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Annelis Entführer Markus B. lebte eine Zeit lang in Schönenberg.
Annelis Entführer Markus B. lebte eine Zeit lang in Schönenberg.
Die Henri-Arnaud-Schule in Ötisheim: Hier soll einer der mutmaßlichen Mörder von Anneli 1993 seinen Hauptschulabschluss gemacht haben. Fotos: Schierling
Die Henri-Arnaud-Schule in Ötisheim: Hier soll einer der mutmaßlichen Mörder von Anneli 1993 seinen Hauptschulabschluss gemacht haben. Fotos: Schierling
19.08.2015

Mutmaßlicher Täter im Fall Anneli ging in Ötisheim zur Schule

Die Ermordung der 17-jährigen Anneli aus Meißen in Sachsen hat ganz Deutschland erschüttert (PZ berichtete). Die mutmaßlichen Täter: Der 61-jährige Norbert K. aus Dresden und der 39 Jahre alte Markus B. aus der Nähe von Bamberg. Der jüngere von beiden ist zweifacher Familienvater und auf Facebook aktiv. In seinem Profil steht unter anderem, dass er 1993 seinen Hauptschulabschluss in Ötisheim gemacht hat. Im Raum Mühlacker erkennen einige das Foto, mit dem er sich in dem sozialen Netzwerk präsentiert. Er soll in Schönenberg, einem Ortsteil von Ötisheim, gewohnt haben.

Schon als Kind auffällig

„Ein Freund kam am Dienstagabend zu mir und berichtete mir von seiner Entdeckung“, so der Mann aus Mühlacker. Was ihn im Nachhinein sehr wütend mache: „Als er vor kurzem Kontakt zu mir aufgenommen hatte, tat es mir leid, dass ich früher ab und zu gemein zu ihm war.“ Aber nachdem er nun wisse, was er höchstwahrscheinlich für ein Mensch sei, bereue er es zutiefst, jemals Mitleid mit ihm gehabt zu haben.

Der Mann aus Mühlacker kann sich noch gut an den Teenager Markus B. erinnern, denn vor etwa 25 Jahren gingen sie beide auf die Hauptschule in Ötisheim. Der Beschuldigte sei eine Klasse unter ihm gewesen und habe „ständig Stress gemacht“. Er habe immer wieder provoziert, erinnert er sich. Eines Tages sei er, weil er geschwänzt hatte, sogar von der Polizei in die Schule gebracht worden.

Dieses Bild bestätigt ein weiterer Ex-Schulkamerad aus Ötisheim, der seinen Namen ebenfalls nicht der Öffentlichkeit preisgeben möchte. „Markus B. ist oft negativ aufgefallen“, sagt er. Außerdem habe er einen verwahrlosten Eindruck gemacht. Auf ihn habe er vernachlässigt gewirkt.

Wenig Anschluss im Dorf

„Er war im Dorfleben auch nicht integriert“, so der Ötisheimer. „Keiner wollte mit ihm spielen.“ Die Familie sei dann kurz nach dem Hauptschulabschluss weggezogen. Ein Besuch in Schönenberg am gestrigen Nachmittag zeigt, dass auch nach so langer Zeit viele noch wissen, wer Markus B. war. Ja, der Name sage ihnen etwas. Dunkel. Die Familie habe in der „Baracke“ gewohnt – ein abgewohntes Holzhaus, das der Gemeinde gehört habe, erinnern sich die Bürger. „Das ist aber ewig her“, sagt eine Frau.

Das Haus an der Ötisheimer Straße sei längst abgerissen worden, berichtet ein Mann. Dort stehen nun Neubauten. Eine Bestätigung seitens der Gemeinde zu diesen Vermutungen gibt es nicht. „Wir haben keinen Kontakt gehabt“, sagt eine Schönenbergerin. Sie wisse nicht, was aus der Familie geworden sei.

Der Tatverdächtige und sein mutmaßlicher Komplize sitzen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen die beiden und die näheren Umstände der Tat stehen laut den zuständigen Polizeibehörden noch am Anfang. Bis klar ist, ob gegen den 39-Jährigen Anklage erhoben wird, wird einige Zeit vergehen. Bis dahin haben die Menschen aus dem Enzkreis, die Markus B. kennen, vielleicht auch den Schock verdaut, den die Nachricht ausgelöst hat.

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