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Zur naturnahen Waldbewirtschaftung gehört heutzutage auch, einige ausgewählte Stellen sich selbst zu überlassen, denn im Totholz finden viele Lebewesen Unterschlupf und bereichern so die Fauna im Forst. Im Bild (von links): Enzkreis-Forstamtsleiter Frieder Kurtz und sein Stellvertreter Andreas Roth. Die Aufnahme entstand in der Nähe des Eberhardt-Gedenksteins im Wald bei Grunbach. Fotos: Marx
Zur naturnahen Waldbewirtschaftung gehört heutzutage auch, einige ausgewählte Stellen sich selbst zu überlassen, denn im Totholz finden viele Lebewesen Unterschlupf und bereichern so die Fauna im Forst. Im Bild (von links): Enzkreis-Forstamtsleiter Frieder Kurtz und sein Stellvertreter Andreas Roth. Die Aufnahme entstand in der Nähe des Eberhardt-Gedenksteins im Wald bei Grunbach. Fotos: Marx
Der markante Eberhardt-Gedenkstein im Distrikt Überrück am Schwarzenberger Weg zwischen Grunbach und Langenbrand.
Der markante Eberhardt-Gedenkstein im Distrikt Überrück am Schwarzenberger Weg zwischen Grunbach und Langenbrand.
Förster Bernhard Brenneis vom Revier Dobel-Eschbach kennzeichnet einen Baum mit Wimmerwuchs (Dellen) im Gewann Hohenacker auf Waldrennacher Markung.
Förster Bernhard Brenneis vom Revier Dobel-Eschbach kennzeichnet einen Baum mit Wimmerwuchs (Dellen) im Gewann Hohenacker auf Waldrennacher Markung.
01.01.2017

Nachhaltige Forstwirtschaft steht im Mittelpunkt einer Exkursion mit der PZ

Die Tour der PZ mit den Leitern des Enzkreis-Forstamts, Frieder Kurtz und Andreas Roth, beginnt in Grunbach beim Parkplatz an den „7 Eichen“ und führt zunächst auf dem Schwarzenberger Weg Richtung Langenbrand zum Eber-hardt-Gedenkstein.

Der macht Wanderer auf den Oberforstmeister aufmerksam, der von 1903 bis zu seiner Pensionierung 1933 Zeichen setzte (siehe „Von Zeiten des Kahlschlags zu einem sorgsamen Wirtschaften“).

Eberhardt, so erläutert es Kurtz, hatte „nach Möglichkeiten gesucht, ein Nutzungs- und Verjüngungssystem zu entwickeln, das die Nachteile der Großfläche vermeidet, die räumliche Ordnung optimal berücksichtigt und somit die Möglichkeit bietet, das Holz ohne Schaden zu nutzen, wenn es hiebreif ist“. Dieses System habe den Wertzuwachs und die Naturverjüngung berücksichtigen sollen. Eberhardt habe den Schirmkeilschlag entwickelt, „der unter strikter Beachtung der räumlichen Ordnung Naturverjüngungswirtschaft entgegen der Hauptsturmrichtung ermöglichte“. Mit „Zupf- und Kitzelhieben“, also sehr vorsichtig, sei man dem Wald zu Leibe gerückt, was eine deutliche Abkehr von den Kahlschlägen vorangegangener Zeiten dargestellt habe, so Kurtz. Heutzutage sei man ökologisch sogar so weit, dass Totholz vorgehalten werde, um vielen Lebewesen ein Biotop zu geben.

Eberhardts damaliger Mut in Verbindung mit seiner gleichsam ökonomisch und ökologisch erfolgreichen Vorgehensweise imponiert Kurtz. Heutzutage gehe es der Forstwirtschaft beispielsweise darum, die Tannenbestände auszubauen und die Fichte zurückzunehmen. Wälder mit einer ausgewogenen Mischung aus Tannen, Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen und Lärchen auf gesunden Böden mit einer Ausrichtung gegen die Hauptsturmrichtung seien ein zentraler Beitrag gegen Schädlinge und starke Stürme. Und somit auch ein gewisser Schutz gegen vermehrt auftretende Folgen von Klimaänderungen. Die schnellwachsenden Fichten seien der Tanne eindeutig nachgeordnet. Dort, wo sie etwa den Wuchs der heimischen Tanne behinderten und so die Entwicklung eines zukunftsorientierten und stabilen Mischwalds beeinträchtigten, würden sie vorrangig geerntet.

Widersprüchliche Interessen

Der Forst, so Kurtz, unterliege von jeher einer Mehrfachnutzung. Zwar sei der Forstbetrieb von der Holzwirtschaft dominiert, habe aber gerade in der Region in keltischer Zeit etwa auch dem Erzbergbau gedient und dies in einer Art und Weise, dass man das Gebiet um Neuenbürg als Ruhrgebiet des Altertums nördlich der Alpen charakterisieren müsse. Nicht nur Köhlerei, sondern auch Viehhaltung und Steinwerke seien weitere Nutzungen, die mit der Waldwirtschaft einhergegangen seien. Heutzutage gebe es andere Herausforderungen, etwa die Windenergie. Hierzu nehme die Forstverwaltung im Bedarfsfall Stellung, sie treffe keine Entscheidungen, unterstreicht Kurtz. Aber auch im Kleinen gelte es, im Wald viele Interessen unter einen Hut zu bringen, etwa wenn es um die Nutzung von Wanderern, Radfahrern oder Reitern gehe. Nicht zuletzt sei der Wald ein großer Hörsaal der Weiterbildung für junge Menschen beim Einsatz des Waldmobils. Die Aufgaben der Förster gehen mittlerweile sogar so weit, bei alten Erzstollen im Berg bei Neuenbürg Einflugschneisen für Fledermäuse frei zu halten, wie bei der Exkursion mit der PZ deutlich wurde.