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Nach schwerster Misshandlung: Gericht verhängt milderes Urteil gegen Mutter

Tübingen/Bad Wildbad/Neuenbürg. Ein salomonisches Urteil gab es am Mittwoch gegen die Mutter, die ihre kleinen Kinder nicht gegen die brutalen Misshandlungen ihres damaligen Partners in Neuenbürg und Bad Wildbad beschützt hatte: Sie muss nicht ins Gefängnis.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Verfahren wegen des Strafmaßes von zwei Jahren Haft ohne Bewährung als zu hart ans Landgericht Tübingen zurückverwiesen. Die obersten Richter des BGH in Karlsruhe sahen Gründe nicht berücksichtigt, die normalerweise für eine Bewährungsstrafe sprechen: keine aktive Tatbeteiligung, keine relevanten Vorstrafen, ein Geständnis, glaubhafte Reue, eine günstige Prognose. Auch die Tatsache, dass die von Kindheit an mit Gewalt und Alkohol aufgewachsene Frau selbst zum Opfer des gewalttätigen und suchtkranken Partners geworden war und zaghafte Versuche gemacht hatte, um Hilfe zu bitten, sahen die Karlsruher Richter nicht ausreichend gewürdigt.

Die Vorsitzende Richterin des Schwurgerichts in Tübingen, Sigrid Höchst, verkündete als Urteil gegen die 27-jährige Mutter nun eine leicht reduzierte Haftstrafe von einem Jahr und 10 Monaten, die allerdings unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wird. Die neun nachgewiesenen schwersten Misshandlungen über mehrere Monate hinweg, für die der frühere Partner für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis kam, wurden in der Sache nicht mehr verhandelt. Der Verteidiger hatte auf eine einjährige Bewährungsstrafe plädiert, Staatsanwaltschaft und Nebenklage blieben in ihren Anträgen beim ursprünglichen Strafmaß.

Bei den Bewertungen wich die Kammer nicht wesentlich vom ersten Urteil ab. Dass die Angeklagte in einen Umzug der Familie von Neuenbürg nach Bad Wildbad einwilligte, um dem immer weniger zu verdeckenden Verdacht von Misshandlungen der Geschwister auszuweichen, wog schwer. Noch weniger Verständnis hatte auch die zweite Kammer dafür, dass die Mutter das damals dreijährige Mädchen nach einem ungeklärten Treppensturz nicht ins Krankenhaus oder zu einem Arzt brachte.

Erst eine Sachbearbeiterin des Job-Centers hatte Alarm geschlagen und das Jugendamt Calw verständigt, woraufhin an der Karlsruher Uniklinik ein Schädelbruch festgestellt wurde. Damit endete das monatelange Leiden von Bruder und Schwester, die in eine Pflegefamilie kamen. Ihre Entwicklung, so das Gericht, sei verzögert. Massiver Vertrauensverlust und mangelnde Aufmerksamkeit hätten zu dauerhaften Störungen und Schäden geführt.

Mit Erleichterung nahm die Mutter das mildere Urteil auf. Noch im Gerichtssaal erklärten ihr Verteidiger Cornelius Schaffrath und Staatsanwalt Thomas Trück den Verzicht auf weitere Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig.