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Akten gewälzt:  Harry Wörz (links) und sein Verteidiger Hubert Gorka bereiten sich erneut auf ein Mammut verfahren vor, das Mitte April zum zweiten Mal im Landgericht Mannheim beginnt.
Akten gewälzt: Harry Wörz (links) und sein Verteidiger Hubert Gorka bereiten sich erneut auf ein Mammut verfahren vor, das Mitte April zum zweiten Mal im Landgericht Mannheim beginnt. © Wittek, Archiv
28.01.2009

Neuer Richter für Harry Wörz

BIRKENFELD/MANNHEIM. Der Fall Harry Wörz kennt viele Wendungen. Jetzt bekommt der Birkenfelder nach einem Wechsel in der Strafkammer des Landgerichts Mannheim einen neuen Richter. Der Prozess wurde verschoben.

Seit knapp zwölf Jahren wehrt sich der gelernte Bauzeichner Harry Wörz aus Gräfenhausen nun schon gegen den Vorwurf, er hätte in der Nacht zum 29. April 1997 mit einem Schal versucht, seine frühere Ehefrau zu erdrosseln. Die Neuauflage des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Mannheim sollte am 2. März beginnen. Der Vorsitzende Richter Matthias Schwab hatte 29 Verhandlungstage angesetzt, um die Wahrheit über die versuchte Tötung der seinerzeit 26-jährigen Polizistin Andrea Z. herauszufinden.

Doch Schwab wird einen der rätselhaftesten Kriminalfälle der baden-württembergischen Justizgeschichte nicht mehr lösen. Er verlässt die 3. Strafkammer und wechselt zum Oberlandesgericht Karlsruhe. Sein Nachfolger, der erfahrene Rolf Glenz, hat den Prozess jetzt um sechs Wochen verschoben. „Das Verfahren wird voraussichtlich Mitte April beginnen“, bestätigte Christian Hirsch, ein Sprecher des Landgerichts.

Verhandlungsmarathon bis Juli

„Ich rechne mit einem Prozessauftakt am Mittwoch, 22. April“, sagt der Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp, der als Nebenkläger die Interessen des schwer gehirngeschädigten Opfers vertritt. Erneut müssen sich die Verfahrensparteien auf einen Verhandlungsmarathon einstellen. „Das Gericht unter dem Vorsitz von Glenz hat bereits 25 Termine vorgeschlagen“, so Schilpp.

Harry Wörz, 42 Jahre, wird mit einem Verteidiger-Duo vor seinen neuen Richter treten. Seinem Anwalt Hubert Gorka aus Karlsruhe steht künftig Ralf Neuhaus als zusätzlicher Pflichtverteidiger zur Seite. Der Jurist aus Dortmund ist Fachanwalt für Strafrecht und Lehrbeauftragter an der Universität Bielefeld. Neuhaus hat sich speziell mit Kriminaltechnik sowie DNA-Analyse beschäftigt. Genetische Spuren haben die Wörz-Verfahren schon immer beherrscht. Da das Opfer niemals aussagen konte, dreht sich alles um Indizien und deren Bewertung.

„In großer Terminnot“

Gorka sah angesichts seiner Terminnot keinen anderen Weg, als sich Unterstützung zu holen. „Ich bin seit Monaten in zwei großen Verfahren gebunden, die sich auch noch überlappen“, so Gorka. Die umfangreiche Vorbereitung auf den Wiederaufnahmeprozess in Mannheim sei mit der Hilfe des Dortmunder Kollegen leichter zu bewältigen. Der Anwalt von Harry Wörz musste den Anspruch auf einen zweiten Pflichtverteidiger gerichtlich durchsetzen. Das Landgericht Mannheim, noch unter der Regie von Matthias Schwab, hatte Gorkas Antrag abgelehnt. Doch das Oberlandesgericht Karlsruhe stimmte seinem Wunsch schließlich zu.

Mit Ralf Neuhaus sei auch die Prozessführung besser zu bewältigen, so Gorka. „Das Strafgericht besteht aus drei Berufsjuristen, der Staatsanwalt wird von einem Team unterstützt, dann ist noch der Anwalt der Nebenklage da“, so beschreibt Gorka sein Problem, als Einzelanwalt gegenüber der Richterbank, dem Anklagevertreter und dem Nebenkläger zu bestehen. Das Gericht ist neu, Gorkas Gegenspieler bleiben hingegen gleich. Neben Michael Schilpp wird wohl wie im ersten Wiederaufnahmeverfahren erneut Staatsanwalt Uwe Siegrist Platz nehmen.