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Bei Gipfeltreffen im Landratsamt tauschten sich Flüchtlingshelfer schon mehrmals mit der Kreisverwaltung aus, hier im Juni 2016 mit Landrat Karl Röckinger und der Sozialdezernentin Katja Kreeb. Jetzt muss der Enzkreis mit den ehrenamtlichen aktiven Bürgern und den Gemeinden darüber sprechen, wie die vom Land finanzierten Jobmanager zur Asylbetreuung in den Kommunen passen.  Ketterl, Archiv
Bei Gipfeltreffen im Landratsamt tauschten sich Flüchtlingshelfer schon mehrmals mit der Kreisverwaltung aus, hier im Juni 2016 mit Landrat Karl Röckinger und der Sozialdezernentin Katja Kreeb. Jetzt muss der Enzkreis mit den ehrenamtlichen aktiven Bürgern und den Gemeinden darüber sprechen, wie die vom Land finanzierten Jobmanager zur Asylbetreuung in den Kommunen passen. Ketterl, Archiv
28.03.2017

Neues Gerüst zur Flüchtlingsbetreuung im Kreis

Da waren sie wieder, meine drei Probleme“, seufzt der Komiker Otto Waalkes in einem Film. Das könnten jetzt auch die Kommunalpolitiker im Enzkreis sagen. Die Baustellen für Kreisräte und Verwaltung: Das Land stellt den Kommunen viel Geld für die Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung. So ausgiebig der Geldsegen ist, so zwingt er die Bürgermeister doch dazu, die Organisation der Asylversorgung zu überdenken.

Außerdem läuft noch eine ganze Weile das Bauprogramm für rasend schnelle Internetanschlüsse in den Gemeinden. Schließlich hat der Enzkreis die Weichen für einen erfolgreichen Weg des TeleGIS-Innovationszentrums in Sternenfels gestellt – klappt dies in den kommenden fünf Jahren nicht, steigt der Kreis wohl aus der Förderung aus.

Die Vorahnung eines Kreisrats

Beim Thema Flüchtlingsbetreuung beschlich den Kreisrat Heinrich Furrer von den Freien Wählern (FWV) vor einer Woche im Sozialausschuss schon eine Vorahnung, als der Landrat Karl Röckinger und die Dezernentin Katja Kreeb Eckpunkte des neuen Asylprogramms des Landes für die Kommunen erläuterten. Die Landesregierung dürfe keinesfalls neue Strukturen in den Gemeinden aufbauen, forderte Furrer. Doch nun zeichnet sich ab, was er befürchtet hatte: Kernstück dieses Eingliederungspakts mit den Kommunen in Baden-Württemberg sind hauptberufliche Integrationsmanager – wohl Sozialarbeiter oder Pädagogen mit Studium.

140 Millionen Euro über zwei Jahre gibt die Landesregierung für diese Jobmanager aus. Sie sollen die Asylsuchenden in die Berufswelt bringen. Woher die rund 1000 Fachkräfte kommen, ist allerdings noch nicht klar.

Das Hauptproblem aber: Die Sozialarbeiter sollen mit den ehrenamtlichen Helfern zusammenarbeiten. Doch wie sieht in den Gemeinden dann künftig die Aufgabe der Flüchtlingsbeauftragten genau aus, die der Enzkreis in eigener Regie mit insgesamt rund 225 000 Euro eingerichtet hat? Als Koordinatoren sind sie eine Art Drehscheibe zwischen Helferkreisen und Behörden – mit den Jobmanagern und weiteren Deutschkursen kommt beim schwierigen Übergang der Flüchtlinge von der Schule in einen Beruf künftig aber eine weitere Instanz hinzu.

24 Monate lang erhält eine Kommune vom Land rund 70 000 Euro pro Jahr für die Sozialarbeiter und für Sprachkurse. „Die Bürgermeister müssen entscheiden, ob sie die Sozialpädagogen selber suchen und einstellen wollen oder ob das übergreifend für alle die Kreisverwaltung tun soll“, so Kreeb. Möglich wäre auch die Variante, die bisher beauftragte Sozialarbeit in der Flüchtlingsbetreuung für diesen neuen Bereich aufzustocken, so die Dezernentin.

Ein Problem für den Enzkreis ist auch das vor 20 Jahren in Sternenfels aufgebaute TeleGIS-Gründerzentrum mit dem KOMM-In-Gebäude. Künftig soll sich TeleGIS ums Thema Aus- und Weiterbildung kümmern, weitere Maßnahmen das Defizit verringern. „Wir hoffen auf eine schwarze Null“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende diese Woche im Wirtschaftsausschuss des Kreistags. Das Sparprogramm ist auf fünf Jahre angelegt. Bleibt es bei Verlusten, wird der Enzkreis seinen Zuschuss von bis zu 30 000 Euro pro Jahr ab 2022 wohl aufgeben.

Fahrplan für Datenautobahnen

Langwierig ist der Bau von Datenautobahnen im Kreisgebiet – aus Sicht des Kreistags aber ohne Alternative. Zug um Zug werden in Gemeinden Glasfaserleitungen für schnelles Internet verlegt. Ende des Jahres will der Verband für die Breitbandversorgung das künftige Netz an einen Betreiber vergeben. 2018 läuft der innerörtliche Glasfaserausbau weiter. Dort, wo das Netz besteht, könnte ein Telekommunikationsunternehmen die Datenautobahn in Betrieb nehmen.