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Nach Unfall: 80-Jähriger gibt Führerschein für immer ab.
Nach Unfall: 80-Jähriger gibt Führerschein für immer ab © dpa
22.10.2012

Nach Unfall: 80-Jähriger gibt Führerschein für immer ab

Der Fall schlägt in Conweiler noch immer Wellen. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind am Dienstag vergangener Woche zwei Kinder verletzt worden, als sie auf dem Schulweg an der Herrenalber Straße einen Zebrastreifen überquerten.

Auf Anfrage der PZ bestätigte die Polizeidirektion Pforzheim das Unglück. Besonders dramatisch für Kinder und Eltern sind die näheren Umstände: Denn die Zweitklässler hätten die Fahrbahn erst betreten, als eine 25-Jährige mit dem Auto am Zebrastreifen angehalten hatte. Nach Ermittlungen der Polizei hatte ein 80-Jähriger die Situation völlig falsch eingeschätzt. „Er dachte, die Fahrerin vor ihm halte einfach am Fahrbahnrand“, so Sprecher Frank Otruba. Der Rentner fuhr vorbei, sein Fahrzeug erfasste zwei der drei Kinder auf dem Überweg.

Nach Angaben einer Conweilerin habe ein Kind mit einem Sprung ausweichen können, eines habe sich eine Hüftprellung zugezogen und eine Siebenjährige sei zu Boden geschleudert worden. Der Schulranzen habe den Fall noch abgefedert. Mit einer Gehirnerschütterung sei das Kind ins Krankenhaus gekommen. Der 80-Jährige habe nach seinem schwerwiegenden Fehler seinen Führerschein freiwillig und endgültig abgegeben, so Frank Otruba.

Eltern aus dem Straubenhardter Ortsteil ärgern sich nun grundsätzlich über mangelnde Aufmerksamkeit von Autofahrern an Zebrastreifen. Eine Mutter, deren Kind denselben Schulweg geht, warnt, dass ein Unfall wie dieser die Kinder erheblich verunsichere. „Sie machen alles richtig und sind am Ende trotzdem die Leidtragenden“, schreibt sie.

Das richtige Verhalten am Zebrastreifen lernen Kinder gerade auch im Rahmen der Verkehrspräventionsarbeit im Bereich der Polizeidirektion. „Wir haben da ein Auge drauf“, sagt Polizeisprecher Otruba. Regelmäßige Kontrollen von Seiten der Verkehrspolizei oder der jeweils zuständigen Reviere nähmen außerdem unter die Lupe, wie sich die Autofahrer verhalten. Gerade auch in der Nähe von Schulen. Die Erfahrungswerte der kontrollierenden Beamten sprächen grundsätzlich für eine „recht akzeptable Moral“ am Überweg, so Otruba. Die große Mehrzahl fahre unter den Augen der Polizei vorschriftsmäßig langsam an Zebrastreifen heran und halte, wenn jemand über die Straße wolle. Gegenteilige Rückmeldungen von Bürgern seien sehr selten. „Beschwerden gehen bei uns eher wegen des Tempos ein, das Anwohner in Ortsstraßen beobachten“, so Otruba.

Im Conweiler Fall hatte der Autofahrer nach Einschätzung der Polizei den Überweg und die gesamte Situation nicht richtig wahrgenommen. Dass ältere Fahrer nach Fehlern ihren Führerschein abgeben, dass komme immer wieder vor, so Otruba. Er erinnere sich an den Fall einer Rentnerin, die Gas und Bremse verwechselt hatte. Im März letzten Jahres hatte ein 87-Jähriges nach zwei Streifunfällen laut dem Polizeibericht von damals seine Fahrerlaubnis wegen Überforderung zurückgegeben.

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