nach oben
OP-Schwester aus Niefern setzt sich in Westfafrika ein.
OP-Schwester aus Niefern setzt sich in Westfafrika ein © privat
14.10.2011

OP-Schwester aus Niefern setzt sich in Westfafrika ein

NIEFERN-ÖSCHELBRONN. Als Fachschwester im Operationssaal ist Monika Baier-Signorile einiges gewohnt. Die OP-Schwester aus Niefern hat in vielen Jahren im Klinikum Pforzheim gelernt, professionell mit dem Schreck umzugehen, der sich zum Beispiel dann einstellt, wenn sie mit den Ärzten schwerverletzte Opfer von Verkehrsunfällen behandelt.

Tief betroffen kehrte sie jedoch im Juni von einem Einsatz im westafrikanischen Staat Sierra Leone zurück. Im OP-Saal eines Hospitalschiffs, das im Containerhafen der Hauptstadt Freetown vor Anker gegangen war, lernte sie unglaubliches menschliches Leid kennen. „Was wir mit der privaten Hilfsorganisation Mercy ships dort gemacht haben, ist Medizin, um das Elend wenigstens zu lindern“, sagt Monika Baier-Signorile.

Da sind Kinder mit klaffenden Lippenspalten: „Die werden meist verbannt oder ausgestoßen.“ Da sind Menschen mit riesigen Krebsgeschwülsten im Gesicht. Die Operationen im Schiffs-OP seien oft „Medizin zum Überleben“. Aber sie können oft auch sehr viel mehr wert sein. Die Kinder bekommen wieder eine Chance. Und von dem Mann mit dem Gesichtstumor, den die Ärzte entfernt haben, wenden sich die Mitmenschen nicht mehr ab.

Die Leute in dem tiefarmen Land, das von einem langen Bürgerkrieg zerrüttet worden ist, hätten „ein riesiges Vertrauen in die Ärzte des Schiffs“, sagt OP-Schwester Monika Baier-Signorile. Die Patienten könnten nach den Operationen ihr Glück kaum fassen. „Das ist dort natürlich ganz anders als bei uns“, sagt sie. „Hierzulande wissen die Leute ziemlich genau, wie wir ihnen in einem Krankenhaus helfen, aber in Sierra Leone haben die Menschen zunächst überhaupt keine Erwartung, was ärztliche Kunst bewirken kann.“

Monika Baier-Signorile hat in Westfarika das Glück der Kinder erlebt, die nach einer Augenoperation wieder Farben sehen konnten: „Wir haben vor ihren Augen einen roten Luftballon aufgeblasen und dann in strahlende Gesichter gesehen.“

2009 hatte Monika Baier-Signorile bei einem OP-Pflegekongress in München erstmals von der Hilfsorganisation Mercy ships gehört – und Feuer gefangen. rst