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11.01.2010

Neue Stadtbahn kommt ins Rollen

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die bisherige Ablehnungsfront im Pforzheimer Gemeinderat gegen eine Stadtbahn bröckelt. Mit einem am Montag eingebrachten Antrag sucht die FDP-Fraktion den Schulterschluss mit den Enzkreis-Gemeinden.

Geprüft werden soll, ob die Idee einer Stadtbahn von Pforzheim über Birkenfeld, Neuenbürg, Straubenhardt nach Ittersbach mit einer innerstädtischen Trasse verknüpft werden kann. Der Pforzheimer FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke fordert auch im Namen seiner liberalen Ratskollegen, „Kontakt zur Verwaltung des Enzkreises und den betroffenen Gemeinden im Enzkreis herzustellen.“ Mehr noch: Eine neue Machbarkeitsstudie soll erarbeitet werden. Die Stadt Pforzheim solle sich daran finanziell beteiligen.

Hager für eine Kehrtwende

Bisher stand das Pforzheimer Kommunalparlament, allen voran die frühere Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP), diesem Ansinnen skeptisch gegenüber. Der neue OB Gert Hager (SPD) deutet indessen eine Kehrtwendung an. Auch der künftige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) engagiert sich stark für einen Schienenstrang durch die City. „Der Antrag Rülkes ist hochinteressant“, meint Hager. Seine Devise lautet: „Pforzheim muss auf das Umland zugehen. Kirchturmpolitik können wir uns nicht leisten.“ Demnächst würden Gespräche mit den Betroffenen stattfinden, kündigt der OB an.

Schon voraussichtlich Ende dieses Monats komme es zu diesen Unterredungen, verrät sein Straubenhardter Kollege Willi Rutschmann. Er spricht sich dafür aus, die bisher vorliegende Machbarkeitsstudie für die Schwanner Trasse um eine innerstädtische Linienführung zu erweitern. „Ich habe den Eindruck, dass in Pforzheim ein Umdenken stattfindet“, analysiert Rutschmann. Auch der Birkenfelder Schultes Reiner Herrmann freut sich, dass der Gedanke wieder aufgegriffen wird: „Allerdings ist es nicht nötig, die Studie komplett neu aufzurollen. Es genügt, sie zu ergänzen“, betont auch er. So könne ein anderes Ergebnis als bisher bei der standardisierten Bewertung herauskommen.

„Wenn die Initiative dazu führt, dass wir eine Stadtbahn über die Neuenbürger Wilhelmshöhe bekommen, wäre das super“, ist der Neuenbürger Rathauschef Horst Martin nicht minder begeistert.

Skepsis bei CDU und SPD

Einen anderen Blickwinkel gibt es in den beiden größten Pforzheimer Gemeinderatsfraktionen. „Ich wundere mich, dass nach nur drei Wochen der Pforzheimer Verkehrsentwicklungsplan über den Haufen geworfen wird“, ärgert sich SPD-Stadtrat Jens Kück. Der Plan habe gezeigt, dass eine innerstädtische Bahntrasse nicht das gewünschte Fahrgastpotenzial bringe. Auch CDU-Fraktionschef Florentin Goldmann will den Verkehrsentwicklungsplan nicht in Frage stellen. Dennoch signalisiert er ein Einlenken: „Ich kann mir vorstellen, einer Machbarkeitsstudie zuzustimmen. Damit ist die Bahn ja noch nicht gebaut.“

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