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Jetzt hat er sich entschieden: Schultes Jürgen Kurz wird sein Büro mit der von Kunst umrahmten Besprechungsecke in fünf Monaten räumen. Foto: Seibel
Jetzt hat er sich entschieden: Schultes Jürgen Kurz wird sein Büro mit der von Kunst umrahmten Besprechungsecke in fünf Monaten räumen. Foto: Seibel
26.01.2016

Niefern-Öschelbronns Kapitän Jürgen Kurz geht von Bord

Der dienstälteste Bürgermeister im Enzkreis hört überraschend auf. Am Dienstagabend in der Sitzung des Gemeinderats Niefern-Öschelbronn ließ der 67-jährige Rathauschef Jürgen Kurz die Katze aus dem Sack: Nach 38 Jahren an der Spitze der Verwaltung werde er bei der Bürgermeisterwahl am 8. Mai nicht mehr antreten und Ende Juni in den Ruhestand gehen. „Am 1. Juli beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben“, sagte Kurz.

Vor einem Monat hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Udo Hummel den Schultes noch aufgefordert, an Bord zu bleiben: „Sie als langjähriger Fährmann sollten unbedingt weitermachen.“ „Ich werde mich im Januar entscheiden“, antwortete Kurz damals. Jetzt ist klar, dass vom Juli an ein neuer Kapitän das Gemeindeschiff lenken wird.

Ist das kommunale Feuer, das Kurz vier Jahrzehnte lang antrieb, erloschen? Als die Bürger ihn 2009 mit 98 Prozent – ohne Gegenkandidaten – wiederwählten, sagte Kurz in einem Interview mit der PZ, er brenne geradezu darauf, noch zahlreiche Aufgaben anzupacken. Damals war seine fünfte Amtszeit allerdings begrenzt. Die Gemeindeordnung schrieb vor, dass Bürgermeister mit 68 ausscheiden müssen.

Chance durch neue Altersregel

Doch vergangenes Jahr hob der Landtag die Altersgrenzen an, wie die PZ berichtete. Jürgen Kurz hätte dieses Jahr als 67-Jähriger noch einmal antreten können – jedoch wären ihm dann höchstens fünf Jahre geblieben. Ein Verwaltungschef muss sich nun spätestens mit 73 in den Ruhestand verabschieden. Diese neue Regel nährte in der Gemeinde zuletzt Spekulationen, Kurz werde doch noch einmal kandidieren. Doch der Schultes entschied sich anders. Als die Wähler ihm vor rund sechs Jahren erneut das Vertrauen schenkten, bedauerte er gegenüber der PZ, dass er nach der damaligen Rechtslage die 40 Jahre nicht ganz erfüllen durfte. Zwei Jahre hätte Kurz sicher gerne angehängt – aber eben nicht fünf Jahre. Dass ihm der Abschied nach so langer Zeit nicht leicht fallen wird, ist kein Geheimnis.

Allerdings haben der Verwaltungsleiter und der Gemeinderat im Haushalt für dieses Jahr alle großen Projekte aufs Gleis gesetzt. Das neue Schulgebäude wird gebaut, der Nieferner Bahnhof zu einem Haus der Musikvereine umgestaltet, das Gewerbegebiet „Ziegelbaum“ in Öschelbronn gestartet, das Feuerwehrhaus in Niefern saniert und eine zweite Sporthalle in Öschelbronn geplant. Bürgermeister Kurz hat alle Weichen für eine bessere Infrastruktur gestellt. Hat er also den besten Zeitpunkt gefunden, den Chefsessel zu verlassen? Der Wahlkampf um die Nachfolge wird spannend. Schon in einem Monat geht es los.

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