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Schabernack mit dem Publikum: Die Rieberger Moorschlammbe feiern mit den Zuschauern. Fux
Huckepack im Schlepptau der Fürfelder Kannibalen.
Stimmungsmacher: Die Gugga Mugga aus Altburg.
10.01.2016

Närrisches Treiben: Schellbronner Nachtumzug lockt Massen an

Der Nachtumzug des Narrenbundes Schellau ist in der Region und darüber hinaus längst Kult. Rund 2000 Hästräger in 63 Gruppen und zahlreichen Untergruppen sorgten in der kleinen Bietgemeinde für ein riesiges, farbenfrohes und schauriges Spektakel.

Bildergalerie: Tausende Menschen feiern den Schellbronner Nachtumzug

Denn Hexen, Teufel, zottlige und gruselige Gesellen, aber auch Hästräger mit entzückenden Holzmasken oder Larven unterhielten Tausende Zaungäste prächtig, die teilweise in mehreren Reihen am Straßenrand standen. Startschüsse kündigten den närrischen Tross an, der sich mit viel Schabernack, Knalleffekten, aber auch mit artistischen Höchstleistungen der Hästräger rund zwei Stunden durch das Dorf schlängelte. Das närrische Treiben in Buden, Zelten und Ständen im Narrendorf rund um die Schwarzwaldhalle dauerte noch um ein Vielfaches länger. Der Wettergott hatte mit den Narren Einsehen, der für milde Temperaturen sorgte und den Ausfall des letzten Nachtumzugs, der Sturmkapriolen zum Opfer gefallen war, wieder wettmachte.

Bildergalerie: Nachtumzug // Schellbronn // 09.01.2016

Ausgelassene Stimmung beim Schellbronner Nachtumzug.
Besonders in der Ortsmitte lieferten die Narren Höchstleistungen ab – in der Nähe der Ehrentribüne, von der SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke und Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz, aber auch zahlreiche närrische Hoheiten, darunter beispielsweise Schellau-Prinzessin Lena I. oder der Tiefenbronner Schmellenprinz Prinz Philipp I. sowie viele weitere fastnächtliche Würdenträger auf das närrische Treiben hinabblickten. Vor allem Pyramiden von Hexen, Teufeln, felligen und kuschligen Zeitgenossen, aber auch von Kindern zogen die Blicke auf sich.

Effekte aus Feuer und Licht

Es ist eine beachtliche Leistung der Hexen und Hästräger, deren Sicht unter den Holzmasken eingeschränkt ist und schwere Kostüme sportliche Gelenkigkeit verhindert. Hinzu kommt die Dunkelheit. Nicht nur heimische Lichterketten, sondern auch Feuereffekte, Pyrotechnik und Fackeln vieler Umzugsteilnehmer erhellten die Nacht und machten Schellbronn zu einem wahren Hexenkessel, durch den sich ab und an auch der Krankenwagen kämpfte.

Während einige kleine Umzugsteilnehmer begeistert Lutscher und Bonbons sammelten, waren andere vor Farbe und Stempeln nicht sicher, bangten um Schuhe oder Hüte, die sich die Narren gerne zu eigen machen. Auch Moderatorin Cindy Riexinger, die sich ins fastnächtliche Getümmel stürzte und vom Straßenrand aus auf närrische Tuchfüllung ging, war vor närrischem Spaß nicht gefeit. Da hatte es Moderator Fabian Ochs, der von der Tribüne die Gruppen und Schlachtrufe ankündigte, deutlich leichter.

Mit über 300 Teilnehmern reiste der Tiefenbronner Carnevalsverein an, darunter auch die neue Gruppe „Dorfdira“. Überhaupt scheint es derzeit wieder viele neue Vereine und Gruppen zugeben, darunter auch die „Mühlhausener Bandle“ oder Tetechinger Waldhexen und Gruftdämonen aus Dätzingen, die Feuerhexen aus Weil im Schönbuch, die sich ebenso erst im November 2015 gründeten und beim Nachtumzug Premiere feierten. Zahlreiche Gruppen, Zünfte und Vereine aus der Region und auch weit darüber hinaus, die die Fastnacht seit Jahren beleben, waren ebenso am Start und erinnern häufig an Brauchtum und Geschichte. So auch die Figur der Ruina Hexe, die an die wohlhabende Witwe Helizena, welche im Jahr 645 nach Christus den Grundstein für den Bau des Klosters Hirsau setzte, anlehnt. Eine Besonderheit ist ebenso die Birkenfelder Hogebiere. Denn die Bauern kamen früher aus den umliegenden Orten nach Birkenfeld um sich die Hakenbirne zu holen, um damit ihren Most zu veredeln.