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Misstrauen ist angebracht, wenn Abo-Werber an der Haustür klingeln. Dann gilt: Keine Verträge unterschreiben. Foto: dpa/Archiv
Misstrauen ist angebracht, wenn Abo-Werber an der Haustür klingeln. Dann gilt: Keine Verträge unterschreiben. Foto: dpa/Archiv
04.08.2015

Neue Masche: Betrüger werben mit Abos zugunsten von Sportvereinen

Königsbach-Stein. Eigentlich wollte die 85-Jährige aus Königsbach den örtlichen Sportverein unterstützen. Eine gute Sache, meinte sie, als an der Haustür dafür geworben wurde. Doch nun gab es für die Frau, die an den Folgen eines Schlaganfalls leidet, ein böses Erwachen: Sie hat ein Zeitschriften-Abo abgeschlossen.

Mit der ersten Lieferung kam auch gleich die Rechnung ins Haus, und die ist happig. 100 Euro soll sie bezahlen, und zwar für ein Jahr im Voraus – insgesamt läuft ihr Abo über zwei Jahre. „Das ist alles total unseriös abgelaufen“, ärgert sich ihre Nichte Gabi Schneider. Sie werde einen Anwalt und die Polizei einschalten, damit ihre Tante aus dem Vertrag herauskomme, kündigt sie an.

Fälle wie diesen kennt man bei der Verbraucherzentrale in Stuttgart zur Genüge, wie Karin Thomas-Martin betont. „Es ist immer Vorsicht angebracht, wenn man an der Haustür oder auf der Straße etwas unterschreiben soll.“ Gerade, wenn es um Zeitschriften-Abos gehe, sei die Branche recht einfallsreich.

Vor zwei Jahren warnten die Verbraucherschützer in Sachsen vor unseriösen Praktiken, bei denen Menschen mit Gutscheinen gelockt wurden. Aktuell werben Drücker speziell bei jungen Leuten mit dem Versprechen, dass Drogenabhängige unterstützt werden, so die Expertin. Und die Masche, sich über Sportvereine das Vertrauen der Menschen zu erschleichen, sei auch nicht neu.

Die Abo-Werber treten an Sportvereine heran und machen ihnen folgenden Vorschlag: Für jedes abgeschlossene Abo erhält der Verein eine gewisse Punktzahl – kommen genügend Abos zusammen, wird der Verein mit der Ausstattung für eine Jugendmannschaft belohnt: Trikots und Hosen für 13 Spieler, auch mit Bällen soll das Team versorgt werden. Dafür dürfen die Werber mit einem Foto des Vereins auf Kundenfang gehen.

Horst Wenka, Vorsitzender des SV Königsbach, hat sich auf die Kooperation eingelassen. „Mir wurde versichert, dass den Menschen klar und deutlich gesagt wird, worum es geht“, so der Vereinschef. Außerdem habe der Chef der Werbefirma darauf hingewiesen, dass es bereits etliche Vereine in der Region gebe, die sich auf diese Zusammenarbeit eingelassen haben. Deshalb habe er keine Bedenken gehabt, dass etwas unseriös ablaufen könnte. Dann kamen ihm jedoch Klagen zu Ohren: Die Werber würden auftreten, als kämen sie direkt vom Verein. „Ich habe sofort gesagt, dass das geändert werden muss“, so Wenka. Es sei aber weiterhin falsch gelaufen. „Da wird der gute Name der Vereine genutzt, um eine Unterschrift zu bekommen“, meint Verbraucherschützerin Thomas-Martin.

Auch der SV Kickers Pforzheim hat sich auf die Zusammenarbeit mit den Abo-Werbern eingelassen. „Wenn alles offen abläuft, ist es eigentlich eine faire Aktion“, meint Massimo Caruso, der bei den Kickers für die Finanzen zuständig ist. Er habe den Vorschlag gut gefunden, weil der Erlös der Jugend zugute komme.

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