was mit Gottes Hilfe möglich sein kann. Die zwei folgenden Rezitative thematisierten in bemerkenswerter Klarheit die Furcht der Menschen und des König Herodes, als sie von der Geburt Jesu erfuhren. Im vielförmigen Terzett fragten Sopranistin Lydia Leitner und Tenor Johannes Eidloth voller Dynamik bittend, wann die Erlösung komme.

Nach einem Alt-Rezitativ endete die Kantate in einem festlichen Choral, mit dem die Stepanuskantorei den ganzen Kirchenraum bis in den letzten Winkel ausfüllte. Obwohl der fünften Kantate einiges vom instrumentalen Prunk ihrer Vorgänger fehlt, hat sie dennoch einen würdevollen Charakter. Das Publikum dankte Kantorin Laura Skarnulyté, ihren Sängern und dem Orchester mit tosendem Beifall.