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Mit Flaggen aus aller Welt bekundeten rund 700 Bürger knapp eine Woche nach dem Brandanschlag ihre Unterstützung für Flüchtlinge. Foto: Zachmann(PZ-archiv)/Deck
Mit Flaggen aus aller Welt bekundeten rund 700 Bürger knapp eine Woche nach dem Brandanschlag ihre Unterstützung für Flüchtlinge. Foto: Zachmann(PZ-archiv)/Deck
Mit der Geige umrahmte Julietta Memaj-Doganci aus Kieselbronn die Aktion, bei der auch viele Pforzheimer Bundes- und Landespolitiker sowie Landesintegrationsministerin Bilkay Öney dabei waren. Foto: Zachmann
Mit der Geige umrahmte Julietta Memaj-Doganci aus Kieselbronn die Aktion, bei der auch viele Pforzheimer Bundes- und Landespolitiker sowie Landesintegrationsministerin Bilkay Öney dabei waren. Foto: Zachmann
26.07.2015

Nach Brandanschlag: Remchingen zeigt Flagge für Flüchtlinge

Mit unzähligen Fähnchen aus aller Welt und deutlichen Worten haben sich am Sonntagabend rund 700 Remchinger Bürger und Unterstützer aus der Region Hand in Hand mit Asylbewerbern für Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Integration starkgemacht. Bei der Kundgebung vor der Kulturhalle unter dem Motto „Remchingen zeigt Flagge“ stellten die Teilnehmer eine Woche nach dem Brandanschlag auf die geplante Asylunterkunft in Singen unter Beweis, dass die Gemeinde für Menschenwürde und Toleranz sowie für den Schutz der Schwächeren steht.

An der Geige umrahmt von der gebürtigen Algerierin Julietta Memaj-Doganci aus Kieselbronn verdeutlichte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (CDU) von der Remchinger Ortsmitte aus: „Wir waren, sind und bleiben eine weltoffene Gemeinde und leben von der Zuwanderung und Integration.“

Auf hohe Resonanz gestoßen

„Es ist wichtig, dass Remchingen jetzt Flagge zeigt. Das ist ein Ausrufezeichen, was die Bürger hier setzen“, sagte die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) – zusammen mit den Bundestagabgeordneten Katja Mast (SPD) und Gunther Krichbaum (CDU) sowie der Landtagsabgeordneten Marianne Engeser (CDU) Fähnchen schwingend – über die große Resonanz.

Eine Schweigeminute erinnerte an weltweit Millionen Menschen auf der Flucht. Und sicherlich auch an die Schreckensnacht, als das ehemalige Clubhaus in Singen, nach dem Umzug des Vereins von der Gemeinde gekauft, lichterloh in Flammen stand. Aus taktischen Gründen erklärte die 17-köpfige Ermittlergruppe Mitte der vergangenen Woche, dass Spuren von Benzin im Brandschutt und eines eingeschlagenen Fensters auf der Rückseite einen klaren Beweis für Brandstiftung im Obergeschoss liefern. Was den oder die Täter betrifft, konnten die Beamten den Verdacht auf einen Jugendlichen aus Remchingen ausräumen. Deshalb bleibt die Täterfrage weiter offen, der Verdacht eines fremdenfeindlichen Anschlags bleibt im Raum. „Wer auch immer das getan hat, er hat nicht nur Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, das Dach über dem Kopf zerstört“, stellte der Singener Pfarrer Rudolf Kaltenbach fest. Er zitierte Worte Jesu: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Prayon erinnerte auch an die von Zuwanderung und Integration geprägte Geschichte Remchingens, von etwa 12 000 Einwohnern würden 1600 aus 76 unterschiedlichen Staaten kommen. Eben diese Vielfalt mache die Gemeinde so bunt und so erfolgreich und eben darum wolle sie weiterhin diesen Weg gehen. Das zeigen nicht nur die bald 30-jährige Partnerschaft mit dem italienischen San Biagio Platani und Aktionen wie Tafelladen und Kleiderstube der Diakonie, sondern auch die aktuellen Initiativen des Netzwerks „Asyl“, das neben der ehrenamtlichen Begleitung der bereits 30 hier lebenden von etwa 150 bis 2016 geplanten Asylbewerbern auch Deutschunterricht anbietet. Netzwerk-Sprecher Peter Farr sagte: „Erst recht suchen wir jetzt weitere engagierte Bürger, die mithelfen wollen, uns auf die vielen Menschen vorzubereiten, die bis Ende 2016 kommen werden.“