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Eine Demenzkranke erhält Hilfe im Alltag: Die Dinge des täglichen Lebens überfordern auch viele Menschen, die körperlich noch fit wären. Die ab Januar geltenden neuen Pflegegrade machen auch für sie Pflegeleistungen möglich. Foto: Jens Büttner, dpa
Eine Demenzkranke erhält Hilfe im Alltag: Die Dinge des täglichen Lebens überfordern auch viele Menschen, die körperlich noch fit wären. Die ab Januar geltenden neuen Pflegegrade machen auch für sie Pflegeleistungen möglich. Foto: Jens Büttner, dpa
15.11.2016

Neue Pflegeversicherung, viele neue Betroffene: AOK informiert im PZ-Forum

In der Pflegeversicherung ändert sich ab Januar einiges grundlegend. Nach Einschätzung der AOK steigt die Zahl der Leistungsempfänger.

Die AOK Nordschwarzwald hätte erwartet, dass die Beratungstelefone seit vielen Wochen nicht mehr aufhören zu klingeln. Schließlich stehen zum 1. Januar für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen grundsätzliche Änderungen ins Haus. Vor allem rechnen die Krankenkassen-Experten mit einer großen Zahl an Menschen, die mit dem Pflegestärkungsgesetz II, das dann in Kraft tritt, erstmals Unterstützung in Anspruch nehmen können. Eine deutlich größere Gruppe, als die rund 12.000 Betroffenen, die im Bereich der AOK Nordschwarzwald heute schon Leistungen nach den alten Pflegestufen erhalten. 3000 dieser Menschen werden in Heimen stationär betreut, die anderen in ihrem häuslichen Umfeld.

Vor allem bei Letzteren erwartet Pressesprecher Harald Brandl Umwälzungen, weil das neue Gesetz den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu auslegt. Dominierten bislang körperliche Einschränkungen die Einteilung der Pflegestufen, wird für die künftigen fünf Pflegegrade im Vordergrund stehen, in welchem Maße ein Mensch Unterstützung braucht, um seinen Alltag noch bewältigen zu können. Damit nimmt das Gewicht geistiger und psychischer Einschränkungen zu. Niemand, der heute schon Pflegeleistungen erhält, werde dabei schlechter gestellt, so Brandl. Er müsse sich auch nicht neu begutachten lassen, dürfe das aber tun. Grundsätzlich würde er einfach in den nächsthöheren Pflegegrad neuer Definition eingestuft – bei zusätzlichen geistigen Einschränkungen geht es gleich zwei Grade nach oben.

Einbußen seien für bereits Betroffene also nicht zu befürchten, insgesamt stiegen eher die Chancen auf höhere Leistungen. Genauso wie die Aussichten, erstmals Unterstützung zu erhalten. Brandl denkt da besonders an Menschen, die zwar körperlich noch fit seien, aber beispielsweise durch eine Demenz Probleme hätten, das tägliche Leben zu meistern. Die Bertelsmann-Stiftung geht in ihrem jüngsten Pflegereport davon aus, dass sich bundesweit die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 um rund 50 Prozent erhöhen wird.

Umso mehr wundert sich Brandl darüber, dass die Anfragen an die Kasse bislang sehr überschaubar seien. Der Eindruck sei, dass viele noch nicht realisiert hätten, dass die neuen fünf Pflegegruppen, die ab Januar je nach der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit eingeteilt werden, einiges umwälzen. Bei neuen Anträge auf Pflege gelten neue Sätze, die beispielsweise im künftigen Pflegegrad 2 niedriger ausfallen können als in der bisherigen Pflegestufe 1, wenn der Betroffene in der Bewältigung seines Alltags nicht eingeschränkt ist.


Infos im PZ-Forum

„Was ist neu an der neuen Pflege?“ Die AOK informiert über die Details der Umstellungen bei einer Veranstaltung im PZ-Forum am Mittwoch, 23. November, um 19 Uhr.

Der Eintritt ist frei. Anmeldungen sind erforderlich. Die PZ nimmt sie über ihr bekanntes Service-Telefon unter (0 72 31) 933-125 entgegen.