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21.04.2010

Noch keine Entscheidung im Fall Wörz absehbar

PFORZHEIM/KARLSRUHE. Ein halbes Jahr nach dem spektakulären Freispruch für Harry Wörz ist noch nicht absehbar, ob sich für den Anschlag auf dessen Ex-Frau ein verdächtiger Polizist verantworten muss. Die Ermittlungen gegen den suspendierten Beamten laufen noch, teilte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Mittwoch auf Anfrage mit. Am Dienstagabend war Harry Wörz in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ zu Gast. Das Thema: „Liebeszellen für Mörder, Unschuldige hinter Gittern: Justiz verrückt?“

Es sei nicht absehbar, wann die Ermittlungen abgeschlossen werden könnten, sagte ein Sprecher. Details wollte er nicht nennen. Der 51 Jahre alte Polizist ist seit Januar vom Dienst suspendiert. Hintergrund ist das Urteil des Landgerichts Mannheim, das Wörz im Oktober 2009 freigesprochen hatte vom Vorwurf des versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau. Die Mannheimer Richter halten den Beamten als damaligen Geliebten des Opfers für verdächtig.

Die Frau war im April 1997 beinahe erdrosselt worden und ist seitdem schwer behindert. Der Polizeibeamte war bereits unmittelbar nach dem Anschlag verdächtigt worden. Die Ermittlungen konzentrierten sich dann aber auf den 43-jährigen Wörz aus Birkenfeld. Nach dem Mannheimer Urteil ermittelt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe nun erneut wegen versuchten Mordes gegen den Polizeibeamten aus Pforzheim. Der Beamte ist auf freiem Fuß.

Unterdessen wartet Wörz darauf, ob sein Freispruch rechtskräftig wird. Staatsanwaltschaft und der Anwalt des Opfers haben das Mannheimer Urteil beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe angefochten. Wann dieser entscheidet, ist noch nicht absehbar.

Der Fall gehört zu den ungewöhnlichsten Prozessen deutscher Rechtsgeschichte: Der gelernte Installateur und Bauzeichner Wörz war 1998 zunächst zu elf Jahren Haft verurteilt worden und verbüßte einen Teil der Strafe. Im Wiederaufnahmeverfahren war er dann zum ersten Mal freigesprochen worden. Der BGH hob dieses Urteil 2006 jedoch wegen rechtlicher Fehler auf. Das Landgericht Mannheim musst erneut verhandeln und sprach Wörz wieder frei. dpa