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Klarer Favorit: In den Röschwiesen an der Boschstraße in Bilfingen sehen einige Kämpfelbacher Gemeinderäte nach einer gemeinsamen Ortsbegehung das größte Potenzial für einen Containerstandort für Flüchtlinge. Falk
Klarer Favorit: In den Röschwiesen an der Boschstraße in Bilfingen sehen einige Kämpfelbacher Gemeinderäte nach einer gemeinsamen Ortsbegehung das größte Potenzial für einen Containerstandort für Flüchtlinge. Falk
22.11.2015

Nach Streit über Asyl-Unterkünfte: Standortsuche in Ersingen und Bilfingen

Wie alle anderen Gemeinden im Enzkreis ist auch Kämpfelbach bei der Unterbringung von Flüchtlingen gefragt. Beschlossene Sache waren seit der Gemeinderatssitzung am 21. September eigentlich Wohncontainer auf dem Bolzplatz an der Laubigstraße in Ersingen und auf einem Wiesengelände am Königsbacher Weg in Bilfingen (die PZ berichtete).

Trotzdem trafen sich am Samstag neun Gemeinderäte von CDU, Freien Wählern und der Liste Mensch und Umwelt zur gemeinsamen Ortsbegehung und Begutachtung möglicher anderer Standorte.

Hintergrund war der am 16. November gestellte Antrag auf Beschlussvertagung seitens der CDU-Fraktion. Seither steht die Gemeinde wieder vor der Frage, wo die Container hin sollen. Grund für den Antrag auf erneute Standortberatungen waren Unklarheiten über die genaue Zahl an Asylbewerben, die in den Containeranlagen am Kämpfelbacher Weg unterkommen sollten.

Gegen Schnellschüsse

„Wir haben uns als Gemeinderäte ausgebremst gefühlt“, erklärt Johannes Kolb von den Freien Wählern: „Wir hatten keine Möglichkeiten, uns einzubringen, es gab nur wenige Beschlussvorschläge und das Ganze wurde zu schnell konkretisiert.“ Er wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit von Verwaltung und Gemeinderat. Der hat die Suche nach alternativen Standorten nun selbst in die Hand genommen. „Wir haben zwölf Vorschläge aus der Mitte des Gemeinderates zusammengetragen“, so CDU-Fraktionssprecher Lothar Hein. Und diese zwölf Orte galt es gestern, zu besichtigen. „Es ist ganz wichtig, dass wir jetzt alle Chancen nutzen, mögliche Alternativen zu finden“, so Kolb.

Siegfried Böhm von der CDU betonte, wie wichtig es sei, auf die Bürgerstimmen zu hören: „Wir können die Unterschriftenliste gegen die Unterbringung am Kämpfelbacher Weg nicht ignorieren. Wir müssen einen Standort finden, der von der Bevölkerung in der Breite getragen wird.“

Los ging die Ortsbegehung an den Röschwiesen in Bilfingen, Ecke Benz- und Boschstraße. Dort, wo sich jetzt noch grüne Wiesen befinden, können sich die Gemeinderäte Containeranlagen für Flüchtlinge gut vorstellen. „Das Landratsamt bevorzugt größere Standorte“, so Böhm: „Das hier wäre ein Standort mit Potenzial nach oben. Dass es nicht bei den 40 Menschen, die an den Kämpfelbacher Weg kommen sollten, bleiben wird, ist klar.“ Der erste besichtigte Standort kristallisierte sich schnell als Favorit der Räte hervor: „Die Lage ist zentral, Wege nach Bilfingen und Ersingen sind da“, so Böhm.

Auch der zukünftige Feuerwehrstandort in Bilfingen käme für die neun Räte in Frage. Dieser wäre auch zentral, unterstrich Böhm: „Die Feuerwehr hat sich bisher aber noch nicht dazu geäußert.“ Das Interesse an dem Grundstück sei nicht ersichtlich, ein Signal der Feuerwehr aber umso wichtiger. „Wir wollen ihnen das Grundstück nicht wegnehmen“, stellte Böhm klar.

Besichtigt wurden in Bilfingen außerdem der ehemalige Häckselplatz, der Hartplatz des TuS und ein Grundstück neben Kämpfelbachhalle und Grundschule. Hier hat für die Räte vor allem das Gespräch mit den umliegenden Anwohnern Priorität. „Im Sinne der Integration wäre dieser zentrale Standort ideal“, glaubt Siegfried Böhm. Dennoch: „Erst der Dialog, dann die Entscheidung.“

Zum Ende der Ortsbegehung fand sich dann noch ein zweiter Favorit: Der Bolzplatz in Ersingen. „Wenn es darum geht, einen Hartplatz als Standort zu nehmen, dann lieber diesen“, waren sich die Räte einig.

„Unser Wunsch ist es, in der nächsten Gemeinderatssitzung eine Entscheidung treffen zu können“, sagt Lothar Hein. Alle besichtigten Standorte habe man der Verwaltung bereits lassen.